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Hier noch ein kleines Gedicht über den Trost: 

Kurt Marti (*1921)

NICHT BEI TROST 

bei trost hätt ich frieden
bei trost hätt ichs gut
doch trost ist verreist:
anstatt bei ihm
bin ich wieder
bei mir

(c) mager - Fotolia.com

Die Kennzeichen des Weges Gottes, die Freude und den Frieden mit Gott, nennt Paulus in seinem Brief an die Philipper. 

Phil 4,4 Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!


5 Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.


6 Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!


7 Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.

8 Schließlich, Brüder: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! 

Seitwert
(c) Thomas Gertler


Unterscheidung der Geister 

Die Gabe der Unterscheidung der Geister hat Ignatius von Loyola zwar nicht im Schlaf geschenkt bekommen, aber immerhin im Bett. Im Krankenbett. Nach der schweren Verwundung, die er 1521 im Krieg davontrug, lag er lange Zeit auf dem Krankenlager. In dieser Zeit der Langeweile träumte der Dreißigjährige über sein Leben. Sollte er die Welt erobern, wie es damals gerade für Spanier modern war, und für seine Herzensdame ruhmvolle Taten vollbringen, wie er in den Ritterromanen seiner Zeit lesen konnte? Oder sollte er lieber das Leben eines Franziskus oder eines Dominikus führen, wie er es in dem dicken Buch mit Heiligengeschichten las, das er auf dem Heimatschloss Loyola als nahezu einzige Lektüre zur Verfügung hatte.  

Solche Tagträume oder Meditationen kennt ja jede/r, die/der einmal längere Zeit im Krankenhaus sein musste oder sich in den Ferien mal wirklich der Ruhe und dem Nichtstun überlässt. Sie auch? Allerdings macht nicht jede/r so eine Entdeckung wie Ignatius. Ihm fiel nämlich auf, dass es einen Unterschied bei den verschiedenen Tag- und Lebensträumen gab. Berühmt zu werden, ehrgeizige Taten zu tun, war interessant und spannend, während er darüber nachdachte, dann später aber ließ es ihn irgendwie leer und unbefriedigt zurück. Während die Gedanken, ob er wie Franziskus oder Dominikus leben und Gott und den Nächsten dienen sollte, nicht nur spannend waren, während er darüber träumte, sondern ihn auch nachher noch froh und zufrieden sein ließen. Und er schreibt in seiner Autobiographie, dass ihm Gott ein wenig die Augen öffnete und er sich über diesen Unterschied zu wundern begann, dass die einen Gedanken froh und die andern traurig machten. „Dies war die erste Überlegung, die er in den Dingen Gottes anstellte. Und danach, als er die Übungen (Exerzitien) verfasste, begann er von hieraus Licht für die Frage der Verschiedenheit der Geister zu gewinnen" (Pilgerbericht Nr. 8). 

Woher kommt diese unterschiedliche Wirkung unserer Gedanken? Sie kommt daher, dass ein Lebenskonzept, ein Lebensplan, der nur um mich selbst kreist, nur eigenen Ruhm, eigenes Fortkommen, nur die Selbstverwirklichung kennt, unter meinen menschlichen Möglichkeiten bleibt und daher zur Traurigkeit führt. Wenn ich dagegen aus meiner eigenen Enge herauskomme, mich selbst verlasse und nicht nur für mich selbst lebe, dann werde ich froh. Noch mal anders: Wer immer nur nach der Frage handelt: „Was bringt mir das? Was habe ich davon?“, der wird unfroh. Wer dagegen die typisch menschliche Fähigkeit gebraucht, sich selbst zu übersteigen, sich in die Lage eines Notleidenden zu versetzen und für ihn einzusetzen, wer seinen Egoismus und seine Ichzentriertheit, wer seine Angst um sich selbst hinter sich lässt und über sich selbst hinauswächst, der wird froh.

Der Kompass, um zu einem richtigen und gelungenen Leben zu finden ist also die Freude (link auf Kompass zu Gott). Dabei darf man Freude nicht mit bloßem Spaß oder Vergnügen verwechseln. Das ist immer wieder eine Gefahr in meinem eigenen Leben. Wer nur Spaß, Lust und Vergnügen sucht, wird auf die Dauer unglücklich. Lust stellt sich ein beim Abbau der Triebspannung. Also wenn ich nach einer Wanderung durch Hitze und Staub endlich mit großem Durst mein Radlermaß trinke und es zischt so richtig, dann ist das ein Vergnügen und eine Lust. Aber wenn ich durstig und hungrig, mit zerschrammten Knien und schmerzenden Muskeln oben auf dem Berggipfel stehe und mit dem Berg auch mich selbst besiegt habe, dann bin ich von Herzen froh. Oder wenn ich endlich das schwierige Gespräch geführt oder die lange fällige Entscheidung getroffen habe, dann werde ich froh. Ich bin dann über mich selbst, mein eigenes Ich hinaus gegangen. Die Theologen bezeichnen dieses sich selbst Übersteigen mit dem lateinischen Wort Transzendenz und meinen damit das Ankommen bei Gott. Und dann finde ich die vollkommene Freude und den tiefen Frieden. Denn „unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir." So sagt Augustinus in seinen Bekenntnissen (Confessiones I/4). 

Die erste Unterscheidung der Geister ist also die Unterscheidung zwischen Freude und Traurigkeit oder innerer Missgestimmtheit. Bei Ignatius heißt das Trost und Misstrost oder Trostlosigkeit. Wobei er unter Trost diese Freude meint, die von Gott selbst kommt. Die Freude, wenn man in innerem Frieden und in Harmonie lebt. Im Einklang mit Gott, mit sich selbst und mit der Welt. Allerdings kann es mit der „Welt“ auch große Konflikte und Unfrieden geben und dennoch kann mein Inneres große Freude und großen Frieden erleben. 

Gott lockt uns zu sich durch die Freude. 

Dass auch Sie diese wahre Freude finden, das wünsche ich Ihnen! 

Viele Grüße

PS: Am 31. Juli feiern wir übrigens das Fest des heiligen Ignatius. 

27. Juli 2010

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