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David besingt in diesem Psalm 56, was man auch in einem Geistlichen Tagebuch tut. Er schildert Gott, seinem Gegenüber, was ihm geschieht. Er ist von Feinden bedrängt und voller Furcht. Aber er vertraut sich Gott an. Er vertraut Ihm. Er weiß, dass bei Gott alles aufbewahrt ist, verzeichnet in einem Buch – Gottes Tagebuch. Und so findet er aus seiner Not am Ende zum Lob. Denn Gott wird ihm beistehen.

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Ps 56,1 Ein Lied Davids. Aus der Zeit, als die Philister ihn in Gat ergriffen. 

2 Sei mir gnädig, Gott, denn Menschen stellen mir nach; / meine Feinde bedrängen mich Tag für Tag. 

3 Täglich stellen meine Gegner mir nach; / ja, es sind viele, die mich voll Hochmut bekämpfen. 

4 An dem Tag, da ich mich fürchten muss, / setze ich auf dich mein Vertrauen. 

5 Ich preise Gottes Wort. / Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. / Was können Menschen mir antun? 

6 Sie verdrehen meine Worte den ganzen Tag; / auf mein Verderben geht ihr ganzes Sinnen. 

7 Sie lauern und spähen und beobachten genau meine Schritte; / denn sie trachten mir nach dem Leben. 

8 Sie haben gefrevelt; es gibt für sie kein Entrinnen. / In deinem Zorn, o Gott, wirf die Völker zu Boden! 

9 Mein Elend ist aufgezeichnet bei dir. / Sammle meine Tränen in einem Krug, / zeichne sie auf in deinem Buch! 

10 Dann weichen die Feinde zurück an dem Tag, da ich rufe. / Ich habe erkannt: Mir steht Gott zur Seite. 

11 Ich preise Gottes Wort, / ich preise das Wort des Herrn. 

12 Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. / Was können Menschen mir antun? 

13 Ich schulde dir die Erfüllung meiner Gelübde, o Gott; / ich will dir Dankopfer weihen. 

14 Denn du hast mein Leben dem Tod entrissen, / meine Füße bewahrt vor dem Fall. So gehe ich vor Gott meinen Weg / im Licht der Lebenden. 

Seitwert
(c) Thomas Gertler


Tagebuch

Seit ungefähr meinem vierzehnten Lebensjahr schreibe ich Tagebuch. Ich habe mein erstes noch. Es beginnt am 25. Januar 1963. Hier ein Foto. Damals habe ich immer geschrieben, wenn mich etwas bewegt oder aufgewühlt hat. Die erste Eintragung geht über den Film „Professor Mamlock“. Aber auch über Shakespeare, Kleist oder Schiller. Deren Stücke konnte man damals im Fernsehen anschauen und sie haben viel an Gedanken und Gefühlen bei mir ausgelöst. Das habe ich dann festgehalten und verarbeitet. 

Aber genauso finde ich dort mein Leiden an mir selbst. Wie es gerade für die Pubertät typisch ist. Alle meine schlechten Eigenschaften, die mir zu schaffen machten. Ich finde Tagespläne, wie ich nun ganz gewissenhaft meinen Tag einteilen wollte, um nicht so dahin zu treiben. Aber auch Liebessehnsucht und Liebeskummer. Meine Suche nach mir selbst. Einige Zeichnungen. Mehrere Selbstportraits. Und oft mein Ringen mit Gott. 

Ich bin froh, dass ich dieses uralte Tagebuch noch habe. Mehrmals habe ich es im Laufe der Jahre schon hervorgeholt und gelesen. Aber auch Tagebücher aus späteren Jahren. Ja, vieles von damals ist auch heute noch da. Sehnsucht danach, ein „ordentliches“ Leben zu führen. Innere und äußere Auseinandersetzungen und Konflikte. Die erwähnten Beziehungsfragen – also die neutrale heutige Bezeichnung für Liebeskummer und Liebesfreude, aber natürlich auch Auseinandersetzungen in der Familie, der Ordensfamilie, der Arbeit. Suchen nach und Ringen mit Gott.  

Ich schreibe auch heute nicht täglich. Nur manchmal. Aber es ist mir ein guter und wichtiger Begleiter auf dem Weg mit und zu Gott geworden. Ein vertrauter Freund. Und ich möchte Ihnen auch Mut machen, sich so ein Buch zu kaufen. Und es zu führen. Es sind mehrere Hilfen, die so ein Tagebuch bietet. 

Mir hilft es, Fragen, Probleme, Ungeklärtheiten zu durchdenken und klar zu bekommen. Denn nur im eigenen Kopf zu bleiben, führt oft in eine Kreisbewegung. Die Schlange beißt sich in den Schwanz. Dagegen ist das Schreiben so etwas wie Sprechen. Oder wie Briefschreiben. Und auf diese Weise schreibe ich auch fast immer, nämlich mit Gott als Gegenüber und als Gesprächspartner. Also einen Brief an Jesus. Und das ist eben dann tatsächlich sowas wie ein Brief oder ein Gespräch oder ein Gebet. Und das hat dann auch diese Wirkung. Meine Gedanken und Gefühle kommen heraus, auf das Papier. Ich äußere mich, im eigentlichen Sinne des Wortes. Und während ich schreibe, verstehe ich besser, was mit mir los ist. Und manchmal merke ich, dass ich etwas nicht schreiben kann. Dass es nicht aus der Feder will. Weil ich mich schäme. Oder weil ich es nicht in Worte fassen kann. Es nicht auszudrücken vermag. Dann weiß ich schon, dass es ganz besonders wichtig ist. Das ist die erste und wichtigste Hilfe meines Tagebuchs. 

Das Tagebuch hilft mir auch zu beten, wenn es besonders schwer geht. Wenn ich mich nicht konzentrieren kann. Wenn ich irgendwie nicht in Kontakt mit Gott komme. Wenn mir nichts einfällt. So mache ich dann meine Meditation schriftlich. Das ist eine echte Erleichterung des Gebetes.  

Mit der Zeit lerne ich durch das Tagebuch, mich genauer und konkreter auszudrücken. Also präzise bei der Sache selbst zu bleiben. Nicht ins Allgemeine und in die Verallgemeinerung zu gehen, sondern bei mir selbst zu bleiben und „ich“ zu sagen. Ich lerne es, Worte für meine Gefühle und Gedanken zu finden. Ja, beide auch sein zu lassen und zuzulassen. Ich lerne mich selbst kennen und mich selbst auch zu formulieren. Reflektierter zu leben. Und das hilft mir natürlich auch dabei, sonst im Leben klarer meine Gedanken und Gefühle zu äußern. Das hilft dann meinen Mitmenschen, weil sie mich besser verstehen. Und es hilft mir, andere besser zu verstehen. Mich besser in sie einzufühlen. Besser raten, hilfreicher beraten zu können. Denn es gibt den alten Grundsatz: Man kann andere nur so weit führen, wie man selbst gegangen ist (was großenteils stimmt, nicht komplett, weil jeder Mensch seinen eigenen Weg geht, der nie mit dem völlig meinen identisch ist).  

Und als letztes kann ich mit den Jahren durch meine Tagebücher auf meinen eigenen Weg schauen und sehen, wie Gott mich geführt und getragen hat. Ich kann erkennen, wie mich Gott gerade durch Krisen weiter geführt hat und mich hat wachsen lassen. Dass diese Krise damals gut und notwendig war. Und das ist sehr tröstlich. Insgesamt führe ich mit Hilfe meines Tagebuchs ein bewussteres und dankbareres Leben.  

So ist dieses Buch oder Heft vieles zugleich: Buch meiner Lebensgeschichte(n), Gebetbuch, Beichtbuch, manchmal auch nur Notizbuch, Skizzenbuch, Merkzettel, Schmierzettel.  

Ich wünsche Ihnen so einen treuen Freund, der da ist, wenn Sie gerade keinen Freund, keine Freundin haben, der/m Sie sich anvertrauen können. 

Thomas Gertler, diesmal mit einem Selbstportrait aus dem uralten Tagebuch

24.08.2010

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