Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheEsel namens Christoffel
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Aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther

 
3,18 Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.

4,10 Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.

11
Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird


Nun habe ich schon zweimal über den Esel geschrieben. Heute nun zum dritten Mal. Im Evangelium trägt der Esel Christus beim Einzug nach Jerusalem( vgl. Mt 21,1-11; Mk 11,1-10; Lk 19,29-38). Jesus reitet nicht auf einem Pferd, sondern auf dem Esel, dem Reit- und Lasttier der ärmeren Leute. Darum kann man diesen Esel Christophorus nennen, denn Christophorus heißt Christusträger, oder eben wie ich ihn etwas eselhaft genannt habe: Christoffel.

Natürlich soll das eine tiefere Bedeutung haben. Wenn wir uns daran erinnern, dass der Esel ein Bild für unseren Leib ist, dann geht das uns etwas konkreter an. Jeder Getaufte wird in der Taufe zum Christusträger. Er hat Christus angezogen wie ein Gewand (Gal 3,27), bekommt seinen Namen nach Christus, ist nun also Christ. Wir sind nun aber Christusträger nicht nur in unserem Geiste, in unserer Seele, sondern auch in unserem Leibe.

In Äthiopien habe ich gesehen, dass viele Menschen auf der Stirn ein Kreuz eintätowiert trugen. Sie wollen ihren Glauben leibhaft ausdrücken. Sie wollen zeigen, wem sie gehören. Bei uns tragen viele Menschen ein Kreuz um den Hals. Es ist nicht immer klar, ob es nur Schmuck oder Bekenntnis ist. Gibt es auch bei mir solche leiblichen Bekenntnisse? Zu einem Menschen oder zu Glauben: Ehering? Freundschaftsring? Tattoo? Kreuz oder anderes?

Alle christlichen Sakramente haben diese leibliche Seite. Bei der Taufe werden wir mit Wasser übergossen. In der alten Kirche tauchte man mit dem ganzen Körper ins Taufbecken. Die Eucharistie speist uns mit dem Leib und dem Blut Christi. Hier wird tatsächlich unser Glaube am leibhaftigsten. Wir werden, was wir in der Eucharistie essen. Wir werden nicht nur Christusträger. Wir werden selbst Leib Christi.

Also wir tragen Christus in uns. Ich erinnere mich daran als meine erste eigene religiöse Überlegung als Kommunionkind mit sechs Jahren. Ich sagte mir, wie unglaublich ist doch das, dass ich hier wirklich Gott leibhaftig empfange. Ich habe immer wieder darüber gestaunt.

Aber das ist ja doch wirklich unser Glaube: Gott lässt sich tatsächlich ein in unsere Wirklichkeit, in unsere Physis. Er wird natürlich nicht Teil der Physis in dem Sinne, dass ihn darin die Physik entdecken könnte. Es ist ja der Leib des auferstandenen Christus, den ich in der Kommunion empfange, nicht der Leib des Jesus vor Ostern, sondern der neue Leib des Auferweckten, den Paulus eine geistig-geistliche Wirklichkeit (soma pneumatikon, corpus spiritale, Geistleib, vgl. 1 Kor 15,44) nennt. Das ist aber nicht etwas Gedachtes, Gespenstisches oder Nebulöses, sondern eben der erste Mensch der Neuen Welt Gottes. Der Leib der neuen Schöpfung, die nicht Gegenstand der Physik sein kann. Die Physik erforscht nur die alte Welt, nicht die neue Welt Gottes.

Und Christus will wirklich diese leibhaftig-geistige Nähe zu uns. Er wird ja nicht nur Mensch durch Maria. Er will es auch in mir werden. Also muss ich auch mit meinem Leibe ehrfürchtig und gut umgehen. So sagt es auch Paulus oft mit genau der Begründung, dass wir den Leib Christi empfangen und Leib Christi sind (vgl. 1 Kor 6,12-20). Und so soll ich nun auch die Mitchristen ansehen und auch behandeln.

Wenn wir daher unseren eigenen Leib betrachten und das dürfen wir ja dann auch voller Staunen, dann entdeckt die fromme Seele darin schon vielfach Christus eingezeichnet. Nicht nur Rückgrat und Schulter zeigen ein Kreuz. Die Künstler George Rouault oder auch Alexej Jawlensky haben im menschlichen Gesicht das Gesicht Christi, aber auch das Kreuz wiedererkannt.

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Sehe ich mich auch in meinem Leibe von Christus gezeichnet? Wo und wie drücke auch ich mit meinem Leibe den Glauben aus? Denken Sie auch an die vielen Zeichen: Kreuzzeichen, Kniebeuge, Stehen und Knien beim Gottesdienst. In welcher Haltung bete ich? Wie verändert mein Beten die Haltung meines Körpers? Entspanne ich mich, richte ich mich wieder auf, atme ich tiefer? Wie geht es mir nach dem Empfang der Kommunion?