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Der wunderschöne aronitische Segen sieht Gottes Antlitz wie das leuchtende Antlitz von Mutter und Vater über dem Kind, wie die strahlende Sonne am Himmel, die uns erleuchtet. So strahlt Gottes Angesicht über uns im Segen auf.

22 Der Herr sprach zu Mose:

23 Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: 

24 Der Herr segne dich und behüte dich. 

25 Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. 

26 Der Herr wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden. 

27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.

Der Augenblick


Ein Mensch, der recht sich überlegt, dass Gott ihn anschaut unentwegt,
fühlt mit der Zeit in Herz und Magen ein ausgesprochnes Unbehagen
und bittet schließlich Ihn voll Grauen, nur fünf Minuten wegzuschauen.
Er wolle unbewacht, allein inzwischen brav und artig sein.
doch Gott, davon nicht überzeugt, ihn ewig unbeirrt beäugt.
Eugen Roth


Das Gedicht hat den Titel: Unter Aufsicht.
Ein humorvolles, aber auch schreckliches Gedicht. Manche Menschen fühlen Gottes Blick wie den eines Polizisten auf sich. Den Blick eines Gottes, der nicht überzeugt ist, dass wir brav und artig sind. Ein anderes Wort, das früher mit erhobenem Zeigefinger zu Kindern gesagt wurde, ist nicht minder bedrohlich: „Ein Auge ist, das alles sieht, auch was in dunkler Nacht geschieht.“

Der überwachende, misstrauische Blick, vor dem ich mich verbergen möchte. Er macht mich klein und traurig.

In meiner Gebetsecke steht eine Ikone. Sie ist relativ klein, aber sehr ausdrucksstark. Sie ist handgemalt, oder wie es korrekt heißt „geschrieben“ und ein mir sehr wertvolles Geschenk. Jesus schaut mir direkt in die Augen. Ich schaue ihm direkt in die Augen.
Ich sage dann jeden Tag: „Herr, hier sitze ich vor Deinen Augen. Ich weiß, Deine Augen schauen voll Liebe auf diese Welt. Sie schauen auch auf mich voll Liebe. Du weißt, es fällt mir nicht leicht, das zu glauben.“
Ja, oft ist es leichter zu glauben, dass diese Augen mich nicht voller Liebe anschauen, weil ich mich selbst nicht voller Liebe anzuschauen vermag. Ich sehe eher alles andere an mir. Eher alles, was mit Unzufriedenheit, Kritik, Verachtung zu sehen ist.

Aber wenn ich mir sage und versuche zu glauben: „Deine Augen schauen voller Liebe auf mich“, dann verändert mich das. Das, was ich an mir nicht gut finde, wird unwichtig. Vieles an Last und an Gefühl der Einsamkeit, an Gefühl, immer alles allein bewegen, transportieren und vorwärts bringen zu müssen, entschwindet oder wird viel leichter. Denn er trägt es ja schon und er versteht mich und meine Situation.

Das liebende Auge Jesu, unter dem ich wachsen und froh sein kann.

Diese Augen Jesu schauen mich an. Sie fixieren mich aber nicht. Es ist mit dieser Ikone wie mit vielen Christusikonen, die ich kenne. Sie schauen mich an, aber sie fixieren mich nicht. Sie schauen weiter, als ich bin. Sie schauen weder durch mich hindurch, noch durchschauen sie mich in einem negativen Sinn.
Sie sehen mich, aber sie sehen mehr als mich und tiefer, als ich jetzt bin. Sie schauen zugleich die Ewigkeit. Und gerade dieser Blick, der nicht fixiert, der weiter schaut, führt auch mich weiter. Führt auch mich tiefer. Macht mich freier. Gibt mir von seinem Blick. 

„Im Schauen auf dein Antlitz werden wir verwandelt in dein Bild.“