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Der Schluss des 1. Briefes an die Thessalonicher zeigt und etwas von der Freiheit und Entschiedenheit der ersten Christengeneration. Wir brauchen vor nichts Angst zu haben, auch nicht vor dem Computer oder dem Internet. Aber wir sollen wachsam sein. Wir haben den Maßstab Gottes und Christi. Damit können wir alles prüfen und dürfen und sollen das Gute behalten.

(c) Bernd Deinert - Fotolia.com

1 Thess 5,16 Freut euch zu jeder Zeit! 

17 Betet ohne Unterlass! 

18 Dankt für alles; denn das will Gott von euch, / die ihr Christus Jesus gehört. 

19 Löscht den Geist nicht aus! 

20 Verachtet prophetisches Reden nicht! 

21 Prüft alles und behaltet das Gute! 

22 Meidet das Böse in jeder Gestalt!

23 Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus Christus, unser Herr, kommt. 

24 Gott, der euch beruft, ist treu; er wird es tun. 

25 Brüder, betet auch für uns! 

26 Grüßt alle Brüder mit dem heiligen Kuss! 

27 Ich beschwöre euch beim Herrn, diesen Brief allen Brüdern vorzulesen. 

28 Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit euch! 

(c) Andrey Kurehin - Fotolia.com


Mein Computer 

Kürzlich ist mir bewusst geworden, dass ich die meiste Zeit des Tages mit und an meinem Computer verbringe. Muss ich darüber erschrecken? Ich schreibe zum Beispiel diesen Text hier am Bildschirm. Ich schreibe viele E-mails, warte sehnlich auf manche Mails und stöhne über Spam. Mit meinem Kuli oder Füller schreibe ich nur noch wenig. Ich suche beim Internet-Lexikon Wikipedia nach schnellen Informationen. Ich höre auf YouTube alte Schlager, Jazz oder auch mal Max Rabe und „Kein Schwein ruft mich an…“ Ich lese im Netz nach, was die Bibelwissenschaftler und „perikopen.de“ zum Evangelium des nächsten Sonntags zu sagen haben. Ich lese die Zeitung im Internet. Ich lade mir wichtige Artikel herunter, zum Beispiel einen in „Zeit-Online“ über „Unsere Zukunft in der Matrix“ von Nicholas Carr, einem bekannten Kritiker des Internet, auch wieder über das Internet. Man kann sogar beten und meditieren mit dem Internet, und zwar mit „sacred space“. Dort heißt es:

„Wir laden Sie ein, "Sacred Space" Raum zu geben in Ihrem Tagesablauf und 10 Minuten zu beten, hier und jetzt, wie Sie gerade an Ihrem Computer sitzen. Dazu helfen Ihnen die Gebetsbegleitung und die für jeden Tag neu ausgewählte Schriftstelle.“

Dem kann ich mich doch nur anschließen. Sie vielleicht auch? Sie sehen, man kann nicht nur Sex finden im weltweiten Netz, sondern auch heilige Räume. Es gibt relativ viele „fromme Seiten“. Eine versuche ich ja mit Hilfe anderer auch selbst zu schaffen.  

Aber was geschieht uns durch den Computer und das Internet? Ist das nicht gefährlich, dass wir nun hauptsächlich digital miteinander kommunizieren. Ja, ist so eine ziemlich irre Formulierung wie „digital kommunizieren“ statt einfach zu sagen „miteinander sprechen“ oder „einander schreiben“ schon genau der Ausdruck dafür, dass es langsam immer technischer und vermittelter wird. Gespräch wird zur digitalen Kommunikation, die alles auf die beiden Grundzeichen 0 und 1 reduziert. Beim Gespräch sitzt man normalerweise in einem Raum beieinander. Man nimmt den/die andere/n viel leibhaftiger wahr. Na ja, jetzt habe ich auch schon öfter „Skype“ ausprobiert. Das ist telefonieren über den Computer sogar mit Bild, solange man will, ohne Kosten und man kann den anderen nicht nur hören (mit heftigen Nebengeräuschen und Unterbrechungen) sondern sogar sehen (manchmal mehr ahnen als sehen, kaum je wirklich synchron…). Komisch und faszinierend zugleich. Und natürlich ist wirkliches Gespräch viel natürlicher. Manchmal ertappe ich mich allerdings bei dem Gedanken oder spüre auch, dass das technisch vermittelte Gespräch Vorteile hat. Es gibt da mehr Distanz. Man ist sich nicht so ausgeliefert. Es kann sogar leichter sein, über ganz Persönliches zu sprechen. Es gibt etliche Menschen, die sich so sicherer fühlen. Besonders natürlich in Zeiten der Schweinegrippe. 

Was soll ich nun sagen? Ist der Computer als Vermittlung zur Welt und inzwischen auch zu Gott etwas zu Verdammendes? Muss es da eine Reformation geben? Die Reformation Luthers wollte direkten Zugang eines jeden zu Gott und trat ein für die Gottunmittelbarkeit. Es sollte keine Institution wie die Kirche (oder jetzt der Computer) zwischen dem Menschen und Gott stehen. Ich denke eine Gefahr besteht ohne Zweifel. Nicht so sehr für das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen. Das war und ist immer schon vermittelt (theologische Erklärung für Interessierte: Wir als endliche Wesen können gar nicht unmittelbar mit dem unendlichen Gott verkehren. Wir brauchen Sprache, Gebetstradition, alles Mögliche, um uns zu Gott zu verhalten). Oder es war und ist immer schon unvermittelt (Der unendliche Gott ist allem Seienden zuinnerst nahe. Gerade weil Gott nicht räumlich und zeitlich ist, darum ist er allgegenwärtig in Zeit und Raum.

Aber er muss sich uns auf unsere menschliche Weise vermitteln, dass wir ihn spüren und wahrnehmen und mit ihm verkehren können). Nein, die Gefahr besteht nicht so sehr für unsere Beziehung zu Gott, als vielmehr bei unserem Kontakt mit den Menschen und mit der Welt. Es wird gefährlich, wenn wir unseren Kontakt über den Computer gleichsetzen mit dem Kontakt zur realen Welt. Wenn wir unsere mit uns im Hause lebenden Nebenmenschen vernachlässigen. Wenn unsere Gefühle und unsere Liebe nur mehr ans Internet und an Chatrooms gebunden sind, dann wird es gefährlich. Aber ich finde, das ist nicht neu. Ich hatte schon vor 20 Jahren den Eindruck, dass manche Leute innerlich mehr mit den Personen von „Dallas“ oder „Denver-Clan“ verbunden waren als mit der eigenen Familie. Da hat man mitgefiebert. Da hasste man J. R. (dschi aar gesprochen und der Bösewicht von „Dallas“) oder weinte mit Pam, während einem seine eigene Schwester oder der kleine Bruder ziemlich gleichgültig war.  

Ich will es einmal dabei bewenden lassen und die vielen, vielen anderen Fragen, die mit dem Computer und dem Internet zusammenhängen einmal weglassen: Abhängigkeit, Sucht, Sicherheit, Terroranfälligkeit, Arbeitsplätze, Kriminalität und so weiter. Der Computer hat die Welt sehr verändert und wird es weiter tun. Er ist im Prinzip wie alle Instrumente zum Bösen missbrauchbar und das geschieht schon reichlich. Er ist aber auch zum Guten, ja sogar zum Gebet dienlich und das ist er auch reichlich. Es kommt auf mich an und meine Entscheidung. 

Nehmen Sie doch einfach mal mit in Ihr Gebet, was Sie mit Ihrem Computer erleben und bitten Sie Gott um Erbarmen und danken Sie ihm.  

Einen frohen ersten Advent!

(24.11.2009)