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Die Pfingstsequenz „Veni, Sancte Spiritus“ wird dem Erzbischof Stephan Langton zugeschrieben. Er lebte im 12/13. Jahrhundert und hatte es nicht leicht in seiner Zeit. Mehrfach hatte er heftige Auseinandersetzungen mit dem König und dem Papst. Er hat wesentlich mitgewirkt an der Magna Charta von 1215, einem wichtigen Vorläufer für die Charta der Menschenrechte. Auf ihn geht auch die Kapiteleinteilung der Heiligen Schrift zurück. Sie macht es uns leicht, in jeder Ausgabe der Bibel die gleiche Schriftstelle wieder zu finden.

Komm, o Geist der Heiligkeit!
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende Deines Lichtes Strahl.

Vater aller Armen Du,
Aller Herzen Licht und Ruh,
Komm mit Deiner Gaben Zahl!

Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
Komm, o süßer Seelenfreund!

In Ermüdung schenke Ruh,
In der Glut hauch Kühlung zu,
Tröste den, der Tränen weint.

O Du Licht der Seligkeit,
Mach Dir unser Herz bereit,
Dring in unsre Seelen ein!

Ohne Deinen Gnadenschein
Steht der arme Mensch allein,
Kann nicht gut und sicher sein.

Wasche, was beflecket ist,
Heile, was verwundet ist,
Tränke, was da dürre steht,

Beuge, was verhärtet ist,
Wärme, was erkaltet ist,
Lenke, was da irre geht!

Heil'ger Geist, wir bitten Dich,
Gib uns allen gnädiglich
Deiner sieben Gaben Kraft!

Gib Verdienst in dieser Zeit
Und dereinst die Seligkeit
Nach vollbrachter Wanderschaft.

Amen. Alleluja.

(c) Michael May - Fotolia.com


Wärme, was erkaltet ist… 

Es will und will nicht warm und Frühling werden! So eine Sehnsucht nach Wärme und Sonne, nach Vogelgezwitscher und strahlender Helle, nach leichten Kleidern und im Freien sitzen. Bei Ihnen auch? Statt dessen viele rote Nasen, raue Stimmen und Erkältung. Ich bin erstaunt, dass ich selbst keine Unterkühlung davon getragen habe beim Ökumenischen Kirchentag in München. Da haben sich schon ein paar Tausend den Schnupfen geholt, gerade wegen der Sehnsucht nach Sonne, Licht und Wärme. 

Das gilt natürlich auch im übertragenen Sinn: Sehnsucht danach, dass es wieder warm wird, dass es Frühling wird untereinander und zwischen den immer noch getrennten Kirchen. Gerade weil wir uns in so vielem schon so tief geeint wissen, gibt es die Sehnsucht nach dem ganz Eins sein. Welch ein Symbol dafür die Tausende an tausend Tischen, die miteinander feiern und beten und das Brot brechen und miteinander teilen und Äpfel essen und miteinander Wasser trinken! Aber auch da so bitter kaltes Wetter. Auch wieder noch kühl im übertragenen Sinn. Denn das war ja nicht das Eigentliche. Es war zwar ein miteinander Essen und eine gottesdienstliche Gemeinschaft. Und Christus war ja wirklich unter uns. Aber es war eben kein Abendmahl und keine Eucharistie, sondern eine Artoklasie – wieder ein neues Fachwort, diesmal für Brotbrechen. Erinnerung an die Brotvermehrung Christi. An sein Mahl mit den Fünftausend (Mk 6,30-44). Man kann es als kleinen Betrug der Kirchenleitungen am Kirchenvolk ansehen – und dann wird einem wirklich kalt. 

Man muss es aber nicht so sehen. Und die Tausenden beim Kirchentag, die teilgenommen haben, haben es meist so nicht empfunden. Wärme, was erkaltet ist! Ich kann in Wut und Unzufriedenheit im Hinblick auf die Kirchen erstarren. Sie sind so verständlich. Aber ich muss es nicht. Ich kann als Kirchenverantwortlicher in Angst vor Substanzverlust und einer Gesinnung der quasi gewaltsamen Herstellung von Kircheneinheit, der Gesinnung des Machens erstarren. Und auch das ist sehr verständlich. Aber es muss nicht sein. Ich kann so starr und kalt werden, und bei vielen geschieht das auch, aber es ist nicht notwendig so. Und die linke und die rechte Seite haben wieder alle ihre Argumente ausgetauscht. Und ich bin dieser uralten Berufs-Kirchenkritiker so müde, aber mir tut auch die Hilflosigkeit und Unbeweglichkeit der Kirchenleitungen so weh. Wärme, was erkaltet ist! Aber das Leben des Kirchentages war doch mehr als das. Viel mehr! Da war doch wirklich Wärme, Herzlichkeit und dann auch Beweglichkeit und Einheit und Geist zu spüren. Gott sei Dank! 

Der Geist ist dann jenseits dieser eingefahrenen Geleise, jenseits der Klischees, jenseits der nimmermüden Unzufriedenheit und der Traurigkeit und des Beleidigtseins und Übelnehmens. Und das gilt ja nicht nur für das immer Gleiche an solchen Kirchentagen, das gilt ja auch für den Alltag im Zusammenleben in der Gemeinde und Familie und in der Ehe und in den Orden. Überall, wo es erstarrt ist und alt und sklerotisch und müde, wo es schwach und das immer Gleiche ist: Wärme, was erkaltet ist! Ja, lieber Heiliger Geist, mach uns Feuer im Herzen und im Hirn und unter anderen Körperteilen, dass uns warm wird und wir uns neu bewegen. Lass die Sonne scheinen und das Leben wieder leichter und jünger und schöner werden! 

Das klingt so tröstlich in dem alten Lied zum Heiligen Geist: „Wasche, was beflecket ist! Heile, was verwundet ist! Tränke, was da dürre steht. Beuge, was verhärtet ist! Wärme, was erkaltet ist! Lenke, was da irre geht!“ Es heißt eben nicht: Schmeiß weg, was befleckt ist! Schneid raus, was verwundet ist! Reiß raus, was dürre geworden ist! Brich entzwei, was verhärtet ist! Spei aus, was erkaltet ist! Lass laufen, was in die Irre will! Nein, nicht gewaltsam, sondern lebenserhaltend, sanft, heilsam, phantasievoll und barmherzig – also insgesamt sehr weiblich – ist der Heilige Geist! 

Möge er uns alle erfüllen jetzt am Pfingstfest!
Und in diesem Sinne wünscht von Herzen frohe und sonnige Pfingsten

(18.05.2010) 

Thomas Gertler SJ

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