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Das „Ave Maria“ oder das „Gegrüßet seist du Maria“ setzt sich eigentlich im Wesentlichen aus zwei Worten des Lukasevangliums und einem Gebet zu Maria zusammen.

(c) Thomas Gertler


Lk 1,26
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

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zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

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Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

29
Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

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Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

31
Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.
 

Lk 1,39
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.

40
Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.

41
Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt

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und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.

43
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

44
In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.

45
Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

(c) Thomas Gertler


Perlenkette des Lebens – Perlenschnur des Glaubens

 
Immer begegnen mir auf meinen Streifzügen durch die Stadt Padua wunderschöne Kunstwerke wie dieses alte Fresko: Jesus auf dem Arm seiner Mutter. Es ist noch von den byzantinischen Ikonen und ihrer Erhabenheit geprägt, hat aber auch schon etwas sehr Menschliches, Warmes, ja Herzliches. Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie, dass die Köpfe der beiden zusammen mit der Hand und dem Schleier Marias ein Herz bilden. Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Innige Einheit nicht nur von Mutter und Kind, sondern, das ist das Staunenswerte und Wunderbare damals wie heute, Einheit von Gott und Mensch.
 
Etwas ganz Alltägliches, eine Mutter hat ihr Kind auf dem Arm. Etwas ganz Unglaubliches, dieses Kind ist Gott selbst. Ein Mensch trägt Gott selbst. Mitten in dem Gewöhnlichsten, Alltäglichsten ist Gott selbst gegenwärtig. Können wir Gott berühren. Können wir Gott tragen.
 
Das will uns das Bild vor Augen führen. Daran will es uns erinnern. Das sollen wir anschauen und meditieren. Dazu lädt es uns ein. Gott ist nicht mehr der Weltenferne. Gott ist tatsächlich in unserer Welt zu finden. Er ist da und gegenwärtig.
 
Auch noch in der Welt heute und hier? Nicht nur in der viel naiveren Welt des frühen Mittelalters? Wir tun uns viel schwerer – so ist jedenfalls unser Eindruck, in unserer Welt Gottes gegenwärtig zu werden. In unserer Arbeit, in unserer Freizeit – wenn wir nicht gerade in der Kirche sind – beim Sport, in der Zeitung, im Gewühl des Großstadtverkehrs, beim Gespräch mit den Kindern. Wo ist da Gottes Gegenwart zu spüren? War das damals nicht doch viel leichter?
 
Sicherlich. Aber dieses schöne alte Bild wollte auch damals die Menschen daran erinnern. Das war auch damals offenbar notwendig. Und erinnern heißt immer auch einer Sache „inne werden“ und sie verinnerlichen. Es ging auch damals um Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Wachheit. Es ging darum, nicht zu vergessen, dass in aller so gewöhnlichen und selbstgenügsamen, selbstverständlichen und der anscheinend so in sich gerundeten und abgeschlossenen Welt noch eine andere, tiefere und wirklichere Wirklichkeit da ist. Eine Wirklichkeit, die aus dem Gewöhnlichen und Alltäglichen das Ungewöhnliche, Außerordentliche macht.
 
Auf unserem Bild ist das durch den Heiligenschein ausgedrückt. Es ist der Heiligenschein, der uns im Gewöhnlichen das Außergewöhnliche wahrnehmen lässt. Es ist der Heiligenschein, der diese Tiefendimension aufscheinen lässt. Und in dieser Wirklichkeit trägt dann nicht mehr nur die Mutter das Kind, da trägt dann dieses Kind seine Mutter und auch Sie und mich. Wie nehme ich diesen Heiligenschein, wie nehme ich den Goldgrund des Daseins wahr?
 
Eine ganz alte Weise, sich dieser Tiefendimension der Wirklichkeit immer wieder zu nähern, ist das Gebet des Rosenkranzes. Er ist fast tausend Jahre alt. Aber die Ursprünge reichen noch viel weiter zurück. Das Familiengebet zurzeit Jesu waren die Psalmen. Einhundert fünfzig an der Zahl. Sie wurden dann später von den Mönchen in der Wüste gebetet. Heute im Stundengebet der Kirche. Wer nicht lesen konnte, der betete das „Vaterunser“ und dann später das „Ave Maria“. Auch einhundert fünfzig Mal. In das Gebet hat man die wichtigsten Ereignisse der Geschichte Gottes mit uns Menschen eingefügt, um sie darin zu meditieren. Immer wieder wiederholt man diese Worte und diese Ereignisse. Das geschieht dann mit der Zeit ganz unbewusst.
 
So ist der Rosenkranz eine Weise der Meditation. Das Wiederholen der ständig gleichen Worte führt in die Ruhe (sogar medizinisch nachgewiesen und therapeutisch genutzt und es gibt solche Gebetsschnüre in allen großen Religionen). Aber es geht nicht darum. Nein, es geht um den inneren Kontakt mit dem Goldgrund unseres Daseins. Es geht darum, das Strahlen der Liebe Gottes wahrzunehmen. Das Leuchten Gottes mitten im Gewöhnlichen. Die Ereignisse des Lebens werden zur Perlenkette wertvoller Begegnungen mit Gottes Gnade. Dahin führt der Rosenkranz.
 
Und er ist nicht nur das Gebet der einfachen Leute. Das ist er vor allem. Aber er hilft jedem. Besonders dann, wenn es sonst schwer ist mit dem Gebet. In Zeiten der Zerstreutheit, der Aufregung, der Überbeanspruchung, in Zeiten der Krankheit, wenn sonst nichts mehr geht. Das Rosenkranzgebet geht praktisch immer. Ich habe es sehr oft während meines Studiums gebetet. Und bin dabei den immer gleichen  Weg gegangen. Meinen Rosenkranzweg. Aus zwei Gründen. Mit dem Kopf hatte ich genug zu tun während des Studiums, auch damit, über Gott nachzudenken. Der Rosenkranz war dann eben nicht mehr Nachdenken über Gott, sondern Gebet. Oft sogar Fürbittgebet. Ich habe nämlich häufig statt der sogenannten Gesätze – also der Glaubensgeheimnisse wie z.B. „Jesus, den du in Bethlehem geboren hast…“ eine Bitte in das „Ave Maria“ eingefügt „Jesus, der meinen Bruder … segnen und ihm beistehen möge…“ Der andere Grund für meinen Rosenkranzweg: Während des Studiums sitzt man sehr viel. Also einmal am Tag wenigstens eine halbe bis dreiviertel Stunde raus ins Freie. Und der immer gleiche Weg, weil ich dann nicht abgelenkt werde durch ständig Neues. Mit der Zeit wird einem der Weg dann heilig.
 
Der Rosenkranz ist also die Perlenschnur, die nicht nur den Goldgrund des Lebens erinnert und verinnerlicht, sondern sogar die gewöhnlichen Dinge heiligt.
 
Der Mai ist hier in Italien (und überall, aber hier besonders) die Zeit, wo der Rosenkranz oft und gemeinsam gebetet wird. Das hängt auch mit der inneren Vorbereitung auf das Pfingstfestes zusammen, als Maria und die Apostel gemeinsam um den Heiligen Geist gebetet haben (vgl. Apg 1,12-14).
 
Viel Freude beim Gebet!

(20.05.2009)