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Der Evangelist Markus schildert die Geduld des Landmannes, der auf das Wachsen und Reifen der Saat wartet. Sie muss nicht groß gezogen werden. Sie wächst von allein.


Mk 4,26
Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft

27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie.

28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.

29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.


… mit der Ruhe

Sten Nadolny hat ein Buch geschrieben, das einen Nerv getroffen hat: „Die Entdeckung der Langsamkeit.“ Was traf da einen Nerv? Wir müssen die Langsamkeit tatsächlich neu entdecken, denn unsere Welt ist voll vom Gegenteil. Alles soll heute schnell gehen und muss schnell gehen. Am besten schon gestern hätte alles fertig sein sollen. Das ist ein typisches Kennzeichen der Neuzeit – die Beschleunigung, die Schnelligkeit, die Geschwindigkeit. Und wir sind auch sehr erfolgreich damit. Während früher die Leute Angst hatten, dass das Fahren im Zug, ja sogar allein das Zuschauen einer solchen schnellen Bewegung schwere gesundheitliche Schäden hervorruft, zischen heute Züge schon in einer Geschwindigkeit dahin, dass sie dem Flugzeug Konkurrenz machen. Auf jeden Fall hat sich ja die Bahn schon die Ansagesprache des Luftverkehrs angewöhnt: „sänk ju for träwwelling wis Deutsche Bahn…“

Das Dumme ist nur, es klappt nicht immer. Nicht nur bei der Bahn. Erstens lässt sich nicht alles beschleunigen. Oder wenn man es versucht, ist es sehr gefährlich: z.B. versucht man die Hühner durch Manipulationen des Lichtes dazu zu bewegen, schneller als in 24 Stunden ein Ei zu legen. Dabei ist eins ja pro Tag doch schon ganz schön viel. Ich kann das nicht. Nun stelle man sich das mal bei der menschlichen Schwangerschaft vor. Ziemlich gefährlich für alle Beteiligten. Neun Monate müssen sein. Und mit den Hühnern sollte man das Manipulieren auch lieber wieder sein lassen. Es geht eben nicht bei allem immer schneller. Und das Ideal einer ständigen Beschleunigung sollte man in diesen Bereichen, wo es um das physische und psychische Wachstum geht, lieber ganz und vollständig streichen.

Zum zweiten komme ich oft meiner eigenen Geschwindigkeit nicht mehr hinterher. Und das kann dazu führen, dass ich mehr Zeit brauche, als wenn ich mir Zeit genommen hätte. Mir geht es jedenfalls oft. Ich stürze mich mit Macht und ohne große Überlegung ganz schnell auf eine Sache, sei es dieser Text hier, sei es ein Vortrag, sei es bloß die Recherche für Langsamkeit. Und schon habe ich mich verfangen in den Maschen des Internets. Es gehen Stunden dabei drauf. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht: wenn ich mich eine Stunde still hinsetze und nachdenke und je nach dem auch bete und mir was in mein Tagebuch schreibe, mir also wirklich Zeit nehme, dann habe ich mehr an Gedanken und Ideen und Bildern und Erinnerungen als vier Stunden mit googlen und mit Lesen von Gedanken anderer. Ich habe das sogar mal in einen Merksatz gefasst: Sich Zeit nehmen, spart Zeit. Ich mach’s nur nicht immer, sondern bin ungeduldig. Und so vertrödle ich viel Zeit.

Ein Mitbruder hat mir den folgenden Text geschickt. Er stammt von einem anderen Mitbruder, dem Paläontologen und Evolutionsforscher Pierre Teilhard de Chardin SJ (1881-1955). Er hat die Jahrmillionen der Lebensentwicklung erforscht. Diesem Text habe ich gar nichts weiter hinzuzufügen. Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie ihn in aller Ruhe einen Platz in Ihrem Inneren finden:

„Hab’ Vertrauen in das langsame Arbeiten Gottes. Ganz natürlich drängen wir in allen Dingen ungeduldig dem Ziele zu. Wir möchten die Zwischenstufen überspringen. Wir leiden voller Ungeduld darunter, zu etwas Unbekanntem, Neuem unterwegs zu sein… Dabei ist es das Gesetz jedes Fortschreitens, dass sein Weg über das Unbeständige führt – das eine sehr lange Zeit andauern kann…

Deine Gedanken reifen ganz allmählich, lass sie wachsen, lass sie Gestalt annehmen, ohne etwas zu überstürzen! Versuche nicht, sie zu zwingen, so als könntest du heute schon sein, was die Zeit (das heißt die Gnade und die  Umstände, die auf deinen guten Willen Einfluss nehmen werden) morgen aus dir machen wird…

Schenke unserem Herrn Vertrauen, und denke, dass seine Hand dich gut durch die Finsternisse und das Werden führen wird – und nimm aus Liebe zu ihm die Angst auf dich, dich im Ungewissen und gleichsam unfertig zu fühlen.“


Es grüßt Sie herzlich und versöhnt mit dem Gefühl, unfertig zu sein

(06.10.2009)