Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheMacht – Reichtum – Schönheit
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Bei der Schönheit und Macht muss ich an den folgenden Psalm denken, der sie auch besingt als Hochzeitslied des Königs. Dieser Psalm wurde dann später gedeutet auf die Einheit von Christus und Kirche.

Zunächst besingt er wirklich die Hochzeit von König und Königin. Er spiegelt etwas von dieser positiven Einheit von Macht, Reichtum und Schönheit


Psalm 45 Ein Lied zur Hochzeit des Königs


1
[Ein Liebeslied.]

2
Mein Herz fließt über von froher Kunde, / ich weihe mein Lied dem König. / Meine Zunge gleicht dem Griffel des flinken Schreibers.

3
Du bist der Schönste von allen Menschen, / Anmut ist ausgegossen über deine Lippen; / darum hat Gott dich für immer gesegnet.

4
Gürte, du Held, dein Schwert um die Hüfte, / kleide dich in Hoheit und Herrlichkeit!

5
Zieh aus mit Glück, kämpfe für Wahrheit und Recht! / Furcht gebietende Taten / soll dein rechter Arm dich lehren.

6
Deine Pfeile sind scharf, dir unterliegen die Völker, / die Feinde des Königs verlieren den Mut.

7
Dein Thron, du Göttlicher, steht für immer und ewig; / das Zepter deiner Herrschaft ist ein gerechtes Zepter.

8
Du liebst das Recht und hasst das Unrecht, / darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit dem Öl der Freude / wie keinen deiner Gefährten.

9
Von Myrrhe, Aloe und Kassia duften all deine Gewänder, / aus Elfenbeinhallen erfreut dich Saitenspiel.

10
Königstöchter gehen dir entgegen, / die Braut steht dir zur Rechten / im Schmuck von Ofirgold.

11
Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr, / vergiss dein Volk und dein Vaterhaus!

12
Der König verlangt nach deiner Schönheit; / er ist ja dein Herr, verneig dich vor ihm!

13
Die Töchter von Tyrus kommen mit Gaben, / deine Gunst begehren die Edlen des Volkes.

14
Die Königstochter ist herrlich geschmückt, / ihr Gewand ist durchwirkt mit Gold und Perlen.

15
Man geleitet sie in bunt gestickten Kleidern zum König, / Jungfrauen sind ihr Gefolge, / ihre Freundinnen führt man zu dir.

16
Man geleitet sie mit Freude und Jubel, / sie ziehen ein in den Palast des Königs.

17
An die Stelle deiner Väter treten einst deine Söhne; / du bestellst sie zu Fürsten im ganzen Land.

18
Ich will deinen Namen rühmen von Geschlecht zu Geschlecht; / darum werden die Völker dich preisen immer und ewig.

(c) Thomas Gertler


Macht – Reichtum – Schönheit


Müssen sie immer zusammen sein? Nein, sicher gibt es Macht ohne Schönheit und Geschmack, und so wird sie ja oft erfahren. Macht, die reine Machtausübung, ohne höhere Werte, ohne Ideale und Ziele ist außer der Vermehrung von Macht. Und es gibt das gleiche auch beim Reichtum: ohne Geschmack, ohne Sinn für Höheres. Natürlich möchte solcher Reichtum sich auch schmücken und seinen Reichtum zeigen. Das wird dann oft Kitsch und bloße Vergeudung. Und auch Schönheit gibt es ohne Reichtum und Macht. Viele große Künstler zeigen das. Ich denke nur an das Leben und den Tod von Vincent van Gogh. Schönheit – äußerst arm und ohnmächtig am Ende.

Venedig ist eine Stadt, wo alle drei zusammen sind – oder vielleicht ehrlicher – in fast einmaliger Weise zusammen waren. Denn heute ist die Stadt nur noch ein Abglanz dessen, was sie einmal war. Aber ach, auch das ist noch geradezu bestürzend und erschütternd in seiner Pracht. Und auch heute noch ist Venedig eine der bedeutendsten Kunststätten der Welt, nicht nur der vergangenen, auch der gegenwärtigen Kunst. Aber das ist nicht mehr dieses gleiche Zusammenspiel der drei, wie es einmal war. Und wie es heute noch an der Markus-Basilika zu erkennen ist.

Ich habe Ihnen wieder ein Bild mitgebracht, das ich am vergangenen Mittwoch (10.6.09) für Sie dort aufgenommen habe. Eines der zahllosen Mosaiken in und an San Marco. Man schätzt die Fläche von Mosaiken auf  4240 Quadratmeter. Dieses Mosaik stammt aus zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und ist im Halbrund über dem sogenannten Alipius-Portal angebracht. Darum konnte ich es auch aufnehmen, denn im Dom ist fotografieren natürlich untersagt.


(c) Thomas Gertler

Das Mosaik zeigt die Kirche, wie sie im 13. Jahrhundert aussah, aber stellt ein Ereignis dar, das damals schon wieder 400 Jahre zurück lag, nämlich die Überbringung der Gebeine des Evangelisten Markus in die für ihn errichtete Kirche. Die Gebeine waren am 31. Januar 828 in Venedig aus dem ägyptischen Alexandria angekommen. Sie waren von dort mit List von venezianischen Kaufleuten geraubt oder – vornehmer gedeutet – vor dem Zugriff der neuen islamischen Macht in Sicherheit gebracht worden.

Auf den Schultern zweier Bischöfe im Zentrum kann man den Sarg des hl. Markus erkennen. Rechts neben den Bischöfen in einer Gruppe von Vornehmen sieht man den Dogen. Die Markuskirche war damals noch nicht der Bischofssitz von Venedig, das wurde er erst durch Napoleon 1807, sondern war die Palastkapelle des Dogen, also des politischen Führers von Venedig. Dort unterstand letztlich die kirchliche der weltlich-politischen Macht, sichtbar dargestellt in solcher Pracht. Und Vorbild dafür war immer Byzanz, bzw. Konstantinopel, die noch reichere, mächtigere, vornehmere und schönere Stadt, heute Istambul. Sie wurde damals geplündert unter dem Dogen Enrico Dandolo während des 4. Kreuzzugs im Jahres 1204. Und das läutete den Untergang Konstantinopels ein. Beutestücke von damals sind die vier großen goldenen Pferde einer antiken Quadriga, die Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert aus Rom in seine Stadt hatte bringen lassen. Sie sind auf dem Mosaik zu erkennen und stehen noch heute auf dem Dom.

Sechzig Jahre später (gegen 1265) entsteht dieses Mosaik und kündet nun den Ruhm und die Macht, den Reichtum und die Schönheit Venedigs. Die Umschrift des Mosaiks lautet (nach meiner eigenen Recherche und Übersetzung): "Hier versammelt sich das Volk mit würdigem Lob und ehrenden Hymnen, dass die Venezier immer vom Feinde bewahrt werden" (collocat hunc dignis plebs laudibus et colit hymnis ut venetos semper servet ab hoste suos).

In diesem einen Mosaik vereint sich also alles das: Macht und Reichtum und Schönheit. Ein Mosaik überragt ja ein Fresko um vieles an Leuchtkraft, Dauerhaftigkeit und Kostbarkeit. Der goldene Grund aus Glassteinen, die mit Blattgold unterlegt sind, soll nicht nur den göttlichen Hintergrund alles Geschehens darstellen, sondern natürlich auch, dass man sich solchen Luxus leisten kann.

Wie stehe ich nun heute dazu? Ich staune. Ich lerne auch hier wieder viel. Denn das meiste  war mir völlig neu. Und ich sage mir: Weder Macht, weder Reichtum, erst recht nicht Schönheit sind verächtlich. Nein, es sind gute Gaben Gottes und schon die Natur, die Pflanzen- und Tierwelt strahlen sie aus: Macht, Reichtum (Fülle) und Schönheit. Sie sind auch uns Menschen gegeben und anvertraut und wir sollen rechten Gebrauch davon machen. Freilich sind sie verführerisch und vergänglich. Und sie haben immer die Tendenz, sich absolut zu setzen. Das ist dann immer der Anfang vom Ende. So wie die Macht Venedigs spätestens durch Napoleon gebrochen wurde, der dann die Markusbasilika zum Bischofssitz Venedigs machte. Und auch Napoleons Macht und Herrlichkeit sind inzwischen zerstoben.

Dass Macht, Reichtum, Schönheit nicht das Höchste sind zeigen die Asketen, die es in allen Hochkulturen gibt und die zeichenhaft in Armut, in Ohnmacht (Gehorsam) und ohne Ausübung der Sexualität (Keuschheit) leben. Sie wollen durch ihre ungewöhnliche Lebensform diese hohen Werte von Macht, Reichtum, Sexualität relativieren, also auf Höheres beziehen – nämlich auf Gott.

Macht, Reichtum, Schönheit sollen dienen und sich unterstellen zuerst der Wahrheit und dann als Höchstem Gott, der die Fülle von Macht, Reichtum und Schönheit ist. In ihm fließen sie zusammen mit der Wahrheit, der Güte und dem Sein selbst. Und einen Strahl davon konnte ich spüren in der „Goldenen Basilika“.

(16.06.2009)