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Psalm 38 beschreibt diese Trauer und trostlose Gottesferne, die aus eigener Schuld kommt. Hier in der Übersetzung nach Martin Luther

1 Ein Psalm Davids, zum Gedächtnis.
2 HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm.

3 Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drückt mich.

4 Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor deinem Drohen und ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde

5 Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden.

6 Meine Wunden stinken und eitern vor meiner Torheit.

7 Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig.

8 Denn meine Lenden verdorren ganz, und ist nichts Gesundes an meinem Leibe.

9 Es ist mir gar anders denn zuvor, und ich bin sehr zerstoßen. Ich heule vor Unruhe meines Herzens.

10 HERR, vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.

11 Mein Herz bebt, meine Kraft hat mich verlassen, und das Licht meiner Augen ist nicht bei mir.

12 Meine Lieben und Freunde treten zurück und scheuen meine Plage, und meine Nächsten stehen ferne.

13 Und die mir nach dem Leben trachten, stellen mir nach; und die mir übelwollen, reden, wie sie Schaden tun wollen, und gehen mit eitel Listen um.

14 Ich aber muß sein wie ein Tauber und nicht hören, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut,

15 und muß sein wie einer, der nicht hört und der keine Widerrede in seinem Munde hat.

16 Aber ich harre, HERR, auf dich; du, HERR, mein Gott, wirst erhören.

17 Denn ich denke: Daß sie sich ja nicht über mich freuen! Wenn mein Fuß wankte, würden sie sich hoch rühmen wider mich.

18 Denn ich bin zu Leiden gemacht, und mein Schmerz ist immer vor mir.

19 Denn ich zeige meine Missetat an und sorge wegen meiner Sünde.

20 Aber meine Feinde leben und sind mächtig; die mich unbillig hassen, derer ist viel.

21 Und die mir Arges tun um Gutes, setzen sich wider mich, darum daß ich an dem Guten halte.

22 Verlaß mich nicht, HERR! Mein Gott, sei nicht ferne von mir!

23 Eile, mir beizustehen, HERR, meine Hilfe.

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Trostlos

Wer sich auf den Weg mit Gott und dem Glauben macht, der erlebt Jubel und Freude, Licht und Kraft, erfährt ganz neue Gefühle der inneren Freiheit, der Weite, der Schönheit, der Erkenntnis und der Harmonie. Er erlebt von allem aber auch das Gegenteil. Tiefe Traurigkeit, Verlassenheit, ja zuweilen Verzweiflung über sich selbst, Sinnlosigkeit, Abgeschnittensein von allem, Gefühllosigkeit. Und diese dunklen Erfahrungen sind gerade nach solchen hellen und schönen besonders schlimm.

Wie kommt das alles? Und was soll ich tun?

Wie kommt das? Es hat viele Gründe. Der fundamentalste ist, dass mit dem Geschenk des Glaubens eine neue Welt von Gefühlen entsteht. Die erwähnten Glücksgefühle des Glaubens sind ja gerade das so Neue, Anziehende und das, was man nun immer wieder erleben möchte. Sie kommen aus der Entdeckung dieser neuen Welt Gottes, die sich erschließt. Aus der neu erfahrenen Liebe und Annahme, die einen so glücklich macht. Es ist am ehesten mit der Erfahrung der Verliebtheit zu vergleichen. Da sind dann auch ganz neue Gefühle da. Plötzlich ist man wieder wie ein glückliches Kind oder wie ein verliebter junger Mann oder eine verliebte junge Frau und hüpft und springt und tanzt und möchte alle Welt umarmen.

Den neuen positiven Gefühlen auf der einen Seite der Skala entspricht dann aber auch eine negative auf der anderen Seite. Sensibilität nimmt nicht nur auf einer Seite zu sondern immer auf beiden Seiten. Wer mehr zur Freude fähig wird, wird es auch mehr zur Traurigkeit. Und umgekehrt gilt, wer sich immer unempfindlicher und unsensibler macht, um nicht mehr leiden zu müssen, der wird auch abgestumpfter gegenüber der Freude. Er wird insgesamt gefühlloser.

So erlebt sich derjenige, der den Glauben neu entdeckt, dass er/sie nun ein anscheinend ganz neues Leben mit den Gefühlen beginnt. So schreibt es Ignatius von Loyola in seiner Autobiographie, dem so genannten Pilgerbericht, über sich selbst: Er begann „in seiner Seele große Verschiedenheiten zu verspüren. Einige Male befand er sich in einem so mürrischen Zustand, dass er weder Geschmack am Beten fand noch am Hören der Messe noch an einem anderen Gebet, das er verrichtete. Andere Male empfand er genau das Gegenteil davon, und zwar so plötzlich, dass es ihm schien, man habe ihm die Traurigkeit und Trostlosigkeit weggenommen, wie jemand einen Mantel von der Schulter des anderen nimmt. Da begann er sich über die Verschiedenheiten zu wundern, was er niemals vorher erfahren hatte, und bei sich zu sagen: ‚Was ist das für ein neues Leben, das wir jetzt beginnen?’“ (Nr. 21).

Aber wie kommt es, dass ich in diese Traurigkeit und Einsamkeit und Leere und Finsternis falle? Es sollte doch besser so sein, dass ich immer in dieser Freude bleibe. Ja, das wünschen wir uns und darum sollen wir uns auch immer bemühen. Die Freude soll wirklich das Grundkennzeichen unseres Glaubens sein. Aber wir schauen nicht immer erlöst aus und wir erleben – in vielem heftiger als in der Zeit vor dem Finden Gottes – auch Zeiten der Traurigkeit.

Gründe dafür gibt es mehrere. Der erste, der uns immer selbst zuerst einfällt, ist, dass ich etwas falsch gemacht habe. So ist meist erst einmal das Gefühl, wenn ich den Grund nicht sofort kenne. Irgendwas ist schief gelaufen. Irgendwas habe ich falsch gemacht. Und dann ist es sehr gut nachzuforschen: Wann hat denn die Freude aufgehört? Wann bin ich in die Verzweiflung oder Traurigkeit gefallen? Und dann kann es sein, dass ich es konkret benennen kann. Und da kann es sein, dass ich tatsächlich etwas falsch gemacht habe, nicht im Sinne eines technischen Versagens, sondern eher im Sinne eines menschlich-moralischen Versagens. Ich bin selbst schuld, weil ich mich gar nicht mehr um Gott und seinen Willen gekümmert habe. Ich habe nicht mehr regelmäßig gebetet. Ich bin selbst schuld, weil ich wirklich Unrecht und Böses getan habe. Das nimmt mir die Freude und das bringt mir ein schlechtes Gewissen.

Es kann sein, ich bin wieder in einen alten Fehler gefallen, der mich schon lange stört, aber immer wieder tue ich es. Ich bin zum Beispiel unmäßig im Essen, im Trinken, im Fernsehen, im Computerspielen usw. Alles das nimmt mir die Freude. Oder ich höre auf, mein Leben selbst zu gestalten und in die Hand zu nehmen. Ich lasse mich träge nur noch treiben. Oder ich schiebe eine Entscheidung, einen Konflikt oder eine Arbeit vor mir her. Wenn ich nicht von der mir möglichen Freiheit gebrauch mache, dann bleibe ich unter meinen Möglichkeiten. Das macht traurig.

Genauso kann es sein, dass ich etwas Trauriges erlebt habe. Es ist ein lieber Mensch gestorben. Oder es ist etwas mir Wertvolles kaputt gegangen. Oder es ist etwas gründlich schief gegangen. Auch ohne meine Schuld. Alles das macht mich traurig.

Oder mir ist ein Unrecht geschehen. Ich habe eine Beleidigung erfahren. Auch vielleicht ohne böse Absicht. Aber ich bin tief verletzt. Besonders mir nahe und liebe Menschen können mich schwer verletzten und mir auf diese Weise die Freude nehmen. Ein jeder kennt das. Ich bin innerlich wütend und aus meinem Frieden heraus gefallen.

In all diesen aufgezählten Bereichen kann ich selbst etwas tun, um aus der Trostlosigkeit und Traurigkeit heraus zu kommen. Ich kann mich wieder aufraffen und den ersten Schritt hinaus tun aus Trägheit, aus Unmäßigkeit, aus meiner Schuld. Indem ich das Böse bereue und wieder gut mache. Um Verzeihung bitte. Und mir auch selbst verzeihe.

Ich kann bewusst trauern und Abschied nehmen und für den Verstorbenen beten. Ich lasse mich nicht immer tiefer Hineinfallen in das Dunkle, sondern versuche es zu begrenzen.

Ich gestehe mir meine Verletzung ein. Ich nehme sie an und versuche zu verzeihen und auch darüber zu sprechen. Alles das ist mir möglich. Und immer wenn ich das tue, kommt auch gewöhnlich die Freude und die Versöhnung, der Frieden und die Kraft wieder zurück.

Aber es gibt auch die Möglichkeit, dass ich nicht einen solchen klar benennbaren Grund finde für den Verlust der Freude. Darüber schreibe ich das nächste Mal.

10.02.2009