Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheAuf dem Weg zu Gott
DeutschEnglishFrancais

Aus dem Brief an die Kolosser


Kol 3, 8 Jetzt aber sollt ihr das alles ablegen: Zorn, Wut und Bosheit; auch Lästerungen und Zoten sollen nicht mehr über eure Lippen kommen.

9 Belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt

10 und seid zu einem neuen Menschen geworden, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen.

11 Wo das geschieht, gibt es nicht mehr Griechen oder Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene, Fremde, Skythen, Sklaven oder Freie, sondern Christus ist alles und in allen.

12 Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!

13 Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!

14 Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.

15 In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!

16 Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit! Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade.

Auf dem Weg zu Gott


Kompass zu Gott ist die Freude, habe ich im Impuls der 40. Kalenderwoche (siehe Archiv) geschrieben. Ich möchte das Thema noch etwas vertiefen. Um zu ermessen, ob ich auf dem rechten Wege bin, kommt es nicht darauf an, wo ich stehe, sondern darauf, in welcher Richtung ich mich bewege.

Warum?


Ich kann auf dem rechten Wege sein und schon ganz nahe am Ziel, aber wenn ich auf dem Weg stehen bleibe oder gar umkehre und wieder weg gehe, dann bin ich zwar auf dem rechten Weg, aber in der falschen Richtung.
Oder umgekehrt: ich kann ganz unten sein und mich entsprechend schlecht fühlen, wenn ich mich aber aus diesem Tiefpunkt heraus bewege, dann bin ich auf dem rechten Weg, auch wenn ich an einer sehr tiefen Stelle bin und noch weit zu gehen habe. Das ist auch eine sehr tröstliche Wahrheit.

Es kommt gar nicht darauf, wo ich stehe in meinem Leben, sondern wohin ich mich bewege. Komme ich Gott und dem Nächsten näher oder entferne ich mich langsam immer weiter?


Das ist das Grundkriterium.
Die große Gefahr ist dabei nicht nur der Rückschritt, sondern schon das Stehenbleiben. Damit meine ich nicht, dass ich nie eine Pause auf dem Wege machen darf. Oder etwas deutlicher in Bezug auf unser häufig sehr stressiges Alltagsleben gesagt: es ist im Gegenteil sehr gut und wichtig, einmal am Tag aus dem Laufrad auszusteigen und das Rennen zu unterbrechen. Also in die Stille zu gehen und Abstand zu suchen, um zu sehen, wo es denn hingeht mit diesem Tag und mit meinem Leben? Und um Kraft zu schöpfen. Um das Notwendige zu tun.

Mit Stehenbleiben meine ich vielmehr, dass sich (vielleicht seit Jahren) nichts mehr bewegt bei mir, auch wenn sonst viel los ist. „Rasender Stillstand“ wird das genannt. Es ist das Gefühl, ich lebe eigentlich nicht selbst, sondern ich werde gelebt. Ich führe nicht mein Leben, sondern lasse mich nur leiten: von meinem Terminkalender, von meinen Interessen, meinen Süchten und Schwächen oder von den Ansprüchen anderer.
Ich habe seit langer Zeit keinen eigenen Schritt mehr unternommen. Hier berührt sich dieses Thema mit dem Impuls über den nächsten Schritt (siehe Archiv KW 31). Es kommt also im geistlichen Leben darauf an, den nächsten, mir möglichen Schritt zu tun.

Woran kann ich erkennen, wohin der nächste Schritt gesetzt werden soll?
Das wichtigste habe ich schon gesagt: in Richtung der Freude, die sich einstellt, wenn ich aus mir hinausgehe, das Gefängnis meines Ich verlasse. Oder wenn jemand anderes die Mauern dieses Gefängnisses durchbricht und ich die Freiheit und die Liebe erfahre und darauf positiv antworte und darauf zugehe.

Ich kann es aber noch genauer fassen: Gottes Weg führt immer:
- In die größere Freiheit und in die tiefere Wahrheit.
- Aus der Sklaverei in das Gelobte Land.
- Heraus aus der Lüge und dem Selbstbetrug.
- Aus der Enge und Angst ins Weite.
- Aus der Zerstreuung in die Mitte.
- Aus dem Vielerlei zur Konzentration.
- Aus der Dissonanz in die Harmonie.

Also es gehen zwei Dinge miteinander: dass ich wirklich lockerer, freier, weiter werde und zugleich konzentrierter und wesentlicher. Um es im Beispiel zu sagen: ein Anfänger beim Autofahren ist verkrampft und unsicher und macht leicht große Fehler. Jemand mit Erfahrung kann sich sogar dabei erholen und ganz entspannt und gekonnt fahren, weil er weiß, worauf es ankommt und auf das Wesentliche, auf die Mitte ausgerichtet ist. Oder ein erfahrener Handwerker ist ganz fröhlich und vergnügt bei der Arbeit, gerade weil er weiß, wie es geht und worauf es ankommt. Er hat große Freiheit im Umgang mit seinen Instrumenten und Materialien. Und gerade so kann er Außergewöhnliches leisten.

Dagegen kann ich sagen, dass es nie Gottes Weg ist, wenn es stracks ins Gegenteil hinein führt: in die Unfreiheit, den Krampf, die Verbissenheit, die Einseitigkeit (z. B. Fundamentalismus oder Libertinage), in die Lüge und den Selbstbetrug, in die Enge und die Angst, weg aus der Mitte in die Betäubung der vielen möglichen Ablenkungen und Vergnügungen, die nicht froh machen, sondern misslaunig.

Weil der Weg zu Gott tiefer in die Wahrheit und Freiheit führt, also zum unterscheidend Menschlichen, führt er mich auch immer mehr zu mir selbst, macht er mich menschlicher.

Es ist also auch ein Kriterium, dass dieser Weg dann auch zu mir und dem Guten und Gelungenen in meinem Leben passt und nicht quer dazu steht, also aus der Dissonanz in die Harmonie führt.Das alles kann zusammen gehen mit Auseinadersetzungen und heftigen Konflikten, die entstehen, weil ich mich verändere und so nicht mehr dem Gewohnten und den Erwartungen entspreche. Aber es bleibt dabei ein innerer Frieden mit Gott und eine Gewissheit, das Richtige zu tun.All das kann noch genauer und tiefer beschrieben werden und das werde ich auch tun, aber jetzt genügt es erst einmal, so hoffe ich, zum eigenen Nachdenken und Nachempfinden.