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Die Geschichte Abrahams ist die eines Mannes, der immer umherzog. Immer wieder alles einpacken und fortziehen musste.

Er musste sich dabei ganz und gar und immer mehr auf Gott verlassen, der ihn führte. Und doch nimmt Abraham alles mit. Bitte achten Sie darauf, was und wen er alles mitnimmt. 


Gen12,1 Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.

2 Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein.

3 Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.

4 Da zog Abram weg, wie der Herr ihm gesagt hatte, und mit ihm ging auch Lot. Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran fortzog.

5 Abram nahm seine Frau Sarai mit, seinen Neffen Lot und alle ihre Habe, die sie erworben hatten, und die Knechte und Mägde, die sie in Haran gewonnen hatten. Sie wanderten nach Kanaan aus und kamen dort an.

(c) Marek Kosmal - Fotolia.com


Umziehen 


Wann sind Sie das letzte Mal umgezogen? Können Sie sich noch erinnern? Ich bin gerade in meiner neuen Heimat Augsburg angekommen. Noch sieht mein Zimmer wie ein Schlachtfeld aus. Ich wollte mit weniger aus Frankfurt ausziehen, als ich angekommen bin. Das habe ich wohl nicht geschafft. Auch wenn unsereiner ja keine Möbel mitnehmen muss, bleibt immer noch eine beschämende Menge an Sachen. Aber ich habe viel, sehr viel weggeschmissen, verteilt, verschenkt, in unsere Bibliothek gegeben. Säckeweise, kistenweise, körbeweise. Und nun bin ich erleichtert in vieler Hinsicht. 

So vieles habe ich durchgeforstet. Angefangen bei den Kleidern. Zu viel. Und ab in die Sammelstelle. Viele Zeitschriftenartikel habe ich wieder gefunden, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie mal lesen wollte. Damals war es so hoch interessant und wichtig. Und jetzt weg damit. Oder doch nicht? Soll ich das doch noch lesen? Hilft es mir auf meinem neuen Lebensabschnitt? 

Viele Fotos habe ich angeschaut. Und dabei sind unterschiedlichste Erinnerung hochgekommen: Ausflüge, Ferien, Bergwanderungen, Feste. Die Amerikareise. Und natürlich die Familie und ihre Geschichte. Die Kinderbilder… Fotos von der Priesterweihe… Fotos vom Jugendfasching in Erfurt-Hochheim. Etliche alte Briefe habe ich noch mal gelesen. Und da tauchen Situationen auf, die ich völlig vergessen hatte. Und dabei war das damals eine zwar kurzzeitige, aber sehr intensive Begegnung. Was mag da wohl inzwischen alles wie weiter gegangen sein? Wegschmeißen? Aufheben? Ich habe auch Ecken gefunden, die seit dem letzten Umzug, der vor mehr als vier Jahren nur innerhalb des Hauses in Frankfurt stattgefunden hatte, überhaupt nicht mehr angerührt habe. Stimmt ja, ich hatte diesen Schlafsack und diesen Trainingsanzug. Auch damit sind Erinnerungen verknüpft. Weg damit. Vielleicht freut sich jetzt jemand darüber, der noch gerne Camping macht. 

Aber es ist ja doch nie genügend Zeit - jedenfalls bei mir -, alles noch mal anzuschauen und zu entscheiden, was nun damit werden soll. Der eine entscheidet im Zweifel dann für Wegwerfen. Ich entscheide im Zweifel für den Angeklagten. Er wird nicht entlassen, sondern bleibt bei mir in Haft. Dann wieder wird meine Panik zu groß: Nein, das ist doch alles viel zu viel. Du schaffst das gar nicht und du brauchst das gar nicht. Und dann schmeiße ich in meiner Panik wieder Sachen weg, um die es mir Leid tut und die ich vermissen werde. 

Umziehen ist ein hilfreiches „exercitium“, eine lehrreiche Übung. Es führt zu einer intensiven Begegnung mit sich selbst. Mit der Vergangenheit und dem Umgang mit ihr. Mit der Gegenwart, meinen Grenzen und meinen Idealen. Und auch mit der Zukunft, nach der ich heute auswähle, bewahre oder verwerfe.

Es ist ein Stück Begegnung mit dem Tod. Mit dem Abschiednehmen. Aber auch mit meiner Sammelwut. Und dahinter mit meiner Angst, dass es nicht reicht. Dass es nie reicht, nie genug ist. Und diese Angst sitzt so tief, dass ich automatisch immer eher für das Behalten als für das Loslassen und für das Abschiednehmen bin. Ich bin noch nicht bereit zum endgültigen Loslassen und Sterben, obwohl die Sehnsucht nach der ganz großen Freiheit wächst. Da werden wir mit nichts und doch mit allem umziehen in das Land, das keine Grenzen kennt. 

Umziehen ist nicht nur eine Begegnung mit mir selbst und meinen Schwächen. In meinem Fall mit dem beschämenden Reichtum der „armen“ Ordensleute. Es ist auch eine Begegnung mit dem Glück. Mit dem Geführtwerden. Mit so vielen Freundschaften. Mit so viel Liebe und wichtigen Begegnungen, mit Lebenserfahrungen. In alle dem mit der Sorge Gottes für mich. Nicht nur mit meiner Sorge um mich. Und gerade die Fülle und Überfülle von allem zeigt mir: Thomas, merkst Du etwas? Es hat immer gereicht und es war noch übrig. Es blieben mehr als zwölf Körbe. Hab Vertrauen, es reicht auch nun und bleibt übrig, wenn du alles herzugeben bereit bist. Verlass dich doch. Lass los. Verlass dich doch auf mich.

03.03.2009