Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheGeschmack am Leben - Teil 1
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Psalm 84, Die Freude am Heiligtum


2 Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen! /
3 Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht / nach dem Tempel des Herrn. Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu, / ihm, dem lebendigen Gott.
4 Auch der Sperling findet ein Haus / und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen - / deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein Gott und mein König.


5 Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, / die dich allezeit loben. [Sela]
6 Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir, / wenn sie sich zur Wallfahrt rüs-ten.
7 Ziehen sie durch das trostlose Tal, / wird es für sie zum Quellgrund / und Frühregen hüllt es in Segen.
8 Sie schreiten dahin mit wachsender Kraft; / dann schauen sie Gott auf dem Zion.
9 Herr der Heerscharen, höre mein Beten, / vernimm es, Gott Jakobs! [Sela]


10 Gott, sieh her auf unsern Schild, / schau auf das Antlitz deines Gesalbten!

11
Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums / ist besser als tausend andere. Lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes / als wohnen in den Zelten der Frevler.
12 Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild. / Er schenkt Gnade und Herrlichkeit; der Herr versagt denen, die rechtschaffen sind, keine Gabe. /
13 Herr der Heerscharen, wohl dem, der dir vertraut!


Geschmack am Leben - Teil 1

Man kann es immer raffinierter angehen. Über die 600 Sorten Käse aus dem Edelkaufhaus hinaus noch einen Käsegeheimtipp aus Frankreich folgen, der tatsächlich einmalig ist. Er schmeckt wunderbar. Mit der immer größeren Raffinesse kommt man aber irgendwann an ein Ende. Sie vermittelt irgendwann keinen Geschmack mehr. Schließlich findet man sich bei den Gastmählern dekadenter Römer, die sich mit der Pfauenfeder im Rachen kitzelten, um dann noch Raum für weitere Völlerei zu haben. Dann ist man da angelangt, wo einem speiübel wird.

Es gibt einen anderen Weg, um wieder Geschmack am Leben zu bekommen
. Das habe ich auf einer Wallfahrt kennen gelernt. Wir sind damals von Magdeburg über den Harz ins Eichsfeld zum Wallfahrtsort Klüschen Hagis gepilgert. Über 200 km zu Fuß in 10 Tagen. In einer Gruppe von etwa 50 überwiegend jungen Leuten. Der Jakobsweg war damals für uns DDR-Bürger nicht begehbar, aber auch nicht mehr der berühmte Wallfahrtsweg von Warschau nach Tschentschochau wegen der Polenkrise. Von dort stammte das Design der Wallfahrt:
Morgens sehr früh auf: Messe und Gebet, dann Frühstück: Marmeladenbrote von einer noch früher aufstehenden Gruppe vorbereitet, Abmarsch. Unterwegs eine Stunde im Schweigen. Sonst geistliche Lieder aus dem Wallfahrtsheft. Mittags Pause mit selbstgeschmiertem Brot. Meist Wurst aus der Büchse. Abends Massenquartier auf der Luftmatzratze oder der Matte. Oft nur zwei Waschgelegenheiten, keine Dusche. Warten vor der Toilette. Und morgens auch dann lospilgern, wenn es regnet.

Schrecklich! Ich alleine hätte das nie so zustande gebracht. Viel zu hart für mich. Aber siehe da, in der Gemeinschaft ging es sehr gut. Und welch ein Effekt: Wir waren alle tatsächlich nach zwei Tagen wie Geschwister. Es gab nie irgendein Disziplinproblem. Unterwegs wurde nicht in Kaufhallen eingefallen und Eis oder Schokolade gekauft. Es wurden keine fremden Obstbäume geplündert. Das Quartier wurde meist sauberer verlassen als vorgefunden. Ein Wunder. Ja, ein Wunder. Mir sagte ein junger Mann: Ich werde nächstes Jahr nicht wieder mit kommen. Warum? Weil ich hier so glücklich mit Euch bin. Ja, aber gerade dann solltest du doch wieder kommen. Nein, denn dann kann ich es dann zu Hause nicht mehr aushalten.
 
Durch diese Wallfahrt habe ich wieder neu Geschmack an den ganz einfachen Dingen gefunden, die uns täglich zur Verfügung stehen. Ich habe gemerkt, welch ein Geschenk ein eigenes Bett ist. Welch eine Wohltat ein Bad sein kann. Wie köstlich eine einfache Gemüsesuppe ist, wenn man seit vier Tagen nur Büchsennahrung bekommt. Wie sehr die Härte eines Tagsablaufs solidarisiert und zusammenführt. Wie viele sonstige Probleme einfach verschwinden. Auch die Gefühle werden wieder viel reiner, klarer und heftiger. Das hängt mit der Anstrengung zusammen. Man lacht und weint leichter. Man wird dünnhäutiger.

Die ursprüngliche Idee der Fastenzeit ist eine ganz ähnliche. Wenn ich verzichte, gewinne ich neu Geschmack. Nicht die größere Raffinesse bringt den Geschmack, sondern die Erfahrung des Kontrastes. Der Kontrast von Hungrigsein und Essen, von Dursthaben und Trinken. Wer wirklich Hunger hat, dem schmeckt ein trockenes Brot. Wer wirklich durstig ist, dem ist einfaches Leitungswasser ein Hochgenuss.


Es geht hier um mehr als bloß Wellness, denn die Erfahrung der Wallfahrt oder des wirklichen gemeinsamen Fastens führt zu einer tiefen Dankbarkeit und zu einem tiefen Glück, ganz reich beschenkt zu sein. Nicht nur für diesen neuen Geschmack, vor allem für die neue Gemeinschaft, die entstanden ist. Mit jedem Schritt der Wallfahrt hin zu ihrem Ziel sind wir auch einander näher gekommen. Und das Gotteslob am Ende beim Abschlussgottesdienst im Klüschen Hagis hatte schon was vom Himmel.

Könnten Sie sich in der Fastenzeit auch so etwas gemeinsam mit anderen vornehmen? Es gibt viele Gemeinden, die es anbieten. Übrigens gibt es auch noch die Wallfahrt von Magdeburg ins Eichsfeld: magdeburger-fusswallfahrt.de