Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheDer Esel - Teil 2
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Matthäus, 13. Kapitel


24 Und Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.

25 Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.

26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.

27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?

28 Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?

29 Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.

30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

Der Esel 2


Als junger Mensch ist man radikal. Ich will ehrlich sein. Ich will ernst machen. Ich will alles auf eine Karte setzen. Nicht dieses Kompromisslerische und Ironische, das Gebrochene und „Realistische“, das Verlogene und Verbogene der Erwachsenenwelt. Wo es keinen echten Glauben und keine Hoffnung auf Großes mehr gibt. Nein, das alles nicht, sondern tatsächlich Großes denken und Großes tun. Und wehe, wenn es diese Radikalität und dieses Idealismus bei jungen Menschen nicht gibt.
Das ist auch die Zeit, in der die Heiligen beeindrucken oder wo es die so nicht gibt doch Vorbilder und Stars, Menschen, die imponieren und von denen man sich anstecken lässt. Ich fand damals zum Beispiel von John F. Kennedy unheimlich gut. Der war so lässig, mutig und hatte ein so echtes Lachen.

Ich erinnere mich auch an meine ersten Exerzitien: drei Tage Vorträge und stilles Gebet. Da war ich in der neunten oder zehnten Klasse und total begeistert. Alle Probleme des Lebens schienen im Prinzip gelöst. Von da an sollte ein neues Leben beginnen. Endlich ganz gut sein. Ernst machen mit dem Lernen. Mit den Hausaufgaben. Mit dem täglichen Beten. Nicht mehr trödeln oder faulenzen. Ich habe es leider nicht durchgehalten. Nach vierzehn Tagen war es mehr oder weniger wie vorher.

Es ist eben schwierig so weiß wie ein Engel zu sein. In der jugendlichen Radikalität neigen nach dem gescheiterten Versuch, heilig und wie ein Engel zu sein, dann junge Leute dazu, dann wenigstens schwarz wie der Teufel zu sein. Wenn schon nicht ganz gut, dann wenigstens ganz böse und schlimm. Kennen Sie das auch von sich selbst? Ich habe das nicht ernsthaft versucht, aber doch gedacht und weiß, dass manche es versuchen, ja sogar sehr ernst damit machen.

Aber da muss man wissen, dass es viel schwerer ist, ganz böse zu sein, als ganz gut zu sein, denn zum ganz böse sein, muss man viel mehr gegen seine eigene Natur, gegen die Schöpfung angehen als beim gut sein. Man muss sich selbst so viel Schlimmes antun und so sehr alles Menschliche verlieren, dass man wahrhaft ein Un-Mensch wird.

Also alsbald merkt man, das ganz Gute geht nicht so leicht und das ganz Böse erst recht nicht.
Wir sind eben weder schwarz noch weiß, weder Engel noch Teufel, wir sind grau wie Esel. Darum heute Esel Nummer Zwei. Es fällt uns schwer, das anzunehmen und zu akzeptieren.

Allerdings muss auch noch zweierlei dazu gesagt werden.
Wir sollen uns auch nie so mit unserem Grausein abfinden, dass wir resignieren, dass wir aufgeben, sondern wir sollen Geduld mit uns selbst haben. Wie es Jesus im Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen sagt (siehe rechte Spalte). Das Gute in uns wachsen lassen und sich vom Bösen immer wieder demütig erheben und wieder weiter gehen.
Denn es kann im Unterschied zum Ackerfeld, wo Weizen Weizen bleibt und Unkraut Unkraut, sich in unserem Leben das Böse in das Gute wandeln. Und so habe ich später gemerkt: es war gut, dass ich so faul war in der Schule, denn so habe ich immer geträumt und meine Phantasie geübt und ich habe statt fleißig die vorgeschriebene sozialistische Literatur lieber Hermann Hesse und Hemingway gelesen. Und das war gescheiter.

Und zweitens führt die Radikalität im geistlichen Leben (wie im politischen Leben) sehr leicht zu Gewalttätigkeit gegen sich selbst oder gegen andere.

Wie geht es mir mit dem Unkraut in dem Weizen meines Lebens? Habe ich Geduld? Jesus hat sie mir! Ruft es in mir Aggressionen hervor? Widerstrebt es meinem Ordnungssinn? Resigniere ich? Verwechsle ich Geduld und Resignation? Oder werde ich ideologisch und verlogen, das heißt tue so, als ob alles gut und heilig wäre und es kein Unkraut auf meinem Acker gäbe?

Erwachsen sein (im Glauben und nicht nur im Glauben) heißt, an den Idealen festhalten, auch wenn ich und andere sie nicht voll erfüllen. Erwachsen sein heißt diese Spannung mit Humor aushalten, ohne zu resignieren oder sich über sich selbst etwas vorzumachen.