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Die heiligen drei Könige nennen wir die Sterndeuter, von denen Matthäus uns erzählt. Dass es drei waren, das hat man aus den drei Gaben geschlossen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Dass es Könige waren, hat man aus dem Propheten Jesaja geschlossen, der so poetisch schreibt:


Jes 60,1
Auf, werde licht [Jerusalem] denn es kommt dein Licht / und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir.

2 Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde / und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, / seine Herrlichkeit erscheint über dir.

3 Völker wandern zu deinem Licht / und Könige zu deinem strahlenden Glanz.

Mt 2,1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem 

2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. 

3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. 

4 Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. 

5 Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: 

6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, / bist keineswegs die unbedeutendste / unter den führenden Städten von Juda; / denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, / der Hirt meines Volkes Israel. 

7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. 

8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. 

9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. 

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. 

11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. 

12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land. 

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Orientierung

„An der Sonne kannst du höchstens erkennen, wo Süden ist, aber nie wo Norden ist", sagt ein etwas beschränkter königlich-kaiserlicher Offizier im Manöver in einer Geschichte von Roda Roda. Na ja, es ist schwer sich zu orientieren. Wonach soll ich mich richten? Wohin soll es gehen? Was soll ich tun und mit meinem Leben anfangen? So fragen sich viele junge Leute. Oder später nach einem Einschnitt oder Katastrophe im Leben: Wohin jetzt? Wie soll ich mich neu ausrichten? Wo gibt es einen Weg?

Die Sterne helfen von Alters her zur Orientierung. Zuerst mal die Sonne, an der man erkennen kann, wo Osten und wo Westen ist, weil sie im Osten auf- und im Westen untergeht. Darum der alte Spruch: ex oriente lux – aus dem Osten kommt das Licht. Warum helfen Sterne? Weil sie immer die gleichen Wege gehen (außer den Irrsternen oder den Planeten). Fixsterne sind zuverlässig immer am gleichen Ort zu finden. Das ist ein großer Trost und hilft. Da gibt es sogar einmal Gefühle beim nüchternen I. Kant: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten verhüllt oder im Überschwänglichen außer meinem Gesichtskreis suchen und bloß vermuten. Ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz." Auch Ignatius von Loyola schreibt in seiner Autobiografie: „Den größten Trost empfing er, wenn er den Himmel und die Sterne betrachtete, was er viele Male und über lange Zeit tat. Denn dadurch verspürte er einen großen Eifer, unserem Herrn zu dienen" (Bericht des Pilgers, Nr. 11). Sie sind so schön und sie trösten, weil sie so treu sind, immer wieder zu sehen sind und darum in allem Wandel doch das Bleibende verkörpern. Ich denke, auch Sie haben schon oft bei Nacht nach den Sternen gesehen. Und das ist mal ein Erstes: Orientierung finde ich dort, wo solche Verlässlichkeit da ist und nicht dauernder Wandel.

Sterne dienen auch im übertragenen Sinne zur Orientierung. Die Stars und Sternchen am Himmel des Sports, des Films, der Kultur. Also das, was wir Vorbilder nennen. Oder besser, wofür wir schwärmen und wovon wir träumen. So möchte ich auch sein: so sportlich, so ein cooler Typ, so eine tolle Sängerin oder Schauspielerin. Vielleicht war es auch jemand ganz anders, für den Sie geschwärmt haben oder noch schwärmen: vielleicht Mahatma Gandhi, vielleicht die Geschwister Scholl oder Regine Hildebrandt. Oder doch noch immer die Eltern. Wer ist oder war es bei Ihnen? Oder wer war Ihr Traum? Es ist gut, sich einmal daran zu erinnern. Das sagt viel über mich selbst. Über meine Ideale. Und es ist gut, darauf einmal wieder zu schauen.

Vielleicht bin ich aber auch mit meinen bisherigen Idealen und Träumen gescheitert, weil sie nicht beständig genug waren, nicht gehalten haben und zusammen gebrochen sind. Wie kann ich tiefer gründen? Es sind meist sehr einfache Wahrheiten, die genügend Halt geben für mein Leben und ich habe wohl sie schon oft genug genannt in meinen Impulsen genannt. Sterne, die nicht Sternchen sind. Und da können wir wieder auf Kants Spruch zurückgreifen: Horche auf dein Gewissen oder das „moralische Gesetz" in dir. Das sagt Dir normalerweise mit ausreichender Gewissheit, was gut und böse ist, was Recht und Unrecht ist, was zu tun und was zu lassen ist. Sprich mit Menschen, denen du vertraust und denen du zutraust, dass sie Dir etwas sagen, was tatsächlich hält und nicht gleich Morgen wieder ungültig ist. Halte dich an die Gebote, an die zehn Gebote, so würde dir Jesus als erstes sagen (vgl. Mk 10,17-22). Und wenn du das von Jugend an getan hast, aber du immer noch einen Ruf verspürst, dann gibt es da wohl noch mehr, dann ruft dich Gott noch weiter, nämlich dahin, ganz und gar auf Ihn zu bauen, dich ganz und gar auf ihn zu verlassen.

Viele befragen auch das Horoskop. Und es gibt Streit, ob die Sterne lügen, die Wahrheit sagen oder überhaupt etwas sagen. Ich lese natürlich auch mal aus Spaß das Horoskop in der Zeitung. Ich bin eine „Jungfrau" – und vieles von dem, was man ihr nachsagt, habe ich leider nicht zur Genüge: Ordnungssinn und Genauigkeit. Tatsächlich sind die Weisen (die heiligen drei Könige) aus dem Morgenland Sterndeuter, aber nicht Leute, die mit dem heutigen Horoskop in der Zeitung was zu tun haben, sondern Männer der Wissenschaft, die die Sterne und Gestirne beobachten, um zu wissen, was die Stunde geschlagen hat. Zunächst, um die Jahreszeiten und damit die Zeitpunkte von Saat und Ernte, von Regenzeiten und Trockenzeiten vorherbestimmen zu können. Ohne die Sterndeuter und ihre Orientierung in Zeit und Raum damals keine Landwirtschaft, keine Schifffahrt, kein Handel, keine einzige größere Unternehmung der Herrscher. Heute versuchen sich darin die Wirtschaftsweisen und der Ethikrat. Aber wenn sie nicht tief genug fragen und suchen, dann scheitern auch ihre Orientierungen und landen in der Leere und in der Irre.

Oft genug gibt es auch Gelehrte, Weise, Theologen, die zwar den rechten Rat geben, die Bescheid wissen, die die Wahrheit kennen, aber sich selbst nicht danach richten. So wie es Matthäus schildert (Mt 2,1-12). Es ist also eine Gnade, ein Geschenk und nicht selbstverständlich, dass wir unserer Erkenntnis, unserem Gewissen wirklich folgen. Das ist für mich eines der größten Rätsel meines Lebens und der Menschheit als Ganzer, dass wir meist ganz genau wissen, was wir tun müssten, um froh(er) zu sein, aber es doch nicht tun. Die Gelehrten aus Jerusalem finden daher nicht die große Freude, aber die Weisen aus dem Osten. Sie finden die ganz große Freude, als sie den Stern ihres Lebens wieder finden und ihm folgen. Und diese große Freude ist der sichere Kompass für die Orientierung in meinem Leben (vgl. Impuls: Kompass zu Gott).

Ich finde nur dann wirklich Orientierung, wenn ich Größeres als mich selbst finde. Das ist für viele erst einmal ein größerer Mensch, ein Vorbild. Oder auch ein höherer Wert wie Wahrheit, Güte, Freiheit, Menschlichkeit. Und das ist auch gut so und richtig. Und das ist auch nicht zu wenig. Denn wenn ich ihnen folge, dann führt es mich weiter. Weiter zu dem, vor dem ich niederfallen kann, um anzubeten und die Schätze meines Lebens dankbar und froh darzubringen.

Dass Sie die große Freude, den Stern und den tiefen Frieden der Weihnacht finden wünsche ich Ihnen von Herzen