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Das älteste schriftliche Zeugnis über das Evangelium, wie es Paulus übernommen und verkündet hat, steht im 15. Kapitel des ersten Korintherbriefes.

Auch darin geht es darum, dass Tod und Auferstehung „gemäß der Schrift“ geschehen sind, also von Ewigkeit her von Gott so vorgesehen und dann in den Schriften des Alten Testamentes so vorhergesagt und dann in der Geschichte so geschehen sind. Gott zeigt sich so als der Herr der Weltgeschichte. Er fügt und führt alles zum Guten.


1. Kor 15,1 Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet
habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht.

15:2 Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen?

15:3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift (vgl. 1 Kor 11,23; Jes 53,4f; Röm 4,25; 1 Petr 2,24),

15:4 und ist begraben worden.
Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,

15:5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.

(c) Thomas Gertler


Slumdogs destiny

Haben Sie schon den Film „Slumdog Millonaire“ gesehen? Ich muss keine Reklame dafür machen. Er hat ja genügend Oscars bekommen. Und er lohnt sich wirklich. Ich habe ihn zusammen mit einem Gast aus Indien gesehen. Das war natürlich besonders schön.

Jamal Malik, der Junge aus den Slums oder „slumdog“, gewinnt beim Fernsehquiz zehn Millionen Rupien. Hat er sie ehrlich verdient oder irgendwie geschummelt? Hat er einfach nur Glück gehabt? Oder ist er ein Genie? Oder war es gar seine Bestimmung, sein Schicksal oder auf Englisch „destiny“, dass er gewonnen hat? Davon handelt der Film. Die Polizei glaubt das Nächstliegende: da kann nur irgendein Betrug hinter stecken. Sie schlägt und foltert ihn, um heraus zu bekommen, wie er es gemacht hat. Aber er erzählt ihnen zu jeder der Quizfragen die Geschichte, in der er die Antwort auf diese Frage gelernt hat. So erfahren wir von seinem Leben im Slum, lernen seine Mutter, seinen Bruder Salim und seine große Liebe das Mädchen Latika aus den Slums kennen. Und um sie, nicht um die Millionen geht es.

Anhand der Geschichten wird immer klarer: ja, es hat sich so gefügt. Es ist Schicksal oder besser Bestimmung oder Vorsehung. Alles in seinem Leben hat sich so gefügt. Er ist vom Schicksal auf diesen Tag im Fernsehen und auf sein endgültiges Wiedersehen mit Latika vorbereitet worden. Einmal oder mehrmals taucht im Film auch der Ausdruck auf: „it is written“, „es steht so geschrieben“.
Geschrieben in der Vorsehung, geschrieben vom Schicksal, geschrieben von der Vorbestimmung.

Was meinen Sie? Gibt es Vorherbestimmung? Gibt es Schicksal? Gibt es Vorsehung? Steht alles schon geschrieben? Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, ja, das alles war nicht nur Zufall, Glück oder eigene Leistung, sondern da gibt es eine Macht, die führt, leitet, fügt. Kennen Sie diesen Eindruck?

Und wie ist das? Soll ich das ernst nehmen? Ist alles gefügt? Ist wahr, was mir einmal ein Freund gesagt hat: „Gott tut nichts als fügen.“ Ist also alles so vorgesehen in meinem Leben? Wenn es so ist, wo bleibt dann meine Freiheit? Ich kann ja dann tun, egal was ich will, es geschieht das Vorbestimmte. In vielen griechischen Tragödien ist es so: Der Held erfüllt gerade, indem er seinem Schicksal entgehen will und flieht, die unausweichlich so gefügte Bestimmung. Selbst die Götter unterliegen da dem Schicksal, der moira. Und Ödipus tötet seinen Vater und heiratet seine Mutter. Schrecklich.

Bei Jamal gewinnt man nicht diesen tragischen Eindruck. Es geht zwar auch sehr heftig und brutal zu. Es gibt Verbrechen, Mord und Totschlag. Aber das Leben von Jamal ist bei aller Härte gerade kein Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gibt. Und die Anstrengungen und die Mühen sind nicht umsonst. Im Gegenteil. Gerade alle Erfahrungen, alle ausgestandenen Ängste, aller bewiesener Mut, alle angewandte Schlauheit und alle ausgefochtenen Kämpfe machen Jamal stärker und fähig, die große Prüfung zu bestehen, die Quiz-Fragen zu beantworten und die Millionen, vor allem aber seine große Liebe zu gewinnen. Was mit Jamal da geschieht, wie er sich beim Quiz schlägt, verfolgt mit Hochspannung das ganze Land im Fernsehen und erfüllt alle mit Freude und Hoffnung, vor allem die einfachen und armen Leute. Einer von ganz unten, ein slumdog hat es geschafft. Das gibt Mut. Das wird auf den Straßen gefeiert.

Es kommt also sehr wohl auf das eigene Tun an, auf den Gebrauch der Freiheit, der Phantasie, der Kräfte, des Charmes, des Kopfes. Dieser tapfere und unermüdliche Kampf Jamals wird getragen und unterstützt durch die Vorsehung, ja dann mit den Millionen belohnt und dem Erringen der Liebe. Alles nur ein Märchen für Erwachsene? Ja, natürlich ist es übertrieben und zugespitzt. Aber sind Märchen Lügengeschichten? Hat nicht derjenige Recht, der gesagt hat: Märchen sind wahrer als die Wirklichkeit. Sie verdichten die Lebenserfahrung in einer zugespitzten Geschichte. So konzentriert kommt das in der Wirklichkeit nicht vor. Aber die Essenz ist getroffen. Im Wesentlichen trifft es die Erfahrung. Ja, ich werde getragen. Ja, es gibt Fügung und Vorsehung. Sie hebt aber meine Freiheit nicht auf, sondern trägt sie und fordert sie heraus. Sie belohnt meine Mühen. Auch erkenne ich diese fügenden und tragenden Hände immer erst im Nachhinein. Erst als es so weit ist, erkennt Jamal, dass seine Erfahrungen diese Ausrichtung hatten, dass sie ihn vorbereitet haben, unter anderem die Frage zu beantworten, welche Person auf dem Hundertdollarschein abgebildet ist. Oder dass die drei Kinder, Jamal, sein Bruder Salim und Latika, tatsächlich so etwas wie die drei Musketiere im Kampf gegen die bösen Mächte waren.

Ich will diese Geschichte jetzt nicht christlich deuten, obwohl es sehr viele Punkte gibt, die sich übertragen lassen. Das können Sie selbst herausfinden. Ich will nur auf einen einzigen Punkt hinweisen. In den Ostergeschichten wird immer wieder gesagt, was da mit Christus geschehen ist, sein Leben, sein furchtbares Sterben und dann sein wunderbares Auferstehen, das war kein Zufall, das war vorhergesehen (Apg 2,16 und 23ff), das ist von Gott gefügt, das steht so geschrieben in der Schrift (1 Kor 15,3-4; Mt 12,17-21) und ist so vorhergesagt von den Propheten und musste so geschehen (Lk 24,25-27).

Erkannt wird das auch erst nachher, ja, muss den Jüngern sogar vom Auferstanden selbst erst erklärt werden (Lk 24,44).

(21.04.2009)