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Aus dem Römerbrief


Röm 8, 31 Was ergibt sich nun, wenn wir das alles bedenken? Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?

32 Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

33 Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht.

34
Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.

35
Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?

36
In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat.

37
Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.

38
Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten

39
der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Angst


Darf ich als gläubiger Mensch Angst haben?


Carl Friedrich von Weizsäcker zitiert in einem Artikel einen Gläubigen aus der Gemeinschaft der Quäker, dass es drei Dinge seien, die den Christen ausmachen: „he is immenseley happy, he is absolutely fearless, and he is always in trouble; grenzenlos glücklich, absolut furchtlos, und immer in Schwierigkeiten.“
Weizsäcker fügt hinzu: „Ich habe sofort gesehen, dass ich nicht furchtlos genug war, um so in Schwierigkeiten und so glücklich zu sein…“* Weizsäcker jedenfalls ist nicht furchtlos. Ist das bedauerlich? Ist er darum kein richtiger Christ? Ist unsere Furcht, ist unsere Angst letztlich nur Zeichen des schwachen Glaubens?

Nein, Furcht und Angst sind zunächst einmal unwillkürliche Gefühle. Wir können gar nichts dafür. Sie stellen von selbst sich ein. Sie sind sogar sehr wichtig und notwendig. Denn sie warnen uns in schwierigen und gefahrvollen Situationen.

Wie es bei Erich Kästner heißt: „Seien wir ehrlich, Leben ist immer lebensgefährlich.“ So soll ich erst einmal meine Ängste wahrnehmen und sie annehmen und ernst nehmen. Was ist es genau, was mich jetzt eigentlich mit Angst erfüllt? Der Konflikt mit meinem Vorgesetzten? Die Rede vor einem schwierigen Publikum? Die Prüfung morgen früh? Das Vorstellungsgespräch? Die Darmoperation?

Ich soll also bewusst anschauen, was mir Angst macht. Das ist das Erste.
Und ich darf mir sagen: Mit Recht hast du Angst davor. Ich soll also keine Angst vor der Angst haben. Ich soll ihr danken: Gut, dass es dich gibt und du mich warnst und wach und aufmerksam machst. Und ich soll das Meine tun, damit ich gut auf die Situation vorbereitet bin.

Immer noch ist die Angst da. Was soll ich dann tun? Ich soll versuchen, sie einzugrenzen. Sie soll nicht alles überschwemmen. Wie geht das? Ein guter Ratschlag ist: Ich stelle mir das Schlimmste vor, was passieren kann: Ich falle morgen durch die Fahrprüfung. Schlimm. Ja, wirklich schlimm. Aber damit ist ja nun das Leben nicht zu Ende. Auch wenn in dieser Situation das Schlimmste eintrifft, was ja keineswegs immer der Fall ist, dann gibt es immer noch Möglichkeiten und weitere Schritte.

Also auf das Schlimmste schauen und das versuchen anzunehmen. Das kann die Ängste eingrenzen.

Ja und der Glaube? Ja, der Glaube spielt auch eine Rolle. Aber schauen wir erst einmal auf Christus. Auch er hat Angst.
Spätestens am Ölberg in der Nacht des Verrats und der Verlassenheit „da ergriff ihn Furcht und Angst…“ (Mk 14,33). Nicht das Angsthaben unterscheidet den starken vom schwachen Glauben. Nein, sondern ob die Angst das letzte Wort hat. Ob meine Angst dann entscheidet, wie ich handle. Oder mein Glaube entscheidet, wie ich handle. Was tut Jesus in seiner Situation der äußersten Angst?

Mk 14,35f: „… er … warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen).“


Jesus wendet sich an seinen geliebten Vater. Er schildert die Situation und auch seine Hoffnung und seinen Wunsch, dass dieser Kelche des Leidens an ihm vorübergehen möge. Das darf auch ich ganz deutlich und laut tun. Aber er lässt seinem Vater die Freiheit. Damit ist die Angst nicht vorüber, aber sie beherrscht ihn nicht so, dass er flieht sondern den Mut hat, in diese letzte Dunkelheit hineinzugehen.

Glaube befreit nicht von der Angst, aber er befreit von der Herrschaft der Angst. Und so erscheint es oft so, dass die Heiligen „absolutely fearless“ seien. Sie sind es nicht.

Es gibt noch etwas anderes, wobei der Glaube im Umgang mit der Angst hilft. Nämlich vor den richtigen Dingen Angst zu haben:  nicht diese kleine Prüfung ist so entscheidend, nicht ob nun gerade diese Leute mich lieben und bewundern, nicht dass ich unbedingt in allem abgesichert bin, sondern ob mein Leben einen Sinn hat, ob ich ein gutes Gewissen haben kann, ob ich durch mein Tun etwas mehr Licht, Freude, Hoffnung und Liebe in die Welt gebracht habe, vgl. Mt 10,26-33.

Und ein letztes, irgendwo habe ich gelesen, in der Bibel steht 366 Mal: „Fürchtet euch nicht!“ Das bedeutet erst einmal, wir fürchten uns. So ist es. Und Gott weiß das. Aber jeden Tag des Jahres dürfen wir hören (und sogar einmal mehr für das Schaltjahr): „Fürchtet euch nicht!“


*Bergpredigt, Altes Testament und modernes Bewusstsein, in: Der Garten des Menschlichen, München-Wien 1977, 444-453, Zitat: 449.