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Aus dem zweiten Kapitel des Buches Genesis


In der bildreichen Sprache der Bibel ist gesagt: Wir sind aus Erde – also wirklich Teil dieser Welt, aus ihr gemacht. Und wir haben doch mehr, als die Welt allein geben kann, nämlich Gottes lebenspendenden Geist.


4 ... Zur Zeit, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte,

5 gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher und wuchsen noch keine Feldpflanzen; denn Gott, der Herr, hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen und es gab noch keinen Menschen, der den Ackerboden bestellte;

6 aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Ackerbodens.

7 Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.



Das Wort Nabelschau wird ja normalerweise so verstanden, dass jemand nur auf sich selbst schaut und sich um sich selbst dreht, nicht auf die Welt ums sich herum blickt, sondern sich selbst womöglich für den Nabel der Welt hält.

Nun ist es aber mit dem Bauchnabel so eine eigene Sache. Er markiert zwar unsere Leibesmitte, aber meist ist er ja eher ein – wenn auch nicht tiefes – Loch (in dem noch dazu sich immer wieder Gewölle vom Unterhemd sammelt). Und viel wichtiger, er erinnert uns daran, dass da mal die Nabelschnur war, die uns mit unserer Mutter verbunden hat. Sie ist jetzt gekappt und die Narbe davon ist der Bauchnabel.

Wenn wir also den Nabel betrachten, dann betrachten wir also immer, dass wir uns nicht selbst gemacht haben. Dass wir Eltern haben. Also die Nabelschau sollte uns wohl von uns selbst wegführen auf jene, denen wir unser Leben verdanken.

Eine solche Nabelschau möchte ich gern unternehmen. Sie soll ein Gegengewicht zu dem Gedanken herstellen, dass wir alle Atome sind: unmittelbar und unmitteilbar letzte einzelne Wesen, also Individuen. Das ist nämlich tatsächlich nur die halbe Wahrheit. Oder weniger als die halbe. Denn mit anderen haben wir viel mehr gemeinsam als uns von anderen unterscheidet.

Wir haben uns unmittelbar ererbt von unseren Eltern. Von ihnen haben wir nicht nur unsere Gene. Unsere erste Prägung stammt von Mutter und von Vater. Dass wir der Welt vertrauen, verdanken wir der zuverlässigen Liebe unserer Eltern. Was wir sind, haben wir gelernt von unseren Eltern und Geschwistern, von unseren Lehrern und Lehrerinnen. Wir haben es gelesen, gesehen, gehört, erfahren. Was wir sind, haben wir aus unserer Umwelt und Mitwelt. Ja, wenn wir den Biologen glauben dürfen, haben wir sogar 99% unserer Gene mit den Schimpansen gemeinsam. Wir stehen also in viel größerer Gemeinschaft mit der Tierwelt als uns gewöhnlich bewusst ist.

Aber nicht nur das. Wenn ich es recht bedenke, so atme ich ständig Luft ein und aus. Ich stehe in andauerndem Austausch mit der Welt. Ich esse und trinke. Und ich scheide wieder aus. Wie genau achten heute viele darauf, was sie zu sich nehmen. Aber dass wir damit ständig diese Welt aufnehmen und verdauen, bedenken wir wenig. Wir nehmen auf im Sinne von Nahrung und im Sinne des geistigen Austausches. Wie oft am Tag höre ich die Nachrichten? Wie lange lese ich Zeitung? Wie viele Bilder aus aller Welt sehe ich täglich? Wie steht es da mit der Verdauung?

Manchmal frage ich mich, ob alle die Wellen, durch die ja alle diese Nachrichten und Bilder durch den Äther geschickt werden, und die auch durch meinen Kopf hindurchgehen, dort mehr als nur Energiespuren hinterlassen, sondern ob ich, ohne es bewusst zu merken, doch für vieles empfindlicher bin, als es mir meine Schulweisheit träumen lässt.

Aber es reicht ja schon, nur einmal sein Frühstücksbrötchen zu meditieren. Wie viele Menschen haben daran gearbeitet. Ich denke nicht nur an die, die jetzt dieses Brötchen hergestellt haben, sondern auch an die, die das Getreide einmal vor Hunderttausenden von Jahren gezüchtet haben bis zur heutigen modernen Landwirtschaft. Denn all das hat mein heutiges Morgenbrötchen auch zur Voraussetzung. Bis zum Bäcker und zum Geld, das ich dafür auf die Theke lege. In diesem einen kleinen Brötchen ist diese ganze konkrete Welt und ihre Vergangenheit vertreten. Und das trifft ja auch für mich als Person zu, nur in einem noch viel komplizierteren und umfassenderen Sinne.

Ich verdanke mich anderen. Denke ich daran? Danke ich dafür?

Da höre ich schon wieder einen Einwand: Ja, ich verdanke mich anderen, aber denen verdanke ich nicht nur Gutes, sondern auch vieles Schlimme und Beeinträchtigende. Das stimmt auch. Aber überwiegt nicht immer doch letztlich das Positive?

Wollen wir nicht einmal auch dieses Positive gelten und stehen lassen?

Worauf einen der eigene Bauchnabel alles bringen kann! Wenn er auch eher ein – nicht sehr tiefes - Loch ist, so tut sich doch dort ein Abgrund auf.