Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheLächerliche Kleinigkeiten
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Jesus macht uns Mut und gibt uns das Vertrauen, dass Gott auch um das Kleine weiß und dass bei ihm auch diese lächerlichen Kleinigkeiten nicht übersehen sind. Freilich soll es uns zuerst nicht um diese gehen, sondern darum dass Gott an erster Stelle steht und dass er regiert und nicht mehr die Angst um uns selbst.

Lk 12,6 Verkauft man nicht fünf Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch vergisst Gott nicht einen von ihnen. 

7 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. 

Lk 12,22 Und er sagte zu seinen Jüngern: Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. 

23 Das Leben ist wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung. 

24 Seht auf die Raben: Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben keinen Speicher und keine Scheune; denn Gott ernährt sie. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel! 

25 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? 

26 Wenn ihr nicht einmal etwas so Geringes könnt, warum macht ihr euch dann Sorgen um all das übrige? 

27 Seht euch die Lilien an: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. 

28 Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!

29 Darum fragt nicht, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und ängstigt euch nicht! 

30 Denn um all das geht es den Heiden in der Welt. Euer Vater weiß, dass ihr das braucht. 

31 Euch jedoch muss es um sein Reich gehen; dann wird euch das andere dazugegeben. 

32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.

(c) Christian Wode


Lächerliche Kleinigkeiten

Beim fröhlichen Frühstück beiße ich voll Freude und im Vertrauen auf meine guten Zähne ins knusprige Ränftel oder Knüstchen oder Endstück des Brotes und es knackt heftig. Das war allerdings ein Stück von meinem Backenzahn. Fröhliches Frühstück ist erst einmal unterbrochen. „Kennt Ihr hier einen guten Zahnarzt?" „Ja, da gehen wir schon seit Jahren hin. Ein Spezialist für Implantate." Noch habe ich alle meine Zähne im Mund und noch keinen Knochen gebrochen. Gott sei Dank! Jetzt wird es also mit dieser Unversehrtheit vorbei sein.

Zum Glück keine Schmerzen im Zahn. Aber was bedeutet das? Gutes oder schlechtes Zeichen? Die Zunge wird so langsam wund an der scharfgratigen Bruchstelle. Also die frohe Selbstgewissheit und Unbesorgtheit ist erst einmal zu Ende. Lächerliche Kleinigkeiten können einen aus allen Sicherheiten werfen, und zwar in Sekunden. Sie auch? Wann das letzte Mal?

Da frage ich mich oft, was denn mit meinem Glauben ist. Hält denn der kein bisschen aus? Ist er denn dermaßen erschütterbar? Das darf man doch keinem sagen, dass einen das dermaßen verunsichert! Der abgebrochene Fingernagel oder gerissene Schnürsenkel oder der drohende Zahnarztbesuch als Theodizeeproblem… Wie kann Gott das zulassen? Das scheint ein wenig übertrieben. Aber tatsächlich passiert das so. Einmal habe ich erlebt, wie eine Studentin mit Selbstmordgedanken zu mir kam, weil beim Besuch zu Hause ihr Bruder wieder das größere und schönere Stück ihrer Geburtstagstorte bekommen hatte. Es fiel mir nicht leicht, bei dem Gespräch ernst zu bleiben. Aber das war es. Es war ernst. Todernst. Lächerliche Kleinigkeiten, über die zu sprechen einem peinlich ist, ziehen einem den Teppich unter den Füßen weg. Abgründe und tödliche Schluchten tun sich auf. Auch bei Ihnen?

Es hilft nichts, lieber Thomas, Du bist eben tatsächlich so klein und schwach im Glauben. Knacks im Zahn gleich Knacks im Glauben. Gib es ruhig zu. Und du großer Glaubensdenker und Gottesgelehrter brauchst Dich nicht über diese Studentin erheben, bei der dieses Erlebnis mit der Torte das Symbol eines jahrzehntelangen unglücklichen Geschwisterverhältnisses war: „Immer und immer komme ich zu kurz, selbst an meinem Geburtstag, an dem doch ich einmal vorne stehen sollte. Immer, immer dasselbe. Ich habe es so satt. Ich will nicht mehr…" So ist es.

Zum Glück ist es aber auch umgekehrt so. Anscheinend lächerliche Kleinigkeiten können einen in großes Glück und jubelnde Freude versetzen. Denn mit meinem Zahn ist es gut ausgegangen. Der Doktor hat ihn gerettet und nach einer halben Stunde war ich wieder draußen. Keine der Schrecksvorstellungen war eingetreten. Keine wochenlangen Behandlungen. Keine Tausende von Euro, die ich von nun an im Munde tragen muss. Ich bin noch einmal davongekommen. Gerettet! Gott und die Welt, sogar die Menschen sind wieder gut. Gähnende Abgründe schließen sich. Die Sonne bricht wieder hervor. Gott sei Dank!

Lächerliche Kleinigkeiten sind es, aus denen unser Leben besteht. Wir dürfen sie sehen und ernst nehmen. Unser Herz oder unser Gefühl nehmen sie ja ernst, wie unsere befremdlichen Reaktionen zeigen. Nur unser Kopf nicht so richtig. Natürlich hat auch der Kopf Recht. Es ist schon gut, dass ich merke, wie übertrieben oft meine Ängste und Befürchtungen sind und wie übertrieben auch das, woran ich ermesse, ob und wie geliebt und getragen ich bin. Aber dennoch ist unser Leben im Alltag aus solchen Erlebnissen zusammen gesetzt. Und auch Gott hat ihrer Acht. Was sagt er zu seinen Jüngern: „Die Haare auf eurem Haupt sind alle gezählt…" (Mt 10,29ff). Das allerdings wird bei mir immer leichter. Sie gehen so langsam aus. Aber die Zähne zum Glück sind alle noch drin. Bis zum nächsten Mal und zum nächsten Knacks …

(11.11.2009)

Viele Grüße