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(c) Thomas Gertler


Missionarisch in Deutschland: Petrus Canisius

Petrus Canisius 1521-1597

Nach Bonifatius gilt Petrus Canisius als der zweite Missionar Deutschlands. Wie hat er missioniert? Anders als man sich den Missionar gewöhnlich vorstellt, der den Ungläubigen predigt. Das galt auch bereits für Bonifatius. Zwar ist er deshalb bekannt, weil er die Wotaneiche bei Fritzlar gefällt hat, aber seine Hauptarbeit war die Neuorganisation der fränkischen Kirche. Er ordnete die Bistümer in Bayern neu und versuchte auf vielen Synoden, die noch mit einem Fuß im der germanischen Götterwelt stehenden Priester ganz auf die christliche Lehre einzuschwören. Das wirksamste Missionsinstrument war damals die Gründung eines Benediktinerklosters, weil hier der Nachwuchs für die kirchlichen Ämter wie der der Fürstenhäuser erzogen wurde. Zudem leistete die Abteien landwirtschaftliche Entwicklungsarbeit und versorgten die Kranken und Armen. Nicht anders ging Canisius vor. Er gründete Schulen und Fakultäten, so in Wien, München in Prag, Tyrna in der Slowakei, München, Innsbruck, Dillingen, Würzburg, Hall in Tirol und zuletzt in Fribourg in der Schweiz.

Weil das religiöse Wissen versandet war, hat er Katechismen geschrieben, kleine und größere. Für Kinder hat er sogar einen verfasst, der die Worte nach Silben trennt – zum leichteren Lesen.

Warum ist er aber heilig gesprochen? Er hat nicht nur sein Organisationstalent eingebracht, sondern seine Glaubensüberzeugung. Als er jung war, fand er die mittelalterliche Kirche als Auslaufmodell vor, die Frömmigkeit war ohne spirituellen Tiefgang und Glaubensinhalte. Im Vordergrund standen Riten und Andachtsformen, die aber oft nur noch äußerlich vollzogen worden. Seine Einschätzung hört sich so an:

„Allgemein gesprochen möchte ich sagen, dass man unter den heutigen Deutschen vergebens nach praktischem Interesse an der Religion sucht. Der Gottesdienst der Katholiken ist so ziemlich auf das Halten einer ohne alle Begeisterung vorgetragenen Predigt an Festtagen beschränkt. Was vom Fasten in der Fastenzeit übrig ist, ist bloß der Name. Denn niemand fastet. Ob und wie selten besucht ein Mann die Kirche und die heilige Messe oder bekundet durch irgendein äußeres Zeichen, dass er noch Freude hat am alten Glauben! Die Lage ist danach, einen, der sie ernstlich erwägt, das Herz still stehen zu lassen. Die Häresie kann weder durch Gewalt noch durch Reform überwunden werden, und wir sind beim besten Willen machtlos, den verloren gegangenen Glauben wiederherzustellen, weil es zu wenig Priester gibt oder in Wahrheit keine.“


Canisius erkennt in dem Niedergang der religiösen Praxis und dem mangelnden Interesse an den Glaubensinhalten den Grund für die Reformbewegung, die Luther ausgelöst hatte. In den Exerzitien des Ignatius findet er die Frömmigkeitsform, die der neuen Zeit entspricht und die religiösen Kräfte weckt. Er gehört nicht mehr ins Mittelalter, sondern in die Neuzeit. 

1543 lernt er den ersten Jesuiten, den der Ordensgründer Ignatius nach Deutschland gesandt hatte, den Savoyaden Peter Faber in Mainz kennen und tritt in den Orden ein, nachdem er unter dessen Leitung die großen Exerzitien gemacht hatte. Da die Bischöfe keine Bereitschaft zur Kirchenreform erkennen ließen und auf die Reformation nicht reagierten, war Deutschland auf die Fürsten angewiesen, die keinen Bruch mit der bisherigen Geschichte der Kirche wollten. Der bayerischen Herzöge Albrecht V. und sein Sohn Wilhelm V. sowie der österreichische Kaiser Ferdinand betrauten Canisius mit der Gründung von Schulen und Universitäten. Der Augsburger Bischof Kardinal Otto Truchseß sandte ihn zum Reformkonzil nach Trient. So war Canisius mit den höchsten Kreisen in Europa bekannt.

Aber so erfolgreich die äußere Biographie aussieht, die nachfolgende Generation der Jesuiten entledigte sich der Vaterfigur. Mit dem neuen Leiter der deutschen Provinz, Paul Hoffäus, kommt es zu einem Zerwürfnis. Canisius zieht sich nach Fribourg in der Schweiz zurück. Dort stirbt er am 21.Dezember. Sein Jahresgedächtnis wird in Deutschland am 27. April begangen.

Missionarisch sein lässt sich an dem Heiligen so ablesen: Eine Spiritualität leben und im Alltag umsetzen, sich für die Glaubensinhalte interessieren und diese verständlich weiter vermitteln. Mission, so wie sie Canisius aufgebaut hat, ist eine Bildungsinitiative. Nicht nur Pfarreien, sondern auch Schulen haben sich deshalb den Namen des Heiligen gegeben.

(28.04.2009)

Eckhard Bieger S.J.