Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheWarum gerade ich? - Teil 3
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Jeremia, Kapitel 20

Dass jemand Probleme mit dem Ruf Gottes hat, finden wir schon in diesen ergreifenden Worten des Propheten Jeremia im 20. Kapitel

7 Du hast mich betört, o Herr, / und ich ließ mich betören; / du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, / ein jeder verhöhnt mich.

8 Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, / «Gewalt und Unterdrückung!», muss ich rufen. Denn das Wort des Herrn bringt mir / den ganzen Tag nur Spott und Hohn.

9 Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken / und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, / eingeschlossen in meinem Innern. Ich quälte mich es auszuhalten / und konnte nicht…

Jesaja, Kapitel 43


Die andere Erfahrung, dass Gott uns bei unserem Namen ruft, uns erwählt hat und schützt, benennt der Prophet Jesaja im 43. Kapitel:

1 Jetzt aber - so spricht der Herr, / der dich geschaffen hat, Jakob, / und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, / ich habe dich beim Namen gerufen, / du gehörst mir.

2
Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, / wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, / keine Flamme wird dich verbrennen.

3
Denn ich, der Herr, bin dein Gott, / ich, der Heilige Israels, bin dein Retter.



Heute zum dritten Mal die Frage: Warum gerade ich? Diese Frage stellt sich nicht nur, wenn mich etwas Schlimmes trifft, sondern auch wenn mich Gottes Ruf trifft. Warum muss gerade mich diese Frage nach Gott treffen und mich inmitten der anderen Menschen einsam und unverstanden machen? Die anderen wundern sich. Sie finden es nicht normal, wenn sich jemand mit solchen religiösen Fragen und Problemen herumschlägt.

Ich weiß noch, wie ich mir als Heranwachsender gewünscht habe: Könnte ich nicht wenigstens evangelisch sein, damit ich nicht immer wieder zur Beichte gehen müsste? Oder ich habe mir gesagt, wenn ich doch ungläubig wäre, dann wäre das Leben viel einfacher. Ich müsste mich nicht mit so vielen Geboten herumschlagen. Ich müsste nicht immer wieder mein Tun und Denken vor Gott verantworten. Sofort werden mir einige entgegenhalten, dass das ja so gar nicht ist. Als ob jemand, der nicht an Gott glaubt, kein Gewissen hätte und sich nicht auch darum Gedanken machte, ob er oder sie richtig lebt.

Ja, jeder Mensch stellt sich diese Fragen und jeder Mensch fühlt sich zuweilen völlig allein damit.

Wir stoßen hier auf die Frage nach der persönlichen Berufung und nach unserer Einmaligkeit oder unserem unverwechselbaren Eigensein. Das hängt innerlich zusammen. Mein Fingerabdruck ist einmalig auf dieser Welt. Aber mein Fingerabdruck ist nicht das einzige Einmalige an mir. Der Fingerabdruck ist nur Ausdruck meiner Einmaligkeit. Mein Körper ist insgesamt so einmalig, aber auch nur Ausdruck meiner Person, meines Ich. Dieses Ich ist letztlich das Einmalige. Nicht nur Iris, Unterschrift und Fingerabdruck. Mich gibt es nicht noch einmal. Mich wird es auch so nicht noch einmal geben. Und bei Zwillingen? Bei Zwillingen sehen sich die Fingerabdrücke ähnlich, aber sie sind auch deutlich zu unterscheiden, ebenso die Iris. Auch Zwillinge sind bei aller Ähnlichkeit doch jeder für sich einzigartige Personen.

Und so einmalig wie ich als Person bin, so einmalig und einzigartig ist auch mein Verhältnis zu Gott und so einzigartig und einmalig bin ich auch für Ihn. Das ist erschreckend und tröstlich zugleich.

Erschreckend, weil es daher wirklich so eine einmalige Verantwortung für mich und mein Leben gibt. Tatsächlich kann mir diese Last niemand abnehmen. Es gibt Hilfe, Nähe, Unterstützung, Liebe, Vertrautheit, aber es gibt bei all dem immer wieder diese Erfahrung einer letzten Einsamkeit. Wir sind Individuen. Das heißt wörtlich übersetzt: unteilbar eins, also ein letztes. Wie das Wort Atom, das auch unteilbar letztes Einzelnes heißt. Und zugleich damit ist gegeben, dass die-ses Innerste nicht nur unteilbar ist, sondern sogar unmitteilbar, unaussprechlich ist, ja mir selbst entzogen und für mich und in meiner Sprache unsagbar.

Und hier ist dann auch das Tröstliche: Der Glaube sagt mir, dass es in dieser letzten Einmaligkeit, in dieser letzten Unmitteilbarkeit doch jemand gibt, der mich da kennt und bejaht und mich sogar ruft bei meinem Namen.

Und diesen Namen kennt tatsächlich nur Gott. Im Innersten meines Selbst kann ich diesen Ruf vernehmen.

Wie sind meine Erfahrungen mit Gottes Ruf und mit meiner Einmaligkeit?

Ich schlage vor, dass Sie einmal einen Fingerabdruck von sich selbst herstellen zum Beispiel in warmem Wachs und ihn als Thema der Besinnung nehmen.