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Die Erzählung vom Seesturm bei Markus ist ein Bild für unser Leben als Jünger und Jüngerinnen

Wir sind bedroht von Todesmächten, die uns zu überwältigen drohen. Jesus aber scheint das nicht zu kümmern. Er schläft seelenruhig. Er ist nicht da. Friede und Stille kehren in uns ein durch die machtvolle Gegenwart Jesu. Er kann mit allen Stürmen und Wellen in unserem inneren und äußeren Leben fertig werden.

Mk 4,35
Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.

36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn.

37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann.

38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

39
Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.

40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?

41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?


Trostlos 2


Es gibt im Leben mit Gott Zeiten, in denen ich Ihm nahe bin, mich von Ihm angenommen und geliebt fühle und darum glücklich, froh, getröstet bin. Und es gibt Zeiten, in denen genau das Gegenteil der Fall ist: es geht mir nicht gut. Ich bin traurig, einsam, lustlos. Ich fühle mich wie in einer leeren Salzwüste. Nichts, was mich vorher begeistert hat, schmeckt mir mehr. Ich möchte alles sein lassen und weglaufen. In der spirituellen Tradition nennt man das die Trostlosigkeit.

Dass es mir so schlecht geht, kann Gründe in meinem eigenen Verhalten haben. Ich habe das im Impuls vom 10.Februar 2009 beschrieben. Und auch kurz gesagt, was man dagegen tun kann und soll. Es gibt aber auch die Erfahrung einer solchen Verlassenheit, die nicht in meinem eigenen (Fehl-)Verhalten ihren Grund hat.

Wieso kommt das und was kann ich da tun?

Wieso passiert mir so etwas? Zuerst muss ich verstehen, dass die fühlbare Nähe Gottes immer ein Geschenk Gottes ist. Sie ist nach alter Tradition immer die Wirkung des Geistes Gottes in uns. Gott ist frei. Er kann sich mir so tröstend und froh machend spürbar machen. Er muss es aber nicht. Oft merke ich auch gar nicht bewusst, dass diese Nähe Gottes da ist. Ich bin zwar ganz vergnügt und froh und lebe so mein Leben, pfeife und singe so vor mich hin. Dass das aber auch Geschenk und Gnade Gottes ist, merke ich oft erst, wenn es verschwunden ist.

Das hat Hans Carossa (1878-1956) sehr schön in einem kleinen Gedicht gesagt:

WAS EINER IST ...

Was einer ist, was einer war,
Beim Scheiden wird es offenbar.
Wir hören’s nicht, wenn Gottes Weise summt,
Wir schaudern erst, wenn sie verstummt.


Wir schaudern erst, wenn wir nicht mehr Seine Wärme und Nähe spüren, sondern die Kälte des Alleinseins. Gottes tröstende Gegenwart ist also so etwas, was die Alten die Sphärenmusik nannten. Das ist der Klang, den die Harmonie der Welt und Sphären, die sich nach Pythagoras über den Himmel bewegen, eigentlich verursachen und die wir hören müssten. Wir hören sie aber nicht, weil wir sie immer hören. Wie die große alte Uhr in unserem Haus, die ganz laut tickte. Wir hörten das Ticken aber nur, wenn wir einmal lange von zu Hause weg gewesen waren. Wir sind oft so daran gewöhnt, dass wir die Freude und so einen grundlegenden Frieden spüren, dass wir dessen erst bewusst werden, wenn sie uns genommen sind

Und damit sind wir auch schon beim ersten Grund, warum uns Gott manchmal allein lässt. Damit wir uns nicht einbilden, wir selbst wären es oder könnten das herstellen. Ich nenne das auch einen „negativen Gottesbeweis“. Erst wenn uns diese spürbare Nähe Gottes genommen ist, merken wir, dass sie vorher da war. Und daran merke ich dann auch, dass sie wirklich freies Geschenk Gottes ist, weil sie von mir selbst nicht herzustellen ist. Dazu helfen eben keine Meditationstechniken oder asketische Zwangsmaßnahmen. Es ist nicht zu erzwingen. Nach einer Flasche Wein bin ich normalerweise betrunken. Nach einer Stunde Gebet oder Meditation nicht einfach automatisch glücklich.

Es ist also nicht einfach und immer „Strafe“ Gottes, wenn wir uns trostlos fühlen und allein gelassen, sondern es kann eben auch dieser Grund sein. Gott macht uns darauf aufmerksam, viel aufmerksamer zu sein und dankbarer und unsere innere Freude nicht als selbstverständlich oder einfach als Lohn dafür zu sehen, dass ich so gut bin. Denn es ist ja oft so, wenn es mir gut geht, werde ich leicht übermütig, schreibe mein Glück dem eigenen Können zu, mache alte Fehler, und vergesse, wie sehr alles Geschenk ist. Und damit werde wieder ich blind für das, was ich ja entdeckt habe: Gottes Liebe zu mir und seine Nähe, seine Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit.

Und damit sind wir bei einem weiteren Grund. Das ist die Pädagogik Gottes. Gott führt uns weiter und er erzieht uns. Und der erste Schritt dabei ist die Klärung unserer Motive. In der klassischen Tradition der „Weg der Reinigung“ genannt. Es ist nämlich am Beginn meines Weges mit Gott durchaus nicht klar, ob meine Begeisterung für den Glauben, für Gott und die Kirche ganz selbstlos sind. Ob sie nicht vielmehr daher kommen, weil es mir selbst so viel bringt. Weil ich so viel für mich daraus gewinne. Ich bin so unendlich bereichert durch diese neue Gemeinschaft mit Gott, dass durchaus die Frage ist, ob ich nicht gerade darum mehr Zeit für das Gebet, den Gottesdienst, die spirituelle Lektüre habe. In vielem ist das der Verliebtheit zu vergleichen. Diese erste Zeit der Liebe ist sehr durch starke Glücksgefühle, Jubel, Freude, neue Sicht auf alle Dinge geprägt. Ich will immer mit dem/der Geliebten zusammen sein. Aber es ist durchaus noch keine Liebe, sondern erst einmal Verliebtheit. In der Verliebtheit ist auch noch nicht klar, ob es mir zuerst um mich selbst oder um den anderen/die andere geht. Ob ich den andren/die andere als sie selbst wirklich liebe oder vielmehr mein inneres Traumbild, meine eigenen Ideale und Wünsche, das ist anfangs nicht richtig geklärt. Hier muss oft durch eine Ent-Täuschung herausgefunden werden, ob ich den anderen als ihn/sie selbst wirklich liebe. Bei der Verliebtheit ist sehr viel an unwillkürlichen Gefühlen im Spiel. In der Liebe sind darüber hinaus auch immer meine Freiheit und meine Einsicht mit gefragt. Für die Liebe muss ich mich entscheiden, mich entschließen oder aufschließen. Die Verliebtheit kommt ganz von allein.

So ähnlich ist es auch in der Beziehung zu Gott. Nach der ersten Zeit der Verliebtheit in Gott und das neue Leben im Glauben kommt auch so eine Zeit der Klärung. Der Übergang in die bewusste, freie Entscheidung. Und darum lässt uns Gott auch einmal allein und ohne den fühlbaren Trost. Das ist ent-täuschend und klärend und reinigend. Diese Trostlosigkeit ist dann eben nicht Zeichen eines eigenen schuldhaften Verlassenseins von Gott, sondern gerade schon ein Zeichen des Fortschritts auf dem Glaubensweg. Gott traut mir zu, dass ich auch ohne diesen fühlbaren Trost auskommen kann und nicht sofort weglaufe, sondern auch treu bleibe, wenn es nicht mehr wie von selbst geht. So ist das gewissermaßen ein Kompliment Gottes an mich. Allmählich kann ich von der Milchflasche entwöhnt werden und das Graubrot des Alltags essen (vgl. 1 Kor 3,2; Hebr 5,12).

Damit schließe ich wieder für heute. Die anderen Fragen, die sich hier noch ergeben, weitere Stufen auf dem Weg behandle ich im nächsten Impuls.

17.02.2009