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Aus dem 15. Kapitel des ersten Korintherbriefes


15,37 Was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird;
es ist nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder ein anderes.

38 Gott gibt ihm die Gestalt, die er vorgesehen hat, jedem Samen eine andere.

42 So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich.

43 Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark.

44 Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib.

53 Denn dieses Vergängliche muss sich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit.

54 Wenn sich aber dieses Vergängliche mit Unvergänglichkeit bekleidet und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit, dann erfüllt sich das Wort der Schrift: Verschlungen ist der Tod vom Sieg.

55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?

57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unseren Herrn.


Vor einem Jahr bin ich auf ein Gedicht von Johannes Kirschweng (1900 – 1951) gestoßen. Er ist ein Dichter und Priester aus dem Saarland. Das Gedicht hat er 1934 veröffentlicht, als es begann dunkel zu werden in Deutschland.

Ich will die Strophen des Gedichtes einzeln kommentieren. Nicht zu ausführlich, damit dann dem eigenen Meditieren noch Raum bleibt.


DIE KERZE

Tief ist die Nacht und der Winter ist dunkel und schwer.
Alle die blühenden Sommer gingen dahin.
Alle die glühenden Gärten und innigen Wiesen sind leer.
Arm ist die Nacht und es glüht eine einsame Kerze darin.


November und Dezember, die dunkle und oft traurige Jahreszeit. Vor uns steht eine dicke Kerze aus Honigwachs und verbreitet ihr warmes Licht im dunklen Zimmer. In der Erinnerung an die helle Sommerzeit mit den blühenden, summenden Wiesen macht sich nun das Gefühl der Leere und Einsamkeit breit. Keine Blätter an den Bäumen, keine Blumen in den Gärten. Alles dahin. Jeder hat sich zurückgezogen und sitzt einsam und armselig in seinem Zimmer vor der Kerzenflamme und denkt zurück.

Aber trugen nicht tausend Bienen den Sommer der Wiesen
Heim und bauten daraus die goldenen Waben?
Leuchten uns nicht die jubelnden Gärten aus dieser
Honigfarbenen Kerze, die wir entzündet haben?


Alles dahin? Nein, schau doch nur auf die Kerze. Sie sagt etwas anderes. Ihr Licht, das jetzt leuchtet, ihr Duft, den sie verströmt, bringt dir nicht nur die Erinnerung an den Sommer und Herbst in ihrer Fruchtbarkeit, ihrer Helligkeit und Schönheit, nein, sie enthält sie selbst konzentriert in sich. Verdichtet in der Kerze durch den Fleiß der Biene und den Fleiß der Menschen ist die ganze Jahreszeit jetzt bei uns. Aufgehoben für die dunkle und traurige Jahreszeit die Helligkeit, der Charme, die Freude. Verdichtet für uns im tröstenden Wort des Dichters.

Keines Sommers Geheimnis war uns zu rauben.
Keiner ging so, wie die Fremdlinge hingehen, hin.
Siehe:  die Kerze glüht durch die drohende Nacht und wir glauben
Alles vergänglichen Blühns unsterblichen Sinn.


Wir glauben an den unsterblichen Sinn alles vergänglichen Blühens. Johannes Kirschweng geht mit uns noch einen Schritt weiter. Was die Kerze schon kündet von der vergänglichen Schönheit der Natur und der Menschen, aufbewahrt in Licht und Duft der Kerze, das will uns etwas sagen über das Ganze des vergänglichen Lebens. Diese Kerze erinnert uns, dass all das vergängliche  liebende Tun unseres Lebens eingesammelt wird, hinein in das Licht des Sterns, der den Weg weist zum Kind in der Krippe, das Licht der Welt. Hinein in die große Osterkerze, die glüht in der dunklen Nacht des Todes und sie besiegt. Hinein in die strahlenden Gesichter der Erlösten,  die Gott loben.

Ich denke an die schönste Erfahrung, Begegnung im Sommer und glaube, dass sie aufgehoben ist in Gott.