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Markus schreibt in seinem ersten Kapitel über diese Vollmacht Jesu (1,21-28):


Mk 1,21 In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte.

22 Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.

23 In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien:

24 Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.

25 Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!

26 Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.

27 Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.

28 Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

(c) Adrien Dulong - Fotolia.com


Ohnmacht und Vollmacht

Professor Bernhard Schlink schrieb am 15. Jan. 2009 in der Frankfurter Allgemeinen über die Kirchen, die sich in Berlin an die Aktion Pro Reli angeschlossen haben:

„Dass, wenns Erfolg verspricht, verzerrt und entstellt und gelogen wird, wird unter dem Gesetz des politischen Kampfs nicht geahndet. Alle tun es, alle wissen es, alle dulden es. So ist die politische Welt, und so funktionieren die, die in ihr agieren. Die Bürger wissen, was sie davon zu halten, was sie aus politischen Äußerungen heraus- und was sie in sie hineinzulesen haben.Von den Kirchen erwarten sie etwas anderes. Sie mögen die Äußerungen der evangelischen Kirche zu den verschiedensten gesellschaftlichen Problemen manchmal beliebig und die Punkte, an denen die katholische Kirche auf das Bekenntnis verpflichtet, manchmal befremdlich finden. Aber sie nehmen, was die Kirchen sagen und tun, doch gerne als etwas wahr, das aus einer anderen Substanz lebt und von einer anderen Integrität ist als das Geschäft der Politik. Diese Wahrnehmung speist das gesellschaftliche Vertrauen in die Kirchen und die gesellschaftlichen Erwartungen an sie.“


Kirche sollte anders sein. Das ist die Erwartung und Sehnsucht vieler. Und gerade jetzt steigt diese Erwartung an die Kirchen. Da sollte es andere Werte, bleibende Werte geben. Jetzt wo die Banken wanken und die Wirtschaft am Abwirtschaften ist. Viele erwarten das. Jetzt schlägt die Stunde der Kirchen, nicht mehr nur der Spiritualität oder des Religiösen. Und was findet man in der Kirche? Findet man, dass sie aus einer anderen Substanz lebt und von einer anderen Integrität ist als die Politik oder die Wirtschaft oder die Medien?

Es gibt ein seltsames Gesetz der Stellvertretung innerhalb der Kirchen, das mir schon früher begegnet ist und auch jetzt aktuell ist. Die Laien sagen zu den Priestern: „Wir leben ja mitten in der Welt. Wir können doch gar nicht so. Das solltet ihr schon verstehen. Aber von Euch Priestern erwarten wir, dass...“ Und die Priester sagen zu den Ordensleuten: „Ja, Ihr wisst doch so ein Weltpriester, der lebt ja auch in der Welt. Da ist der ganze Stress und das Verwickeltsein in dies und das. Aber Ihr Ordensleute, Ihr solltet doch wenigstens anders sein. Ihr solltet doch nach dem Evangelium leben. Ihr heißt ja nach alter Tradition der Stand der Vollkommenheit. Und da erwarten wir, dass…“
Es gibt außer den Ordensleuten noch einen weiteren Stand der Vollkommenheit in der Kirche. Das sind die Bischöfe. Also können dann wir armen Ordensleute und besonders die Jesuiten, die ja auch mitten in der Welt leben und auch in so allerhand verwickelt sind zu den Bischöfen gehen...
Ja, und da kann sich jeder schon denken, wie das ausgeht. Auch wenn man ganz nach oben geht bis nach Rom. Da sollte es doch anders sein. Und dann erlebt man so eine Pleite wie jetzt. Da wird einer wie der Bischof Williamson wieder in die Kirche aufgenommen, den man lieber hätte draußen lassen sollen. Da weiß die Linke nicht, was die Rechte tut... Und da ist dann das gut Gemeinte das Gegenteil vom Guten.

Nein, um es ganz deutlich und klar zu sagen: Der Kleinglaube, das Unvermögen, die Schuld. Ja, die Verweltlichung und das Leben ohne Glauben und ohne diese Substanz und Integrität ist mitten im Herzen der Kirche. Und das muss auch jeder wissen, der auf sie zugeht und in ihr heimisch werden möchte. Mitten unter uns Christen ist auch alles Unerlöste und Gottferne zu finden. Dafür müssen wir Christen die Augen öffnen. Es sind nicht die anderen. Es sind wir. Wir, die Jesus nahe stehen. Es sind die Jünger Jesu selbst. Sie sind kleingläubig. Sie sind egoistisch. Sie verlassen Jesus. Sie verleugnen Jesus. Sie verraten ihn. Ja, ich bin es selbst. Ja, es ist mitten in meinem eigenen Herzen. Und es ist heute nicht anders als damals mit den Jüngern Jesu.

Und auch ich bin oft nur so ein Schriftgelehrter ohne die Macht Jesu. Ich lege die Bibel aus, recht und schlecht und alltäglich. Da fehlt die Kraft, die Schönheit, der Glanz und die Macht, die Vollmacht, die exousia, (wie es im Griechischen heißt). Sie ist das Andere. Die andere Substanz und die andere Integrität. Von mir kommen sie nicht.

Und woher sollen sie kommen? Und wie bekommt das Salz neue Kraft, wenn es schal geworden ist? Wie wird der glimmende Docht wieder das Licht der Welt? Und wie wird das geknickte Rohr wieder zum Hirtenstab? Was macht die Wüste in uns wieder blühen? Was macht aus Dornen und Disteln wieder ein Paradies?

Die Antwort ist sehr einfach. Und wir wissen sie alle.
Es gibt für uns nur eine Quelle, nur ein Feuer, nur einen Weg. Und das ist JESUS. Er ist Gottes Macht und Gottes Weisheit. Nur wenn ich wieder zu ihm gehe. Nur wenn ich mich vor ihn hinknie und still werde und mich ihm öffne. Nur wenn ich wieder bete, dann finde ich diese andere Substanz und diese andere Integrität. Dann nähren sie mich und verwandeln mich. Von Ihm und nur von Ihm bekommen dann auch wir Jünger und Jüngerinnen die exousia, die Kraft und den Geist Gottes. Und damit können wir heilen und Dämonen austreiben und das Wort sagen, das aufrichtet und weiterführt.

Und so sage ich zuerst mir selbst, was damals mein Kaplan immer zu mir gesagt hat: „Vergiss nicht zu beten.“ Gib nicht auf zu beten. Bete täglich.

Ja, aber es ist doch keine Zeit!
Wie wird immer wieder Luther zitiert?: „Heute muss ich viel arbeiten, deshalb muss ich viel beten!“ Oder wenn Sie es katholisch wollen, dann Franz von Sales: „Nimm Dir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit für die Betrachtung, und wenn Du viel zu tun hast, dann nimm Dir eine ganze Stunde Zeit!“

Wenn diese Verbindung mit unserer Quelle versiegt, dann wird die Kirche tatsächlich eine Organisation wie jede andere. Und das ist sie oft. Zu oft.

Aber das Beten für sich und im stillen Kämmerlein reicht noch nicht. So wesentlich das ist. Wir müssen auch miteinander und füreinander beten. Waren Sie am letzten Sonntag im Gottesdienst? Wenn unsere Gottesdienste nicht wieder gläubiger und liebevoller gefeiert werden. Und wenn wir den Gottesdienst nicht wieder jeden Sonntag besuchen, dann wird der Verlust an Substanz und Integrität weiter voran schreiten. Wir müssen wieder lernen, uns gegenseitig im Glauben, im Lieben, im Hoffen zu stärken und zu stützen. Wir müssen lernen, miteinander zu glauben und zu hoffen und zu lieben. Und auch das findet zu wenig statt. Miteinander über den Glauben sprechen. Und miteinander wieder über die eigenen Glaubenserfahrungen, über die Not, die Wüste, über den Trost und die Freude sprechen. Das baut auf im wahrsten Sinne des Wortes.

Zum Glück und Gott sei Dank habe ich das immer wieder erfahren, gerade bei den Menschen, die ich selber begleiten durfte. Ja, es gibt ein wirkliches Wachsen im Glauben. Es gibt Durchbrüche und Fortschritte. Es gibt die Erfahrung der Nähe Gottes. Seines Trostes. Seiner Liebe. Seiner Vollmacht. Es gibt so etwas, was im Evangelium geschieht: Die Dämonen können einen verlassen. Es gibt die Erfahrung des Freiwerdens.

Und wenn ich dann von Jesus her, mit seinen Augen und seinem Glauben auf die Kirche, auf die Jünger blicke, dann sehe ich auf allen Ebenen auch anderes. Es gibt nicht nur diesen Mangel, diese Not, diese Dürre, dieses Versagen. Es gibt auf allen Ebenen und in allen Bereichen auch das Große, die Kraft, die Macht, die Herrlichkeit Gottes. Und ich habe es immer wieder und auch jetzt und hier in Frankfurt Sankt Georgen erlebt. Und da war ich und bin ich glücklich und froh. Und ich sehe liebe Menschen, liebe Gesichter vor mir. Und ich denke, Sie kennen auch solche lieben und glaubwürdigen und integren Menschen, die aus einer anderen Substanz leben. Und die es ausstrahlen und  weitergeben. Gott sei Dank!

Oft haben wir diese Substanz, die Vollmacht und Integrität nicht. Und aus eigener Kraft haben wir sie nicht. Aber es gibt die Ressource zum Anderssein. Und es gibt die Wirklichkeit dieser Exousia Jesu heute und unter uns.

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03.02.2009