Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheMein tägliches Ritual
DeutschEnglishFrancais

Jetzt auch bei facebook

werden Sie Fan und unterstützen uns!

Das Hauptgebot der Gottesliebe steht im 5. Buch Mose, auch Deuteronomium (Dtn) genannt. Jesus zitiert es in den Evangelien (Mk 12,28-31; Mt 22,34-40; Lk 10,25-28). Heute noch können wir gläubige Juden sehen, die sich dieses Gebot an das Handgelenk binden und an die Stirn. Man nennt dieses Ritual: die Gebetsriemen anlegen. Jesus hat es täglich morgens und abends gebetet. Es wurde unbedingt den Kindern weitergegeben. Es wurde an die Türpfosten geschrieben und an die Stadttore. Diese Rituale haben den gleichen Sinn wie unsere Glaubensrituale: Glauben zu verleiblichen, sichtbar und erfahrbar zu machen. Damit wir ihn nicht vergessen. Dabei wird innerhalb des heutigen Judentums der Gottesname Jahwe nicht mehr genannt und auch nicht mehr so ausgeschrieben, sondern mit JHWH wiedergegeben.

 

(c) ninice64 - Fotolia.com


Dtn 6,4 Höre, Israel! JHWH, unser Gott, JHWH ist einzig. 

5 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. 

6 Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. 

7 Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst. 

8 Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden. 

9 Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben.

(c) microimages - Fotolia.com


Mein tägliches Ritual 

Wie bekomme ich Alltag und Glauben zusammen? Wie begegne ich Gott im Alltagsleben? Das ist hier bei uns für die meisten, die gern den Glauben leben wollen, ein großes Problem. Der Alltag ist so gottfern. Alles Mögliche begegnet mir jeden Tag, fällt mir in die Augen, drängt sich mir mit Macht auf: Reklame, Schlagzeigen, Musik. Aber Gott kommt im Alltag nicht von selber vor. Ich muss ihn vorkommen lassen. Es ist eine Aufgabe. Von selbst erinnert mich kaum etwas an Gott. Sogar wenn die Kirchenglocken läuten, denke ich nicht automatisch an Gott. Selbst wenn ich täglich an einer Kirche oder einem Kreuz vorbei komme, geht das nicht von selbst. Ich muss bewusst darauf schauen. Ich muss mir angewöhnen, dann ein kurzes Gebet zu sprechen. Mich innerlich nach oben ausrichten. Ich muss mir Erinnerungspunkte schaffen. Und ich bin zumeist allein damit. Wie viel leichter wäre es für mich, wenn alle Leute in der Straßenbahn, sobald es an einem Friedhof vorgeht, den Hut abnehmen oder ein Kreuzzeichen machen, wie man es in Irland erleben kann. 

Meine Hilfe in dieser Not sind tägliche Rituale. Jeder hat ja tägliche Rituale. Zumindest Zähneputzen oder die Tasse Kaffee am Morgen oder die Zeitung, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Oder die Nachrichten im Fernsehen. Oder auf alle Fälle Nutella zum Frühstück. Oder die halbe Stunde mit dem Hunde. Oder klassische Musik zum Aufstehen. Rituale schaffen eine Art Gehäuse oder sogar eine Art Zuhause, in dem ich wohnen kann. Sie strukturieren den Tag und schaffen so auch Augenblicke, auf die ich mich freuen kann. Welche festen und wohltuenden Riten und heiligen Zeiten haben denn Sie? 

Dass ich jeden Morgen meine gymnastischen Übungen zu machen versuche, habe ich ja schon erzählt. Was ich noch nicht erzählt habe ist, dass sie sich sehr leicht mit dem Jesus-Gebet verbinden lassen. Das Jesus-Gebet ist eine sehr alte Form des Gebets, das mit dem Ein- und Ausatmen verbunden wird. „Herr Jesus Christus“ – beim Einatmen. „Erbarme dich meiner“ – beim Ausatmen. So kann man beten ohne Unterlass, nicht nur bei der Gymnastik. Und viele Beterinnen und Beter beten das Jesus-Gebet den ganzen Tag. Es geht mit der Zeit ins Unterbewusstsein. Nur ab und zu wird es bewusst. Es geht von selbst wie der Atem. Also bei den gymnastischen Übungen, bei denen ich sowieso tiefer atme als sonst, übe ich öfter mal das Jesus-Gebet. Ein einfaches Ritual. 

Ich habe das große Glück, dass ich erst relativ spät morgens in meinem Büro sein muss. So habe ich täglich vorher eine Stunde oder 45 Minuten Zeit zum Beten und darauf freue ich mich. Immer die gleiche Zeit und meist auch in meiner Gebetsecke, die ich mir gebaut habe. Dort hängt mein Lieblingsbild von Jesus. Dort brennt die Kerze und liegen Bibel und Tagebuch. Ja, und dann kann es losgehen. Ich schaue meinem Jesus in die Augen. Und ich schaue auf meinen Tag. Ich höre auf Sein Wort. Ein heiliges Ritual. 

Früher habe ich jungen Leuten Religionsunterricht gegeben. Manchmal, viel zu selten, haben wir die Stunde mit einer sogenannten Wahrnehmungsübung begonnen. So etwa mit den folgenden, mit Pausen gesprochenen Worten: ‚Bitte grade hinsetzen, aber nicht steif − Hände im Schoß zusammenlegen − Augen schließen − wahrnehmen, wie mein Atem geht − er geht von ganz allein − Wahrnehmen, wie ich auf dem Stuhl sitze −  mein Gewicht spüren − ich tue nichts − ich bin einfach da − ich tue auch nichts, um da zu sein − Ich muss dafür auch nichts tun − der Stuhl trägt mich − die Erde trägt mich − ich bin getragen.‘ Eine ganz simple Übung. Nur fünf Minuten. Gar kein ausdrückliches Gebet. Aber schon war die Atmosphäre in der Klasse eine ganz andere. Sie war wach und konzentriert. Ein gutes Ritual.

Noch ein letztes. Von vielen jungen Eltern weiß ich, dass sie ein Ritual haben, um ihre Kinder ins Bett zu bringen und sie in den Schlaf zu begleiten. Da wird je nachdem eine Geschichte gelesen oder ein Lied gesungen oder ein Gebet gebetet. Oft alles drei. Eventuell kann man auch noch einmal auf den Tag schauen und sogar für bestimmte Anliegen beten: für die Oma, für die Kinder in Haiti, für den kleinen Bruder… Kinder lieben und brauchen solche Rituale. Oft bestehen sie sogar sehr heftig darauf. Es tut ihnen einfach gut. Und es tut auch den Eltern gut. Leider hört es oft auf, wenn die Kinder größer werden. Beten wird dann immer mehr etwas ganz Persönliches und Intimes. Das ist es auch. Muss es darum aber immer nur ganz allein geschehen? Darf es nicht auch seine Form wandeln, aber dennoch einen gemeinsamen Ort haben. Es wäre so gut und so hilfreich, wenn wir uns bei unserer Suche nach Gott mitten in unserem Alltagsleben unterstützen würden. Auch durch Rituale. Sie können so hilfreich sein. Geben Sie anderen Tipps, was Ihnen hilft und wie Sie es machen! 

(16.02.2010)

Es grüßt Sie herzlich

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!