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Die Quelle entdecken


Am 3. Fastensonntag hören wir das Evangelium von der Frau am Jakobsbrunnen. Darin geht es darum, wie wir unsere verschütteten Quellen wieder finden, ja selbst zur lebendigen Quelle werden. Besser gesagt, wie Jesus die verschüttete Quelle dieser Samariterin aufgräbt und wie sie wieder zu sprudeln beginnt. Kann das auch bei uns geschehen?

Es sind vier Schritte


Aus dem vierten Kapitel des Johannesevangeliums:

4:5 So kam er [Jesus] zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. 4:6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. 4:7 Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! 4:8 Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. 4:9 Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.


Erster Schritt: Jesus spricht die samaritische Frau an und durchbricht damit den Alltag und seine festen Regeln. Die Juden und die Samariter waren verwandt, aber gerade darum einander feind. Wenn Jesus sie anspricht, durchbricht er damit das Alltägliche. Ein zusätzlicher Tabubruch ist für die damalige Zeit, dass Jesus einfach eine fremde Frau anspricht.

Wir werden nur offen für Neues, wenn unser so festgefügter Alltag und seine Überzeugungen ein paar Sprünge bekommen. Wo bricht bei mir einmal etwas Neues und vielleicht Störendes in meinen Alltag ein und macht mich offen für neue Fragen?

4:10 Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. 4:11 Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? 4:12 Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? 4:13 Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; 4:14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. 4:15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.

Zweiter Schritt: Wir verstehen oft nicht mehr die Tiefe der Dinge und ja unserer eigenen Bedürfnisse. Wir sind wie zugenagelt oder wie verschüttet. Wir kommen an die Quelle unseres Lebens nicht mehr heran. Es fließt und strömt nicht mehr.

Jesus wird innerhalb dieses Gespräches mit der Frau - mit mir - alle die Schichten aufgraben. Die Frau versteht Jesus nicht. Sie kann nicht mehr in die Tiefe schauen. Sie kann den Zusammenhang der Dinge nicht mehr sehen, ihren Sinn nicht mehr erkennen. Das ist oft im Johannes-Evangelium so. Die Menschen sind oberflächlich. Wasser ist für sie nur H2O und nichts weiter. Und es wäre einfach nur praktisch, nicht mehr zum Brunnen gehen zu müssen. Wenn ich nicht mehr den Zusammenhang der Dinge untereinander wahrnehme, wenn ich ihren Zusammenhang mit mir selbst nicht mehr wahrnehme, dann sagen sie mir nichts mehr. Dann ist eben ein Sonnenuntergang nur eine physikalische Erscheinung von Lichtbrechung. Das hat dann nichts mit mir zu tun und sagt mir nichts, wie dem Herrn Faber im Roman Homo Faber von Max Frisch, der nicht versteht, was denn die Leute immer mit dem Sonnenuntergang haben.

Mein Durst und auch das lebendige Quellwasser sind mehr als ein körperlicher Trieb und ein chemische Formel und wollen mir auch mehr sagen. Wie viele Menschen trinken zu viel, weil sie Durst nach einem Mehr an Leben haben, den ihnen aber der Alkohol nicht stillen kann. Wie viele haben Probleme mit dem zu viel und dem zu wenig Essen.
In welcher Sucht meldet sich bei mir die Sehnsucht? Höre ich die Sehnsucht in meinen Süchten?


4:16 Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann, und komm wieder her! 4:17 Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. 4:18 Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. 4:19 Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.

Dritter Schritt: Jesus geht weiter. Er spricht die Frau auf ihre Lebensmisere an. Ihre Sehnsucht nach Liebe und Bindung und ihre Unfähigkeit dazu. Jesus tut das ohne moralischen Zeigefinger und ohne Verurteilung. Meine Sünden und Schwächen können mir viel über mich selbst sagen, ohne Angst und Abwehr soll ich auf sie schauen, dann kann ich in ihnen entdecken, wonach ich mich sehne.

Die Sünden sind nur falsche Weisen, ein berechtigtes Bedürfnis zu stillen. Nicht das Bedürfnis soll ich ablehnen, sondern die falsche Weise, es zu befriedigen. Das Bedürfnis soll ich annehmen und bejahen. Und den richtigen Weg finden, es zu stillen.
Die Samariterin merkt: Jesus ist ein Prophet und mehr als der Vater Jakob, aber sie geht wieder nicht wirklich auf Jesus ein, sondern sie kommt mit ihren religiösen Problemen.

4:20 Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. 4:21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 4:22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. 4:23 Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. 4:24 Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. 4:25 Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. 4:26 Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.

Vierter Schritt: Das ist ja oft genau so. Theologische Probleme tauchen auf, schlimme Erfahrungen mit der Kirche. Und die Leute haben Recht. Es gibt all das und es ist schlimm. Aber Jesus lässt sich davon nicht beeindrucken. Er gibt die Antwort auf die theologische Frage, aber es gibt noch Wichtigeres und Größeres als eine korrekte Theologie. Er gräbt noch tiefer: Die Stunde kommt und sie ist JETZT da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit. Jesus offenbart sich ihr. Jetzt ist sie offen dafür.

4:27 Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du? oder: Was redest du mit ihr? 4:28 Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: 4:29 Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias? 4:30 Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus.

Mit Christus, dem vom Heiligen Geist Gesalbten, kommen der Geist und die Wahrheit. Auch zu dieser Frau. Sie glaubt und trinkt aus der Quelle des Geistes und der Wahrheit. Sie wird selbst zur Quelle. Sie braucht nicht mehr Wasser zu schöpfen. Der Wasserkrug bleibt stehen und sie läuft ins Dorf und verkündet Christus.
Das soll auch mit uns geschehen. Und keine Verschlossenheit im Alltag, keine Oberflächlichkeit, keine Sünden, keine religiösen Schwierigkeiten sollen uns weiter hindern, selbst zur Quelle, selbst wieder lebendig zu werden.

Dann können wir bezeugen, wie es am Ende des Evangeliums heißt: Dieser ist wahrhaft der Retter der Welt.