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Jesus sagt ganz klar, dass er hier kein Zuhause (mehr) hat. Er hat sich getrennt von seiner Familie in Nazareth. Er lebt seitdem die Existenz des Umherziehens, auch wenn er dann in Kafarnaum, der Heimat des Petrus, fast wieder so etwas wie ein Zuhause findet.

 

(c) SonDe Li - Fotolia.com

Lk 9,57 Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. 

58 Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. 

Das Zuhause Jesu ist der, den er seinen Vater nennt. Das sagt schon der Zwölfjährige seinen Eltern, die ihn mit Schmerzen gesucht haben und nach drei Tagen im Tempel finden. Ihnen sagt er:

Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist? (Lk 2,49) 

Und dort bei diesem Vater wird auch unser endgültiges Zuhause sein: 

Joh14,1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! 

2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? 

3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. 

Vgl. auch Phil, 3,20; Hebr 11,13-14 

Seitwert
(c) John Neff - Fotolia.com


Zuhaus 

Endlich zu Hause! Lassen Sie diesem Wort einwenig Zeit, sich in Ihnen auszubreiten. Lauschen Sie ihm nach. „Endlich zu Hause!“ Wie viele Gefühle sind damit verbunden! Heimkommen aus der Fremde. Geborgenheit. Familie. Eltern. Kinder. Zugehörigkeit. Vertrautheit. Sich Auskennen. Nähe. Schutz. Ich selbst sein dürfen. Gefühle zeigen dürfen. Loslassen. Entspannen. Ja sogar, sich gehen lassen. Das eigene Bett. Die eigenen vier Wände. Mutters Essen. Was fällt Ihnen noch bei „zu Hause“ ein? 

Wenn ich als Student mit dem Zug von Leinefelde nach Heiligenstadt gefahren bin und die vertraute Bergkette des Düns im Abteilfenster sichtbar wurde, dann erwachten sie schon, die heimatlichen Gefühle. Vom Bahnhof aus sah ich dann den Iberg. Und wenn ich nach zehn Minuten Weg an seinem Fuße angekommen bin, dann wartet da unser Haus mit der quietschenden Gartentür, die Eltern, die Geschwister, der Hund Kocko. Und der freut sich wie närrisch. 

Kennen Sie das auch?  

Inzwischen ist es aber nicht mehr so. Nicht nur Kocko ist lange, lange tot. Ein ferner Duft ist noch geblieben. Wir haben unser Haus in Heiligenstadt noch. Heute wohnt meine Schwester mit ihrer Familie darin. Und ich bin auch jetzt immer mal wieder zu Hause. Aber das, was als Kind und auch in der Studienzeit so war, das ist vorüber und auch so nicht festzuhalten. Es muss Abschied genommen werden. 

Also endgültig verloren und vorbei? Nein, man findet ein zu Hause auch anderswo. Aber nie mehr das der Kindheit. Wie es ist, das ist mir einmal klar geworden, als ich mit einem Studenten sprach, der heiraten wollte. Er sagte mir, dass er sein zu Hause so schwer los lassen kann. Ja, das ist wirklich schwer. Jetzt wirklich ganz Partner seiner Frau zu sein und nicht mehr von Mutti verwöhnt zu werden. Das Zuhause ist dann eben nicht mehr Zuhause. Das ist wirklich vorbei. Und Ja dazu sagen, dass die Klöße am Sonntag nun anders schmecken. Ich verliere tatsächlich das Daheim der Kindheit. Aber es kommt etwas anderes. Als Erwachsener habe ich ein Zuhause, indem ich anderen ein Zuhause schenke. Meiner Frau, meinem Mann. Vor allem meinen Kindern. Welch eine Freude und welch ein Trost ist es, den Kindern so ein Zuhause schenken zu können. So eines, wie oben beschrieben. Sie brauchen es so sehr als Kinder und auch noch als Heranwachsende. Aber nicht nur dann, sondern auch, damit sie später anderen solche Heimat und solch ein zu Hause sein können. 

Und ich denke, das gilt auch für den, der keine eigene Familie hat, wie ich zum Beispiel. Auch ich finde mein Zuhause, indem ich anderen so ein Zuhause biete. Das muss nicht meine Wohnung sein. Das kann der Raum sein, den ich anderen in meinem Leben einräume. Die Zeit, die ich schenke. Das ist Freundschaft. Das ist Zusammenarbeit im Büro, aus der dann Nähe, Vertrauen und Vertrautheit wächst. Aber ebenso Raum und Zeit, die mir geschenkt werden. Von meinen Mitbrüdern. Von alten und neuen Freunden und Freundinnen. Alles das sind Räume, die durch Zuneigung entstehen. In denen finde auch ich mein Zuhause. Und ohne sie kann ich nicht leben.  

Einen besonderen Trick muss ich natürlich noch verraten. Inzwischen reise ich viel. Auf meine Reisen nehme inzwischen ich mein Kopfkissen mit. Natürlich wegen des Nackens und des guten Schlafes. Aber als ich es zum ersten Mal gemacht habe, habe ich gemerkt. Holla, das ist ja was von zu Hause. So bin ich im fremden Bett gleich ganz anders daheim. So sagt ja auch schon Jesus: "Nimm dein Bett und wandle!" Mk 2,11 (nach Luther).  

Aber weiter und tiefer. Jesus hat ja seine Jünger aus ihren Familien herausgeholt. Das war und ist hart. Damals ein Ärgernis und eine riesige Verunsicherung. Denn wie es  in vielen Gegenden heute noch ist, so war es damals, allerdings noch um vieles verschärft: Familie, Sippe, Verwandtschaft sind das Wichtigste. Ohne sie geht nichts. Dass Jesus selbst die Familie verlässt und auch andere aus dieser lebenswichtigen Gemeinschaft herauslöst, macht seinen Anspruch deutlich. Entweder ist dieser Anspruch Anmaßung oder er ist berechtigt, weil es tatsächlich nicht nur um den Ruf eines Rabbi geht, sondern um Gottes Ruf und Gottes Reich. 

Jesus hat den Seinen aber auch einen neuen Raum des Daseins gegeben. Neue, oft spannungsreiche Gemeinschaft. Tagtäglich haben sie mit ihm gegessen. "Das Brot gebrochen", wie man damals sagte. Und das war Sein Erkennungszeichen sogar über den Tod hinaus. Und was Jesus dem Petrus gesagt hat, das habe ich auch ich immer und immer wieder als wahr erfahren:

Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben. 

Es gibt ein neues Zuhause, aber eines, das ich dadurch finde, dass ich es anderen schenke. Und es gibt durch die Verbindung mit Jesus eine neue Gemeinschaft im gemeinsamen Glauben, die in ihrer Nähe, Vertrautheit und Tiefe sogar über die Familie und ihr Zuhause hinausgeht. Das erlebe ich immer wieder sehr tröstlich und stärkend.  

Und das wünsche ich auch Ihnen 

Thomas Gertler SJ
26.10.2010

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