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Gott spricht zum Menschen. Er offenbart sich. Aber er wahrt zugleich sein Geheimnis. Er spricht aus dem undurchdringlichen Feuer. Er offenbart seinen Namen. Aber er macht sich damit nicht verfügbar. Denn der Mensch darf sich kein Bild machen von Gott. Kein Bild, in dem Gott definiert und festgelegt wird. Und der Mensch darf diesen Namen Gottes nicht magisch oder zum Fluch oder zum Schimpf missbrauchen. Hören wir den Anfang des Dekalogs, den Anfang der Zehn Gebote aus dem Buch Deuteronomium (5. Buch Mose) im fünften Kapitel:

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Dtn 5,1 Mose rief ganz Israel zusammen. Er sagte zu ihnen: Höre, Israel, die Gesetze und Rechtsvorschriften, die ich euch heute vortrage. Ihr sollt sie lernen, auf sie achten und sie halten. 

2 Der Herr, unser Gott, hat am Horeb einen Bund mit uns geschlossen. 

3 Nicht mit unseren Vätern hat der Herr diesen Bund geschlossen, sondern mit uns, die wir heute hier stehen, mit uns allen, mit den Lebenden. 

4 Auge in Auge hat der Herr auf dem Berg mitten aus dem Feuer mit euch geredet. 

5 Ich stand damals zwischen dem Herrn und euch, um euch das Wort des Herrn weiterzugeben; denn ihr wart aus Furcht vor dem Feuer nicht auf den Berg gekommen. Der Herr sprach: 

6 Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. 

7 Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. 

8 Du sollst dir kein Gottesbildnis machen, das irgendetwas darstellt am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. 

9 Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen und an der dritten und vierten Generation; 

10 bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld. 

11 Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht. 

12 Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat. 

13 Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. 

14 Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du. 

15 Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der Herr, dein Gott, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm dort herausgeführt. Darum hat es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht, den Sabbat zu halten. 

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Noch einmal Gedichte 

Kürzlich habe ich einen Impuls geschrieben über Gedichte von Toyotama Tsuno. Danach habe ich recherchiert, weil ich noch Genaueres wissen wollte über Toyotama Tsuno und das Buch „Gelöstes Haar“, aus dem das Poesiealbum zusammengestellt war, das ich zitiert habe. 

Dabei stellte sich etwas Überraschendes heraus. Manfred Hausmann (1898 – 1986), der deutsche Lyriker und Schriftsteller, der sich in dem Buch „Gelöstes Haar“ als der Übersetzer der Verse bezeichnet, ist in Wirklichkeit ihr Verfasser. So sagt seine Tochter: »Ganz gewiß sind sämtliche Gedichte in ›Gelöstes Haar‹ von meinem Vater verfaßt und zwar von ihm ganz allein und ohne jegliche Beeinflussung von irgend einer Seite.« Toyotama Tsuno hat es nie gegeben. Sie wohnte allein im Herzen von Manfred Hausmann. Oder sollte man sagen, sie ist eine Seite seiner Dichterseele? 

Das ist für mich nicht etwa eine Enttäuschung, nein, im Gegenteil, so schätze ich diese Gedichte noch mehr. Denn tatsächlich bringen sie uns das Empfinden dieses so fremden Landes Japan nahe, aber eben durch einen Mann, der das Land und seine Sprache liebte und als Europäer mit seiner für ihn typischen Prägung bereichert und beschenkt wurde durch die japanische Lyrik, die er in mehreren Übersetzungsbänden vorgestellt hat. Und in „Gelöstes Haar“ – seinem Buch – kann er Dinge sagen, die er sonst nicht hätte sagen können. Nicht als Europäer und nicht als Mann.

Im Ungesagten
das Unsagbare
sagen.


Darum ging es ihm. So sagt er es in diesem Gedicht, das ganz berühmt geworden ist. Es nimmt die japanische extrem verkürzte Form auf. Aber ein Japaner oder eine Japanerin würde es wohl so nicht sagen. Obwohl diese Gedichte im Japanischen genau das tun. Sie wollen im Ungesagten das Unsagbare sagen. Sie lösen in ihrer ganz kurzen Beschreibung Gefühle aus, die nicht beschrieben werden, die aber der Leser empfindet. Sie versetzen in eine Situation, die dann ganz gegenwärtig ist, aber nicht benannt wird. In der ich mich jetzt vorfinde durch diese ganz knappen, aber genauen Worte. Oder sie setzen in eine Stimmung, die ganz unterschiedlich sein kann, von Verzücktsein bis zu Melancholie, aber gewöhnlich wird auch das Gefühl nicht benannt. Es bleibt ungesagt. Auch deshalb, weil jeder anders empfindet. Weil viele Gefühle unaussagbar und unbeschreiblich sind. Aber sie werden doch gesagt im Ungesagten. 

Im Ungesagten
das Unsagbare
sagen. 


Und in dem Ungesagten ist das Unsagbare enthalten. Das Gesagte aber bildet dafür den Raum. Die Worte bilden ein Zimmer, so ein leichtes japanisches Zimmer mit Türen aus Papier. Darin spüre ich dann das Unsagbare. Und Sie, liebe Leserin, lieber Leser, spüren dabei auch schon, dass dieser Raum auch ein Heiligtum ist. Heilig ist der Raum, weil er dieses Unsagbare, dieses ganz Persönliche und Intime enthält. Und noch tiefer – jedenfalls sicherlich bei Manfred Hausmann ist in diesem ganz Persönlichen und Individuellen noch etwas Unsagbares da. Denn im Tiefsten geht es immer um das unaussprechliche Geheimnis der Welt als Ganzer. Es geht um das Geheimnis, das Gott ist. Die ausgesprochenen Worte umschließen wie Wände den leeren Raum, in dem im Leeren das Unsagbare gegenwärtig wird.

Um des Leeren willen
hat der Meister
das Haus erbaut. 


Es gibt ein anderes Wort bei Hausmann, das das aufgreift, aber viel persönlicher ist. 

Die anderen hören,
was du sagst.
Ich höre,
was du nicht sagst. 


Das ist natürlich wieder ein Wort, das die Liebe zwischen zwei Menschen beschreibt. Die liebende Toyotama, die liebevolle Dichterseele von Manfred Hausmann, hört nicht nur, was der Geliebte sagt. Sie hört auch, was darin nicht gesagt ist, was darin gefühlt, gedacht, auch noch gemeint, unausgesprochen mitgesagt ist. Das kann zwischen Liebenden zuweilen auch schmerzlich sein. 

Und ich als Theologe komme hier auf die Frage, ob es auch für Gott etwas gibt, was er nicht in Worte fasst oder gar fassen kann. Dass Gott mehr ist als alle Worte in allen Sprachen, auch der Sprache der Engel, das ist klar. Und dass das Wort, der Logos, der Sohn Gottes, mehr ist als Sprache aus Buchstaben oder Lauten, ist auch klar. Denn schon die Bibel ist mehr als die Summe der Worte, die darin versammelt sind. Dieses Mehr können wir erfassen, aber nicht immer sagen. Aber gibt es auch für Gott Unsagbares? Oder ist er sich selbst völlig durchlichtetes Licht, nur für uns gerade wegen dieses Lichtes nie völlig durchschaubar und unaussprechlich? 

Sie dürfen an dieser Stelle selbst weiterdenken und weiter spüren. Sie sind nämlich auch selbst mehr, als in Worte zu fassen ist, sowohl für andere, wie für Sie selbst.

Aber alle Sehnsucht geht dahin, es doch zu erspüren und es im Ungesagten eben doch zu sagen. 

Und ein letztes für diesmal:

Die Blume betrachten,
die sich öffnen will:
ein Ahnen vom Ursprung der Welt


Dass Sie dieses Unsagbare berührt und Ihnen so den Sinn der Welt öffnet, wünsche ich Ihnen 

Thomas Gertler

12.10.2010

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