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Philipp Neri war in dem Eifer, Menschen für Christus zu gewinnen, dem heiligen Paulus ähnlich. Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Korinther:


1 Kor 9,16
Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!

17
Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht freisteht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde.

18
Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht verzichte.

19
Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen.

20
Den Juden bin ich ein Jude geworden, um Juden zu gewinnen; denen, die unter dem Gesetz stehen, bin ich, obgleich ich nicht unter dem Gesetz stehe, einer unter dem Gesetz geworden, um die zu gewinnen, die unter dem Gesetz stehen.

21
Den Gesetzlosen war ich sozusagen ein Gesetzloser - nicht als ein Gesetzloser vor Gott, sondern gebunden an das Gesetz Christi -, um die Gesetzlosen zu gewinnen.

22
Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten.

23
Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben.

(c) Wode


Philipp Neri

Ein Mann der Amtskirche war Philipp Neri (21.7.1515 – 26. 5. 1595) nicht. Mehrfach hat er es abgelehnt, Kardinal zu werden. Philipp Neri war ein Mann des Volkes, ein Freund insbesondere der römischen Bevölkerung. Nicht umsonst ist er Patron der Stadt Rom. Hier hat er fast sein gesamtes Leben lang zunächst als Erzieher, dann als Priester gewirkt. Dabei lag ihm die Verbesserung des sittlichen und geistlichen Lebens der Menschen in dieser Stadt am Herzen, der Stadt, die das Zentrum der Christenheit ist und die er in einer Vision als „Wüste“ gesehen hat – ein sehr moderner Gedanke!

Um sein hochgestecktes Ziel zu erreichen, ging er neue Wege der Seelsorge. Und diese waren ganz einfach – er ging dorthin, wo die Menschen anzutreffen sind: Philipp Neri ging auf die Straßen Roms. Hier, und nicht in einem Seminar, einem Kirchengebäude, einem Kloster, hier auf den Straßen Roms verkündete er den Menschen mitten in ihrem Alltag, in dem sie ihren Geschäften nachgingen oder dem Müßiggang, hier, mitten unter den Menschen sprach er von Jesus und seinen Heilstaten. Und er sprach so zu den Menschen, dass sie auch verstanden, was er ihnen von Christus, von Gott und seiner Liebe erzählte. Wie sein Zeitgenosse Martin Luther (1483–1546) hat er dem Volk „aufs  Maul“ geschaut.  

Und er stand den Menschen bei in ihren Nöten, ganz praktisch und pragmatisch. Er pflegte Kranke, sprach auch mit ihnen über den christlichen Glauben. Speziell kümmerte er sich um die Rompilger, für die er 1548 die Bruderschaft von der Heiligsten Dreifaltigkeit gründete. Drei Jahre später wurde er selbst zum Priester geweiht, 1551. Er schloss sich einer Vereinigung von Weltpriestern bei der Kirche San Girolamo della Carità an. Daraus entstand ein Jahr später sein „Oratorium“, das dann zur Kongregation der „Oratorianer“ erhoben wurde.  

Als Priester setzte Philipp Neri seine ungewöhnlichen Missionsmethoden fort. Er hielt Predigten für Kinder, er komponierte religiöse Lieder in der Volkssprache, er rief Wallfahrten ins Leben, geistliche Übungen, Gespräche und Gebetsrunden. Das war damals seiner Zeit weit voraus – und ist uns heute sehr vertraut. Man kann von „kategorialer Seelsorge“ sprechen.  

In seinen unkonventionellen Seelsorgemethoden liegt seine aktuelle Bedeutung. Auch wir müssen alte Seelsorgepfade verlassen, neu zu den Menschen gehen, auf neuen Wegen. Bei all seinen Bemühungen um die Weitergabe des Glaubens war und blieb er heiter und fröhlich Er zog durch seine Liebenswürdigkeit die Menschen in Bann. Das können wir heute von ihm lernen: fröhlich unsern Glauben bekennen, für ihn zu werben. Wir Christen haben doch eine „Frohe Botschaft“!  

Nicht zuletzt war Philipp Neri, der „Pippo buono“, der gute Philipp gerufen wurde, ein begehrter Beichtvater. Er stand den Menschen nicht nur in weltlichen Sorgen, sondern auch in geistlichen Nöten bei. In der Beichte geht es um Schuld und vor allem um Versöhnung mit Gott, mit sich selbst und den Mitmenschen – damals und auch heute. Die Frage nach Schuld und Vergebung, nach Erlösung aus vielfältigen Verstrickungen des Menschen, ist gerade angesichts der Wertekrise und des Zerfalls vieler selbstverständlich geglaubter Werthaltungen notwendig im wahrsten Sinne des Wortes. Auch hier kann das Beispiel des Philipp Neri uns heute anspornen, die seelischen Nöte stärker in den Blick zu fassen und sie durch Gottes Barmherzigkeit heilen zu lassen.  

Philipp ist in diesem Sinn ein ganz heutiger, ein ganz moderner Heiliger.

Helmut Zimmermann

(26.05.2009)