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Das Markusevangelium beginnt mit dem Auftritt des Johannes. Im 1.Kapitel heißt es:

3 Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

4
So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.
5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.

7 Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.

8 Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
Verse 1-8

Von Jesus heißt es im gleichen Kapitel:

14 Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa;

15 er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

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Johannes der Täufer


Innere Umkehr verändert die Verhältnisse

Nach dem Bericht des Lukas war Johannes genau ein halbes Jahr älter als Jesus. Die Mütter, Elisabeth und Maria, waren Kusinen. Im Vergleich zu Jesus wirkt Johannes ernster, rauer, mehr durch den Bußgedanken geprägt. Aber Jesus distanziert sich nicht von seinem Vetter. Er beginnt sein öffentliches Wirken, indem er sich von Johannes im Jordan taufen lässt. Da erkennt Johannes, dass Jesus der lang ersehnte Messias ist.

Beide fordern eine Kehrtwende. Die Menschen gehen sogar darauf ein. Die Einwohner Jerusalems und des umliegenden Gebiets kommen zu Johannes an den Jordan herunter, um die Bußtaufe zu empfangen. Offensichtlich hatten viele das Gefühl, dass es so nicht weitergeht. Israel war damals von den Römern besetzt, für viele ein Zeichen, dass sie nicht nach den Geboten Gottes gelebt hatten. Sonst würde Gott die Besetzung des Landes nicht zugelassen haben. Wie heute gab es auch damals Menschen, die mit Attentaten die Römer vertreiben wollten. Einige dieser Zeloten wurden sogar Jünger Jesu, weil sie in ihm den neuen König sahen, der Israel von der Fremdherrschaft befreien würde.

Die Themen sind gleich geblieben, der Kampf um das Land geht weiter.


Johannes hat nicht zum bewaffneten Kampf aufgerufen, sondern zur inneren Umkehr, die im Zeichen der Bußtaufe ihren Ausdruck findet. Auch Jesus hat nicht zum Einsatz von Machtmitteln gegriffen, sondern die gleiche Aufforderung wie Johannes wiederholt: Ihr selbst müsst euch ändern, dann findet ihr zu Gott zurück, dann werden euch eure Sünden vergeben und ihr werdet heil. Das ist das Erste und Wichtigste. Veränderte Herzen führen von selbst zu neuen Verhältnissen.

Wenn wir diese Maßstäbe an die Auseinandersetzungen in Persien anlegen, dann kann man weder bei Johannes noch bei Jesus die Aufforderung finden, nicht den Mund aufzumachen. Beide sind öffentlich aufgetreten und Jesus fordert auf, von den Dächern zu verkünden, was geheim gehalten werden soll. Das Wort soll kraftvoll sein. Aber woher soll die Kraft kommen? Viele meinen, dass man den Worten durch Gewalttaten Nachdruck verleihen soll. Aber dann nimmt man den Gegner nicht mit. In Persien berufen sich beide Seiten auf Allah. Wenn sie Johannes und Jesus folgen würden, könnten sie nicht auf das Mittel der Gewalt zurückgreifen. Das tun im Moment die Regierenden. Für den Islam wie auch für das Verhältnis zwischen den Religionen wäre es ein Fortschritt, wenn beide Seiten sich Gott zuwenden und von der Verwandlung der Herzen die Lösung erwarten würden.

Wir können das, was uns der Iran vor Augen führt, auf die Verhältnisse hier anwenden. Es ist im Moment nicht so spektakulär, obwohl die Finanzkrise fast mit einem Kriegszustand zu vergleichen ist. Oder die Situation der katholischen Kirche mit dem Mangel an Priestern, dem Rückgang der Finanzen und damit der Zusammenlegung von Pfarreien. Gehen die deutschen Katholiken zu Johannes an den Jordan, vertrauen sie auf eine innere Bekehrung? Das ist nicht zu beobachten. Wer tatsächlich etwas ändern will, sollte dem Rufe des Täufers folgen und innerlich umkehren. Es gibt nur den Weg, den Johannes und Jesus fordern: Kehrt zuerst selbst um, ehe ihr erwarten könnt, dass sich die Verhältnisse ändern.

Eckhard Bieger S.J.

(23.06.2009)