Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheWenn ich Gott nicht spüren kann...
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Im ersten Buch der Könige wird uns die Geschichte erzählt, dass Gott nicht in den mächtigen zerstörerischen Naturerscheinungen zugegen ist, sondern eher in einem sanften leisen Säuseln. Und auch ich kann Gott eher vernehmen in den leisen und zarten Stimmen und Tönen als im Lärm und im Getöse.

 

(c) André Adeodato - Fotolia.com


1 Könige 19,1 Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan, auch dass er alle Propheten mit dem Schwert getötet habe. 

2 Sie schickte einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das antun, wenn ich morgen um diese Zeit dein Leben nicht dem Leben eines jeden von ihnen gleich mache. 

3 Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück. 

4 Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter. 

5 Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! 

6 Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin. 

7 Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich. 

8 Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb. 

9 Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija? 

10 Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.

11 Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. 

12 Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. 

13 Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. 

(c) drakis - Fotolia.com


Wenn ich Gott nicht spüren kann...

Ich sehe mir im Fernsehen gerne Science-Fiction Filme an. Und wie das bei unseren kommerziell orientierten Fernsehsendern der Fall ist, wird dort auch viel Werbung gezeigt. So habe ich in der Werbepause - wahrscheinlich eher unbewusst - "rumgezappt" und bin bei "Bibel-TV" stecken geblieben. Ein charismatischer US - Prediger stand auf der Kanzel und hat in Ekstase versetzt dazu aufgefordert, Gott jetzt ganz intensiv zu spüren.  

Eine ganz tolle Kombination: Erst im Film der Traum von einer schönen neuen Welt in der Zukunft und jetzt: Gott spüren! Um ehrlich zu sein: Ich fand die gesamte Veranstaltung bei "Bibel-TV" doch ziemlich abschreckend. Schließlich kann niemand erwarten, dass man von jetzt auf gleich Gott spüren muss. Genau dieses "müssen" hat mich besonders auf die Palme gebracht. Erstens muss man gar nichts und zweitens: was ist, wenn ich Gott nicht spüren kann? Gott spüren: Was heißt das eigentlich? Ihn riechen, schmecken, hören, vielleicht sehen? Sicher nicht. Hat schließlich die frühe Raumfahrt herausgefunden, dass weder Gott noch ein himmlischer Hofstaat auf unseren Wolken sitzen. Wie könnte es denn dann sein, Gott zu spüren?  

Schwierige Frage... Schließlich - peinlich aber wahr, kann selbst ich - Theologiestudent - nicht immer und überall Gott erspüren. Das gelingt selbst den bedeutendsten Christen wie Mutter Theresa nicht. Sie hat auf lange Jahre hin Gott überhaupt nicht mehr gespürt... (Nach ihrem Tod wurden Briefe mit dem Thema "Dunkle Nacht der Seele" von Theresa bekannt, die darauf hindeuten, dass sie ihr Gespür für Gott verloren habe)

Es bedarf also einer ganz besonderen Sensibilität, um Gott wahrzunehmen. Außer den Sinneseindrücken, die von außen in mich hineinströmen, scheint es noch eine andere Kategorie der Wahrnehmung zu geben: Wenn ich mich mit meinen Freunden treffe, etwas tue, bei dem ich einen tiefen Sinn verspüre, wenn ich im Wald spazieren gehe und bewundere, wie schön die Natur um mich herum ist, dann sind diese Momente der Freude wie Glück, Sinn, Liebe, Schönheit, Harmonie, Bejahung des Lebens sicherlich keine Sinnesreize, die von außen auf mich einströmen, sondern Dinge, die vielleicht von Sinnesreizen ausgelöst werden, die ich aber nur in meinem Inneren als ihre Deutung wahrnehmen kann. Warum sollte Gott sich nicht auf die gleiche Weise erkennen lassen, also in meinem Innersten?  

...Weil er sich eben nicht so einfach erspüren lässt! Der Waldspaziergang, die Freunde schön und gut. Aber Gott?! Der große Gott, der die gesamte Welt erschaffen haben soll? Der angeblich jedes einzelne Haar auf meinem Kopf einzeln abgezählt hat... Gott spüren müsste dann ein einzigartiges Gefühl sein, dass mich ganz mitreißt, mich elektrisiert, wie den Fernsehprediger bei "Bibel-TV" fast schweben lässt.  

Aber warum eigentlich? Ich glaube, Gott zeigt sich auch in den kleinen Dingen. Er verlangt keine Wundertaten von uns. Es geht gerade darum, auch die kleinen Dinge im Leben zu spüren und zu schätzen. Besonders eindrucksvoll finde ich die Geschichte des Propheten Elija (1Kön 19), der in die Wüste gezogen ist, um dort zu sterben. Ja auch der große Elija ist am Ende. Der Gott, an den er geglaubt hat, hat ihn scheinbar verlassen. Also: Auch der große Prophet hatte wohl nicht das richtige Gespür für Gott. Mit dem Leben abgeschlossen, verzweifelt und alleine setzt er sich unter einen Ginsterstrauch. Doch anstatt hier zu sterben zeigte sich ihm Gott. Nicht im starken, heftigen Sturm, nicht im Erdbeben und auch nicht im Feuer kam Gott zu Elija, sondern im sanften, leisen Säuseln.  

Gott spüren bedeutet also, auf die kleinen versteckten Zeichen zu achten, auf seine verborge Gegenwart zu setzen. Dabei muss nichts geleistet werden, keine Bedingung erfüllt sein, um ihm gegenüber zu treten, es bedarf auch keiner umfassenden Vorbereitung. Sondern einfach die Bereitschaft sich darauf einzulassen, zu spüren, ja ich liebe meine Partnerin/ meinen Partner, ich kann mich darüber freuen, wenn zwei von meinen Freunden zusammen gefunden haben, ich bin dankbar, dass jemand an mich gedacht hat. Genau in diesen Momenten ist uns Gott so nahe, dass ich meine, dass man ihn dann spüren kann, auch wenn man beim Gefühl nicht gleich an Gott denken würde. 

Gott steckt im Detail! Wenn ich mich im Sommer auf den Balkon setze, und von fernen Welten träume, die vielen Sterne sehe, die den Himmel erleuchten, stelle ich schnell fest, dass ich selber nur ein winziges Staubkorn bin und im Anbetracht alles dessen, was ist, wohl irgendwie unbedeutend bin. In Anbetracht der Weite dieses unbegreifbar großen Raumes über uns ist es tröstlich, etwas noch Größerem nachspüren zu können... und dieses Nachspüren bringt mich zu Gott. Aber es bedarf nicht einmal notwendig der Stille oder der Einsamkeit. Es reicht auch ein Moment, um zu wissen: Gott ist da. Alois Albrecht bringt es in einem der schönsten Kirchenlieder zum Ausdruck: 

Manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung/
Stunden werden eingeschmolzen und ein Glück ist da. 

Manchmal feiern wir mitten im Wort ein Fest der Auferstehung/
Sätze werden aufgebrochen und ein Lied ist da. 

Manchmal feiern wir mitten im Streit ein Fest der Auferstehung/
Waffen werden umgeschmiedet, und ein Friede ist da. 

Manchmal feiern wir mitten im Tun ein Fest der Auferstehung/
Sperren werden übersprungen, und ein Geist ist da.


Dass Sie fähig werden, Gott in allem zu finden, das wünsche ich Ihnen!

(12.01.2010)

Benjamin Weiß