Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheVergebung?
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Henri Nouwen hat ein ergreifendes Buch über diese Geschichte im Lukasevangelium und das Bild Rembrandts über die Heimkehr und die offenen Arme des Vaters geschrieben. Jesus erzählt diese Geschichte mit offenem Ausgang. Denn es ist nicht klar, ob auch der ältere und daheim gebliebene Sohn seinem Bruder und auch dem Vater vergeben wird. Die Welt wird nur neu und voller Fröhlichkeit, wenn auch ich einstimmen kann in die Vergebungsbereitschaft Gottes. Wenn auch ich vergebe. Im Vaterunser beten und bitten wir sogar, dass Gott uns (nur) so vergeben möge, wie wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Kann ich wirklich Vergebung schenken?

Quelle: Wikipedia

Lk 15,11 Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. 

12 Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. 

13 Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. 

14 Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land und es ging ihm sehr schlecht. 

15 Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. 

16 Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. 

17 Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen und ich komme hier vor Hunger um. 

18 Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. 

19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. 

20 Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 

21 Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. 

22 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an. 

23 Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. 

24 Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. 

25 Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. 

26 Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. 

27 Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.

28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. 

29 Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.

30 Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. 

31 Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. 

32 Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

Seitwert


Vergebung?

Diese Meldung habe ich schon vor einpaar Jahren in der Thüringer Allgemeinen (17.06.1994) gefunden: Eine Frau pocht an die Gefängnistür, will eingelassen werden und möchte darin ihre Strafe verbüßen. Sie hat vor einem Jahr ihr neugeborenes Kind getötet und beseitigt. Niemand hat es bemerkt. Ihr aber lässt es keine Ruhe. Sie will dafür bestraft werden. Sie will sühnen. 

Das geht nicht so einfach. Das Gefängnis nimmt sie nicht auf. Es wird ihr geraten, sich selbst anzuzeigen. Sie zeigt den Strafverfolgungsbehörden, wo sie das Kind versteckt hat. Die Überreste werden gefunden. Sie wird verurteilt. Sie kommt nicht ins Gefängnis. Sie wird auf Bewährung verurteilt. Eine menschliche Geste der Richter gegenüber dieser Frau. Eine Geste des Respekts und der Achtung. 

Sie hat mich damals sehr berührt, diese kurze Geschichte aus der Zeitung. Das gibt es also auch und das gibt es doch, dass jemand möchte, dass Schuld gesühnt wird! Nicht die Schuld anderer, - das gibt es täglich und stündlich und immerzu sind alle Zeitungen voll davon - sondern die eigene. Sie möchte einen Weg finden, um diese Last los zu werden. Um in den Frieden zu kommen. Um selbst wieder leben zu können. Um sich zu versöhnen. Um Vergebung zu erlangen. 

Um Vergebung zu erlangen? Geht das so? Ja, vor der Gesellschaft ist das Verbrechen nun gesühnt. Also Sühne ja. Aber Vergebung? Kann die Gesellschaft vergeben? Sie verfolgt in Gestalt der Staatsanwaltschaft die Übertretung der Gesetze. Sie versucht, dadurch Gerechtigkeit zu üben. Oft mehr schlecht als recht. Vergeben müsste das Kind. Vergeben müsste der Vater des Kindes. Von dem sie vielleicht gar nicht weiß, wo er abgeblieben ist. Vergeben müsste sich dann die Frau selbst. Ist das möglich? Eher nicht. Ist Vergebung also vergeblich? Nein, es gibt Vergebung. Es gibt Versöhnung. Es gibt die offenen Arme. 

Was ich hoffe und mir ersehne, ist, dass dieser Frau die Geschichte von jenem Vater erzählt worden ist, der vergibt und barmherzig ist. Der mit offenen Armen seinem Sohn entgegenläuft. Dem Sohn, der verloren war. Der bei den Schweinen lebte. Der nun heimkehrt und den Vater um Vergebung bittet. Die Geschichte vom Vater, der nun für und mit dem Sohn ein Fest feiert. Ein Freudenfest der Vergebung. 

Für diese Frau auch? Ja, auch und gerade für diese Frau. Sie sehnt sich danach, dass es wieder gut ist. Sie will alles Ihre tun, damit es wieder gut ist. Sie tut es. Sie bekennt ihre Schuld, die nie herausgekommen wäre, wenn sie es nicht offenbart hätte. Sie wäre straflos davon gekommen. Aber sie hätte den Frieden nicht gefunden. Sie hätte sich weiter mit Alkohol betäuben können, aber Frieden finden... 

Ich hoffe, bete und wünsche, dass diese Frau nun ihren Frieden, die Vergebung gefunden hat. Die offenen Arme und die neue Annahme an Kindes Statt. Das Fest der Versöhnung.  

Das erste Fest der Versöhnung und der Annahme an Kindes Statt ist für die Christen die Taufe. Da wird alles abgewaschen. Da kommt man ganz rein und schuldlos wie ein kleines Kind heraus. Da bekommt man das weiße Kleid. Da empfängt uns der himmlische Vater mit offenen Armen. 

Aber ich habe es selbst auch immer und immer wieder erlebt im Sakrament der Buße oder, wie wir of verkürzt sagen, in der Beichte. Welche Freude, welcher Jubel, welche Dankbarkeit, wenn der Priester mir die Vergebung Gottes zuspricht! Wenn er tut, was Paulus schreibt: "Wir bitten an Gottes Statt, lasst euch mit Gott versöhnen." Und wenn er es selbst in Liebe und Freude tut, im Geist des barmherzigen Vaters. Nicht gelangweilt oder gleichgültig oder genervt oder mit Verachtung dem Sünder gegenüber oder gar mit Härte und Selbstgerechtigkeit. Nein so, wie es Gott selbst tut in der Erzählung Jesu. So wie Jesus es selbst tut der Ehebrecherin gegenüber, dem Gelähmten gegenüber, dem kleinen Zachäus gegenüber, ja am Schluss noch dem Verbrecher gegenüber, mit dem er gekreuzigt wurde. 

Es gibt Vergebung, Gott sei Dank! Und sie schafft die Welt wieder neu. 

15.09.2010

Es grüßt Sie herzlich

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