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Dieses Bild befindet sich über dem Seiteneingang meiner Heimatkirche Sankt Ägidien in Heiligenstadt/Eichsfeld. Es stellt das Ringen Jesu um Gottes Willen im Ölberggarten dar. Im Vordergrund fleht Jesus, es möge der Kelch des Leidens an ihm vorübergehen. Gott verbirgt sich ihm. Seine weisende und segnende Hand ist hinter ihm im Schatten nur für uns sichtbar. Jesus sieht sie nicht. Unter der Hand Gottes auch die drei schlafenden Apostel. Dieses Bild aus dem Mittelalter ist auch kritisch und überzeitlich gemeint: Während heute Jesus  - der zugleich das Volk Gottes, den Leib Christi darstellt -  einsam und gottverlassen leidet, schlafen die Apostel, die eigentlich wachen, beten und Jesus beistehen sollten.


Mk 14,32 Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemani heißt, und er sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch und wartet hier, während ich bete.

33 Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst,

34 und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht!

35 Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe.

36 Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen).

37 Und er ging zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Simon, du schläfst? Konntest du nicht einmal eine Stunde wach bleiben?

38 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

39 Und er ging wieder weg und betete mit den gleichen Worten.

40 Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen; und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.

41 Und er kam zum dritten Mal und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Es ist genug. Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert.

42 Steht auf, wir wollen gehen! Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da.

(c) Thomas Gertler


Kein Wort 

Gibt es den letzten Sinn? Ist alles nur Unsinn? Sind wir getragen? Oder einfach nur da? Vor mir steht die verwelkte Rose. Sie stammt vom Grab meiner Mutter. Ich habe sie mir aufgehoben. Die verwelkte Rose – im Tod noch schön. Sie lässt ahnen, wie schön sie war, bevor sie geschnitten wurde. Die verwelkte Rose. Ist sie die Antwort auf alles? Und welche Antwort ist sie dann? Dass alles versinkt und stirbt? Dass nur trockene Blätter von ihr übrig bleiben. Und der Rest Erinnerung. Und auch die Erinnerung wird verblassen. Auch sie wird sterben mit mir. Einer wird dann diese Rose entsorgen. Was soll sie noch? 

Kein Wort. Schweigen. 

Oder ist die Rose auch als getrocknete noch ein Zeichen dafür, dass Schönheit wirklich ist. Und noch erahnbar in den vergilbten Blütenblättern. Dass es Schönheit gibt, auch wenn sie vergänglich ist wie ich. Dass der Duft tatsächlich im Raum war und gerade darum so kostbar, weil er so schnell entschwindet. Dass die eine Rose alles überwältigt (E. Strittmatter) und einen Sinn darstellt, gegen den alles Misslungene, alles Hässliche, alle Öde und Leere nicht ankommen? Dass die eine Rose den reinen Raum schafft, der nicht zerstört werden kann, auch wenn er zerstört wird. 

Ist das die Antwort? 


Wenn ich morgens vor meiner Ikone sitze, die schweigt und ins Ferne blickt, frage ich mich: Ist sie nur wie eine weiße Wand? Nichts sagend. Ein Neutrum. Ist sie das Schweigen Gottes vor allem Unglück und Leiden der Welt? Das gleichgültige und mitleidlose Prinzip in ewiger Unbewegtheit? Der Tod? Das Nichts. Nur ein Bild, dem nichts entspricht außer unserer Sehnsucht nach Sinn. Nur ein Bild, kein Abbild des lebendigen Jesus? 

Keine Antwort. Schweigen. 

Wenn ich vor meiner Ikone sitze, die schweigt und ins Ewige blickt, frage ich mich: Ist sie die Antwort auf alles? Weil sie all mein Leiden relativiert. All mein Verhaftetsein im Augenblick erlöst. Alles aufnimmt in eine schweigende, verstehende, erbarmende und alles heilende Güte. Weil ich dann nach langem Schauen sehe: Diese Augen sehen nicht nur ins Unendliche, sie sehen auch mich in meinem Jetzt und meiner Not. Aber sie sehen auch weiter. Sie sehen die Ewigkeit. Und dieser Mund – ist da nicht doch ein leichtes Lächeln, das mich tröstet und mich hoffen lässt, dass es mit gilt? 

Illusion? Glaubenwollen um jeden Preis? Oder Antwort?

Not unseres Menschenlebens. Kein Wort einfach klar von oben, das alle Zweifel nimmt und eindeutig ist. Und so viele, so gegensätzliche Antworten auf das Schweigen, auf die Vieldeutigkeit unserer Wirklichkeit. Ich spüre mein Alleinsein. Ausgesetzt wie in kalter Nacht auf dem Ölberg. Die anderen schlafen in Trauer oder Gleichgültigkeit oder Naivität. Und ich quäle mich. 

Ohne Wort muss ich doch Antwort geben mit meiner Existenz. 

Mein eigenes Dasein ist Antwort. Oft genauso vieldeutig wie die Wirklichkeit selbst: zwiespältig, ambivalent, kaputt und kleingläubig. Manchmal eindeutig hin zur Verzweiflung, hin zu Sinnlosigkeit, zur Betäubung, zum Tod. Manchmal aber auch gnädigerweise Antwort, die sich der Antwort Jesu auf das Schweigen Gottes am Ölberg anschließt. Trotz des Dunkels Vertrauen darauf, dass Leiden, Schuld, Kälte, Nacht, Folter und Tod nicht das Letzte bleiben, sondern die Liebe. Und so schaue ich auf die Rose und das Bild von Jesus. 

Dass Sie in diesen Tagen den Weg der Liebe mitgehen und ihr neues Aufblühen und ihre Schönheit erfahren, wünsche ich Ihnen von Herzen 

Thomas Gertler SJ 

(30.03.2010)

Die eine Rose 

Die eine Rose überwältigt alles,
Die aufgeblüht ist aus dem Traum. 
Sie rettet uns vom Grund des Falles.
Schafft um uns einen reinen Raum,
In dem nur wir sind und die Rose. 
Und das Gesetz, das sie erweckt.
Und Tage kommen, reuelose.
Vom Licht der Rose angesteckt. 

Eva Strittmatter

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