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Röm 5,6-11


Lesung aus dem Brief an die Römer:


Schwestern und Brüder!
Christus ist schon zu der Zeit,
da wir noch schwach und gottlos waren,
für uns gestorben.
Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben;
vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen.
Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen,
dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.
Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind,
werden wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden.
Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes,
als wir noch (Gottes) Feinde waren,
werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind,
gerettet werden durch sein Leben.
Mehr noch, wir rühmen uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn,
durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.
Mt 9,9-13


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:


In jener Zeit
sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen
und sagte zu ihm: Folge mir nach!
Da stand Matthäus auf und folgte ihm.
Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war,
kamen viele Zöllner und Sünder
und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.
Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern:
Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?
Er hörte es und sagte:
Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.
Darum lernt, was es heißt:
Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.
Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.




Als ich mit 18 Jahren ins Kloster gegangen bin, war ich zwar in vielen unzufrieden mit mir selbst. Das war ja auch ein Grund (wenn auch nicht der entscheidende) für den Eintritt Ich wollte vieles von mir zurück lassen. Einen scharfen Schnitt machen und einen Neubeginn suchen. Aber als wirklicher Sünder kam ich mir doch nicht vor. Das geht ja wohl sehr vielen Christen so. Kein Mord, kein Ehebruch, kein schwerer Diebstahl. Eher ein normal bürgerlich anständiges Leben. Oder? Bin ich also nicht berufen?

Mittlerweile nach bald 40 Jahren im Orden mir ist klar geworden: Jesus beruft nicht nur faktisch die Sünder, so wie den Zöllner und Sünder Matthäus im Evangelium nach Matthäus (Mt 9,9-13). Vielmehr handelt es sich hier um ein Prinzip, einen Grundsatz. Jesus beruft grundsätzlich nur Sünder. Gerechte, also wirklich Gerechte braucht er nicht zu berufen. Sie sind im Frieden mit Gott. Sie sind gerecht. Und gerecht ist in der Bibel der, der wirklich an Gott glaubt wie Abraham. Der traut Gott zu, dass Gott ihm auch als fast Hundertjährigen mit seiner ebenso alten Frau Sara noch ein Kind schenken kann. Das traut er Gott zu. Er glaubt. Er ist gerecht. Wenn auch für die meisten eher verrückt. Wie Jesus selbst.

Diejenigen, die sich für gerecht halten, es aber nicht sind, wie die Pharisäer im Evangelium, die kann Jesus nicht berufen, denn sie hören ihn nicht. Sie sind zwar Sünder, bemerken es aber gar nicht. Das ist gefährlich. So ungefähr wie bei mir damals. Sie halten sich für relativ anständig. Nicht völlig anständig, ja klar. Das wäre sonst schon wieder eitel und selbstgefällig. Und wer ist schon vollkommen? Nobody is perfect. Aber eben doch so einigermaßen anständig. Keine wirkliche Chance, Jesu Ruf wirklich in seiner Tiefe zu hören.

Jesus beruft die Sünder, und zwar solche, die sich als Sünder wissen. Und jede/r wird der Sünde in ihrem/seinem Leben begegnen. Sei es ein schwerer Konflikt. Sei es eine Unfähigkeit zu verzeihen und Hass. Sei es ein Ehebruch. Sei es ein Verrat. Sei es ein Betrug. Sei es eine Lüge, die jemandem schwer schadet. Sei es eine Sucht, von der ich nicht loskomme. Der Sünder weiß, ich komme da nicht allein raus. Die Schuld wird nicht mehr verlassen.

Und da ruft Jesus: Komm folge mir nach. Lass die Zollstätte deiner Schuld hinter dir. Komm und folge mir. Und das kann ich ja dann meist nicht glauben. Dass mich Sünder/in der Ruf Christi trifft. Dass ich gemeint bin. Ich, gerade ich in dieser Situation?

Ja, Jesus beruft die Sünder. Komm, lass den Zoll und folge mir.


Ach so, jetzt fange ich an, das Wort Jesu zu verstehen. Gerade denen, die verloren sind. Gerade denen, die nicht allein rauskommen. Gerade denen, die an ihrer Schuld verzweifeln. Denen gilt Jesu Ruf. Er ist der Arzt. Er ist der Heiland. Er ist barmherzig. Also auch wenn ich schon lange Christ bin, auch wenn ich lange schon im Kloster bin. Auch wenn ich schon längst Jesus folge wie beispielsweise Petrus im Evangelium oder wie Theresia von Avila. Petrus trifft die Berufung Jesu erst in der Tiefe und verwandelt ihn, als er sich als Sünder erfahren hat: nach seinem Verrat: am Kohlenfeuer am Ufer des Sees Gennesaret. „Jesus sagte zu ihm: Du aber folge mir!“ (Joh 21) Oder Theresia nach vielen Jahren im Kloster beim Blick auf ein Bild mit dem leidenden Christus.

Und wenn ich dann diesem Ruf glaube und ihm folgen kann, wenn ich meine Zollstätte verlasse, dann muss auch gefeiert werden. Dann muss man Mahl miteinander halten. Und natürlich haben die Pharisäer nicht Recht mit ihrem Wort: Warum isst euer Meister mit Zöllnern und Sündern? Er isst nicht einfach mit Zöllnern und Sündern. Er isst und feiert mit den versöhnten Sündern, mit den geheilten Kranken, mit den von Schuld Befreiten, mit dem verlorenen Sohn.

Jede Heilige Messe ist ein solches Mahl mit den versöhnten Sündern. Das kommt in der Messe mehrfach zur Sprache: am Beginn mit dem Sündenbekenntnis und der Vergebungsbitte, beim Vaterunser, vor der Kommunion: Herr ich bin nicht würdig, dass du eintrittst in mein Haus, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

Wenn ich das erfahren und erlebt habe, dann kann auch ich barmherzig sein. „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.“