Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheNicht satt sehen können...
DeutschEnglishFrancais

Im Hymnus des Epheserbriefes wird uns vor Augengestellt, was Gott für uns vorgesehen hat: Seine Herrlichkeit, seine Schönheit, seinen Glanz zu sehen und in Jubel und Lob auszubrechen. Und das tut der Hymnus schon jetzt:


Eph 1,3
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: / Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet / durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.

4
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, / damit wir heilig und untadelig leben vor Gott;

5
er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, / seine Söhne zu werden durch Jesus Christus / und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen,

6
zum Lob seiner herrlichen Gnade. / Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn;

7
durch sein Blut haben wir die Erlösung, / die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.

8
Durch sie hat er uns mit aller Weisheit und Einsicht reich beschenkt

9
und hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, / wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat:

10
Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, / in Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist.

11
Durch ihn sind wir auch als Erben vorherbestimmt und eingesetzt / nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, / wie er es in seinem Willen beschließt;

12
wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, / die wir schon früher auf Christus gehofft haben.

13
Durch ihn habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung; / durch ihn habt ihr das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als ihr den Glauben annahmt.

14
Der Geist ist der erste Anteil des Erbes,/ das wir erhalten sollen, / der Erlösung, durch die wir Gottes Eigentum werden, / zum Lob seiner Herrlichkeit.

Sonnenaufgang über dem Golf, rechts im Hintergrund der Vesuv


Nicht satt sehen können…

Tatsächlich ich kann mich nicht satt sehen an der Schönheit des Golfs von Neapel. Aus meinem Zimmer, wo ich jetzt zu Gast bin, habe ich diesen traumhaften Blick. Und ich werde ihn nicht über. Ich genieße ihn jetzt schon fast eine Woche lang. Immer der gleiche Golf von Neapel. Aber immer sieht er anders aus. Anders bei Tag und anders bei Nacht. Anders beim Sonnenuntergang und anders beim Aufgang. Anders bei strahlendem Wetter. Anders bei Dunst und Nebel und anders bei klarster Fernsicht, wenn man die Gebäude am Fuß des Vesuvs mit bloßem Auge unterscheiden kann.

Abends ab sechs Uhr ist es jetzt am schönsten, wenn das Licht milder wird und die Farben sanfter. Wenn die Hitze nachlässt und die Leute nach Hause kommen. Dann bleiben vor unserem Haus immer Leute stehen und genießen den Blick. Teilweise stundenlang. Und an allen Aussichtspunkten hier in der Umgebung, nicht nur vor unserem Haus, so habe ich bei meinen Ausflügen festgestellt, sind immer Liebespärchen. Die miteinander schauen. Aber noch mehr haben sie Augen füreinander und nur teilweise für die traumhafte Aussicht. Aber vielleicht klingt das ja trotzdem unbewusst zusammen. Die Schönheit der Landschaft, die Schönheit der oder des Geliebten und die Schönheit der Liebe. Ich möchte dem lieben Menschen die schöne Landschaft zeigen. Ich möchte mit ihm diese Schönheit genießen. Und die Liebe zueinander lässt auch die Schönheit des Ausblicks noch schöner erscheinen. Weil wir ihn gemeinsam erleben.


Später Nachmittag (mit Liebespaar)

Ich kann mich nicht satt sehen. Es wird mir nicht über. Oder ist es doch so mit
der Zeit, dass auch diese Schönheit langweilig wird? Dass sie nicht mehr den gleichen Reiz ausübt? Vielleicht am ehesten für den, der hier lebt und tagein, tagaus diesen Blick hat? Aber nein, ich habe sie gefragt. Die Jesuiten, die hier leben, wollen diesen Blick um nichts in der Welt verlieren. Sie wollen hier bleiben. Sie wollen ihn tagein und tagaus. Denn der Blick tut der Seele gut. Die Schönheit der Landschaft macht immer wieder froh und ruhig. Sie tröstet. Sie besänftigt und glättet die Wogen der Seele. Und gerade das ist wohl in einer brodelnden Stadt wie Neapel so wichtig, wo auch die Hässlichkeit und das Schwarze, der Schmutz und die Gefahr so eng mit der Schönheit, dem Charme und der tiefen Frömmigkeit zusammen wohnen.

Ich kann mich nicht satt sehen. Es ist eine große Gnade. Es ist ein großes Geschenk. Wer das immer wieder genießen kann und sehen kann, der spürt es. Es ist gar nicht selbstverständlich. Es ist eine Auszeichnung. Ich fühle mich privilegiert. Denn nur wenige Menschen haben ja so einen Blick, wenn sie morgens das Fester öffnen. Oder wenn sie abends nach Hause kommen. Das macht auch dankbar. Es erinnert mich an eine meiner schönsten Ferienzeiten. Ich war sechzehn Jahre jung. Bei meinen Freunden in Ungarn am Plattensee. Ihr kleines Haus im Weinberg schaute hinunter auf den Plattensee. Besonders am Abend war es schön, wenn es dunkel wurde und der Mond eine silberne Brücke über den See schlug. Ein Urlauberschiff fuhr mit farbigen Lichterketten beleuchtet über den See hinüber ans andere Ufer. Wir saßen auf der Terrasse, tranken Wein, schwiegen und genossen die beginnende Nacht. Ich las Hermann Hesses „Glasperlenspiel“ und schaute auf den dunklen See, das leuchtende Schiff. Musik klang herauf. Frieden und Harmonie und Freude. Glück. So jetzt wieder auf der Dachterrasse in Neapel.


Bei Nacht, vor dem Vesuv ein leuchtendes Schiff


Ich kann mich nicht satt sehen. Mein Namenspatron, der heilige Thomas von Aquin, meint dass das ein Vorspiel vom Himmel ist. Und der Himmel wird sein: nicht satt sehen können an der Schönheit und Herrlichkeit und Fülle Gottes. Der immer gleiche Gott, der doch unendlich vielfältig ist. Nikolaus von Kues nennt es die  „coincidentia oppositorum“, den Zusammenfall der Widersprüche in Gott. Auch das ist ja vielsinnig. Das, was uns als gegensätzlich und unvereinbar erscheint, fällt in Gott zusammen, kommt in ihm zusammen und löst sich in ihm ein unendliche Einfachheit auf: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Liebe und Allmacht, Dreifaltigkeit und Einheit, Gottsein und Menschsein, der ganz andere und der zuinnerst gegenwärtige. Immer der gleiche Gott. Unendlich vielfältig. Ganz einfach und unerschöpflich in seiner Fülle. Immer gleich und immer neu. Staunenswert und beglückend, besänftigend und heilsam, Jubel auslösend und Seligkeit.

Das, nein, Er wartet auf Sie!

(17.07.2009)