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Wenn ich diese berühmte Geschichte vom barmherzigen Samariter lese und an den Grundsatz denke, dass der Mensch sich Gott gegenüber genauso verhält, wie er sich den Menschen gegenüber verhält, dann erkenne ich, dass sich der Priester und der Levit Gott gegenüber gleichgültig verhalten, obwohl sie ja von Beruf Geistliche sind, während der Samariter Gott wirklich ehrt.

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Lk 10,25 Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? 

26 Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? 

27 Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. 

28 Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben. 

29 Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? 

30 Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. 

31 Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. 

32 Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. 

33 Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, 

34 ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. 

35 Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. 

36 Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? 

37 Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

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Mein und Dein verwechsle nicht! 

Dass Mein und Dein nicht verwechselt werden, ist die Voraussetzung für den Frieden unter den Menschen. Das fängt ja schon in der Familie unter den Geschwistern an. Haben Sie sich früher um Spielzeug gestritten in der Familie oder im Kindergarten? Achtung des Eigentums ist tatsächlich eine Grundvoraussetzung des Friedens. Daran hat auch der gescheiterte Versuch des Kommunismus nichts geändert. Wobei freilich die Verteilung des Eigentums und seine Sozialpflichtigkeit immer wieder geregelt und betont und durchgesetzt werden müssen.

Mir geht es hier aber nicht um das Eigentum. So wichtig diese Frage ist. Mir geht es um ein Problem, das jeder kennt und auch mit Mein und Dein zu tun hat. Nämlich dass sehr viel innerer Unfrieden dadurch entsteht, dass ich Probleme von anderen für mich übernehme oder eigene Probleme auf andere ablade oder ihnen auflade.  

Konkret: In meiner Zeit der Ausbildung zum Theologen hatte ich einen Mitstudenten, den ich zunehmend weniger leiden und ertragen konnte. Er war für mich das Muster der Ordnung und der Korrektheit. Er schrieb sich immer alles auf. Er konnte sein Büchlein hervorholen und mir mitten im Juni sagen: „Am 14. Dezember hast Du das und das behauptet.“ Ich wusste natürlich davon gar nichts mehr und war total überrascht. Das war mir unheimlich, ja, ich empfand das auch als unfair. Wer merkt sich so was mit Datum und Uhrzeit? Seine Datensammelwut hatte für mich mit dieser Ordnungsliebe und Korrektheit zu tun. Ich empfand das als ständigen Vorwurf gegen meine Unordnung und Schlampigkeit. So hat sich allmählich ein regelrechtes Feindbild in mir aufgebaut. Ja, ich fühlte mich schon durch seine bloße Anwesenheit kritisiert, abgelehnt, ja bedroht. Schrecklich. 

Ich hatte Mein und Dein verwechselt. Mein Problem mit meinem Chaos und mit meiner Unzufriedenheit mit mir selbst hatte ich auf ihn übertragen. Seine vermeintliche Korrektheit und sein vermeintlicher Ordnungsfimmel existierten so gar nicht. Es war meine Schwierigkeit mit mir selbst. Ich habe es bemerkt, als ich einmal all meine Wut, ja meinen Hass und meinen Frust einem anderen Mitbruder erzählt und dabei bemerkt habe, dass dieses Monster, das ich mir da aufgebaut hatte, gar nicht existierte, schon gar nicht mein Kommilitone war. Ich konnte ihm dann wieder in die Augen sehen und anders begegnen. 

Das war eine wichtige Lehre für mich. Eine ebenso wichtige Lehre war mir, dass meine eigene Art und Weise für andere ein ähnliches Problem darstellen kann. In meiner Jugend war ich viel lauter, naiver und fröhlicher, viel weniger zurückhaltend und vorsichtig als heute. Das wirkte damals wiederum auf andere bedrohlich. Es nahm ihnen den Atem oder den Raum, obwohl ich das gar nicht wollte und beabsichtigte. Aber so kam es oft an. Aber es war nicht eigentlich mein Problem. Sie hatten das Problem. Mich hat es nur insofern berührt, als sie mich unerträglich oder schwierig fanden, einfach zu mächtig. Ich spürte dann die Ablehnung meines Soseins, ja sogar meines Daseins. 

Es war hart, aber auch sehr hilfreich zu hören, wie mich die anderen erlebten. Ich bin tatsächlich vorsichtiger und zurückhaltender geworden. Aber mir wurde auch zugestanden, dass ich Ich selbst sein darf und mich nicht völlig verbiegen muss. Hier ging es wieder um Mein und Dein. Diesmal hatten die anderen das Problem. Es war nicht das Meine. Sie konnten mit einem solchen Menschen nicht zurechtkommen. Ich sollte gefälligst wie sie sein. 

Es passiert sehr schnell, dass ich das Verhalten des anderen missdeute und auf mich beziehe, obwohl es mit mir gar nichts zu tun hat. Eine Frau macht bei einer Predigt von mir ein total unbewegtes, fast versteinertes Gesicht. Ich denke, ich habe was Falsches gesagt…Dabei hat die Gute nur heftige Kopfschmerzen, und zwar ausnahmsweise nicht wegen mir. 

Berühmt ist das sogenannte „Vier-Ohren-Modell“. Jede Aussage hat vier Ebenen und kann auf vier Ebenen gehört werden. Männer denken oft, sie nehmen vor allem die Sach-Ebene (1) wahr. Was so gar nicht stimmt. Jede/r nimmt immer alle vier Seiten wahr und reagiert auch entsprechend. Aber oft nicht bewusst. Frauen fühlen sich oft stärker auf der Beziehungsebene (2). Beide geben in jedem Satz auch etwas von sich selbst kund (3), gewollt oder ungewollt. Und jeder Satz lässt sich auch hören als ein Appell (4). Da sind dann die Missverständnisse besonders groß. Der Mann sagt zu seiner Frau, die am Steuer sitzt: „Die Ampel ist grün.“ Es kann sein, dass er das nur als Feststellung meinte (Sachebene). Sie hört aber vor allem einen Appell: „Fahr gefälligst schneller!“ Und sie ist sauer, weil sie sich kritisiert fühlt (Beziehungsebene). 

Sie kennen das alle. Und können sicher selbst Beispiele nennen. 

Damit wir nicht nur bei der Kommunikation untereinander verbleiben, will ich hier einen Grundsatz nennen, den ein Mitbruder von mir aufgestellt hat: „Wie dein Verhältnis zum Nächsten, so dein Verhältnis zu Gott!“ Oder als wörtliches Zitat: „Wir verhalten uns Gott gegenüber genau so, wie wir mit den Menschen umgehen. Die Parallele ist mathematisch exakt, ohne Ausnahme.“ (Franz Jalics SJ) Wie hören Sie diesen Satz? Ich habe natürlich vor allem Angst vor dem zweiten Satz und gebe mit dieser Angst wieder etwas von mir selber kund. Ich möchte gern ein „ordentlicher“ Mensch sein und bin es nicht. Sehr ordentliche Menschen, die solche mathematische Exaktheit lieben, empfinde ich als Bedrohung. Was übertrage ich auf Franz Jalics? Was übertrage ich auf Gott und was ist mein Problem? Was ist Mein, was ist Dein in diesem provozierenden Satz? Könnte man auch sagen: Wo meine Falle im Umgang mit dem Nächsten ist, da ist sie auch Gott gegenüber? 

Wie geht es Ihnen mit diesem Satz? Es lohnt sich, einmal eine Betrachtung darüber zu halten und ihn mit allen vier Ohren zu hören.

(08.06.2010) 

Es grüßt Sie herzlich

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