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Paulus schreibt im 6. Kapitel des Römerbriefes dieses Grundgesetz des christlichen Lebens auf:

Röm 6,3 wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?

4 Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.

5 Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.

6 Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben.

7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.

8 Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

10 Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott.

11 So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

(c) Rony Zmiri - Fotolia.com


Taufe

„Immerdar enthüllt das Ende
Sich als strahlender Beginn.“ 

Das ist eine Gedichtzeile von Werner Bergengruen. Sie geht mir in diesen Tagen nicht aus dem Sinn. Sie bezieht sich jetzt ausnahmsweise nicht auf meinen Umzug nach Augsburg, von dem ich schon geschrieben habe, auch wenn ich dort sehr herzlich aufgenommen worden bin und alles für mich neu beginnt. Vielmehr steht mir Ostern vor Augen. Jesu Tod und Auferweckung. Ostern geschieht genau das, was diese Gedichtzeile sagt. Das Ende, das wirklich Ende war und nicht nur so schien, das Aus und der Abbruch, das Grab und der Tod wendet sich und wandelt sich in den strahlenden Beginn des Ostermorgens. Enthüllt sich als unausdenkbar neues Leben, als Leben, das den Tod hinter sich hat und nicht mehr stirbt.

Ja, aber immerdar? Die Auferstehung war doch wohl erstmalig und einmalig und nicht immerdar. Bergengruen meint aber doch: das, was da zu Ostern geschehen ist, ist ein allgemeines Gesetz des christlichen Lebens. Es wiederholt sich immer wieder im Laufe der Geschichte der Christen und auch des Volkes Israel.

Unser Christsein fängt damit an, nämlich mit Untergang und Aufgang in der Taufe. Sie ist in der ursprünglichen Gestalt der Erwachsenentaufe in einem großen und tiefen Taufbecken wirklich ein Eingetauchtwerden des ganzen Menschen in das Taufwasser. So bedeutet es zuerst Sterben und Ertrinken im Tod. Untergehen mit Christus in den Wassern des Todes und dann rein gewaschen und neu geworden Auftauchen im Wasser des Lebens. Auferstehen mit dem Auferstandenen. Womit das Leben als Christ beginnt, das wiederholt sich später immer wieder. Und es hat sich auch schon früher immer wieder so ereignet. Also „immerdar“.

Im Leben des Volkes Israel ist das beispielsweise der Untergang, zu dem es bestimmt war durch den Befehl des Pharao, alle neu geborenen Knaben zu töten. Dieser Untergang wird dann der Anfang für die Befreiung aus der Sklaverei der Ägypter. Und das Meer, das sie trockenen Fußes durchschritten, wird für die Ägypter, ihre Verfolger, zum Wasser des Todes.

Genauso wird der Untergang Jerusalems und des Tempels im Jahre 586 vor Christus zum inneren Neubeginn des Glaubens Israels in der Verbannung. Der Gott Israels wird gerade im Exil in Babylon zum einen Gott für alle Völker und im Prophetenwort zeichnet sich die Wallfahrt aller Völker zum Berg Zion ab.

Ganz ähnlich viele Wunder und Zeichen im Leben Jesu: Untergang und Aufgang. Was für den Blindgeborenen im Johannesevangelium (Joh 9) zuerst einmal das Unglück seines Lebens und das seiner Eltern ist, Zeichen für den Fluch, der auf ihm lastet, nämlich seine Blindheit, wird am Ende zur Begegnung mit Christus, dem Licht der Welt, und er kommt zu einem Sehen, das mehr ist als das mit den Augen allein.
 
Bei Petrus begegnen wir diesem Gesetz von Ende und Neubeginn besonders häufig. Seine Sehnsucht, Christus alles nachzutun, wird zur Katastrophe, als er versucht, auf dem Wasser zu gehen (Mt 14,28-33). Er beginnt zu ertrinken und merkt seinen Kleinglauben und Großtuerei. Aber sein Schrei: „Herr, rette mich!“, wird erhört und er begegnet Christus neu und tiefer als dem Sohn Gottes. In dieser Geschichte zeichnet sich schon die größte Katastrophe seines Lebens und ihr Ausgang ab. Er, der Jesus in den Tod folgen wollte, wird leugnen, Jesus überhaupt zu kennen. Aber gerade diese Katastrophe wird der Beginn seiner wirklichen Bekehrung und seines Lebens als Jünger und dann zum Ausgangspunkt seiner Hirtenaufgabe in der Kirche (Joh 21,15-20). 

Wir können das auch ganz ähnlich finden bei der Brotvermehrung. Was nie genügte und reichte, reicht und genügt doch. Und am Ende sammelt man zwölf Körbe ein (Mt 14,13-21).

Sie können auch auf Ihr eigenes Leben schauen, ob Sie nicht auch schon dieses Gesetz des christlichen Lebens erfahren haben und sich das Ende als strahlender Beginn enthüllte.

Für mich beschämend und tröstend habe ich es einmal erlebt bei einem jungen Ehepaar, das sich gemeinsam nach Jahren in anderen geistigen Gefilden neu aufmachte zum Glauben. Mitten in diesem Aufbruch verloren sie durch einen schrecklichen Unfall ihr jüngstes Kind. Ich erfuhr davon in meinen Jahresexerzitien, einer Zeit der Stille und des Gebetes. Ich dachte, wie kann Gott so etwas tun und dieses junge und sensible Pflänzlein des Glaubens mit solcher Gewalt wieder ausreißen. Ich habe mich gar nicht getraut, meinen Trauerbesuch bei ihnen zu machen. Dann, als ich mit Zittern und Zagen zu ihnen kam, sagten sie mir: „Das war der letzte und stärkste Anstoß, das Leben zu ändern und mit dem Glauben wirklich ernst zu machen.“ So kann es geschehen. Der Tod war zum Anfang neuen Lebens geworden. Und ich hatte das nicht für möglich gehalten.

Alle diese Erfahrungen wollen uns Mut geben, dieses Gesetz der Taufe auch im eigenen Leben zu entdecken und daran zu glauben, dass wir es immer wieder erfahren. Gott wird mit allen Abschieden, allen Katastrophen, allem Sterben, allem Leid fertig. Er kann es wenden und wird es wenden. Ohne das Leid und die Katastrophen in irgendeiner Weise zu verharmlosen, klein zu reden oder einfach nur in ein Größeres Ganzes einzuordnen, sollen wir doch wissen, dass das tatsächlich geschehen kann und immer wieder von Neuem geschieht. Und was in der Taufe begonnen hat, wird sich wiederholen sich bis hinein in unser letztes Hineingetauchtwerden in den Tod:

„Immerdar enthüllt das Ende
Sich als strahlender Beginn.“

                                                                           
Hier das Gedicht im Zusammenhang: 

"Die himmlische Rechenkunst"

"Was dem Herzen sich verwehrte,
Lass es schwinden, unbewegt.
Allenthalben das Entbehrte
Wird dir mystisch zugelegt.

Liebt doch Gott die leeren Hände,
Und der Mangel wird Gewinn.
Immerdar enthüllt das Ende
Sich als strahlender Beginn.

Jeder Schmerz entlässt dich reicher,
Preise die geweihte Not,
Und aus nie geleertem Speicher
Nährt dich das geheime Brot."                      

                       Werner Bergengruen


Es wünscht Ihnen von Herzen frohe Ostertage

(14.04.2009)