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Es gibt nicht nur das Wort vom Ja und vom Nein bei Jesus. Es gibt auch ein Lob der Grenzen in der Bibel. Mit meinen Grenzen kann ich auch Frieden haben. Ja, sichere Grenzen verschaffen mir Frieden. Und Gott will mir darin Frieden schaffen. So singt der Psalm 147


Ps 147,12 Jerusalem, preise den Herrn, / lobsinge, Zion, deinem Gott!

13 Denn er hat die Riegel deiner Tore fest gemacht, / die Kinder in deiner Mitte gesegnet;
14 er verschafft deinen Grenzen Frieden / und sättigt dich mit bestem Weizen.



Es gibt Leute, die fangen jede Erwiderung mit Nein an und es gibt welche, die fangen immer mit Ja an. Welches ist Ihr erstes Wort?
Natürlich ist es angenehmer für die Teilnehmer mit Ja zu beginnen. Das schafft erst einmal Bestätigung und Gemeinsamkeit. Mir fällt auf, dass bei den morgendlichen Interviews am Radio ein Ritual herrscht, dass immer erst einmal die geäußerte Meinung oder Ansicht des Journalisten aufgreift und bestätigt und dann erst fortfährt: „Ja, Sie haben Recht die Umfrageergebnisse für unsere Partei sind sehr schlecht in der letzten Zeit, aber…“ Auch wenn die Anfrage sehr hart und negativ war, erst einmal positiv bestätigend reagieren. Natürlich gibt es unter den befragten Politikern welche, die auf den Neinseite liegen. Dann gibt es ziemlich konfrontative, distanzierende und gar nicht entspannende Morgentalks.

Ich bin eher ein Ja-Sager-Typ. Es fällt mir schwer Nein zu sagen. Nicht nur im Gespräch, sondern überhaupt. Ich komme immer lieber entgegen und nehme an: Arbeit, Termine, Wünsche. Ja, aber dann habe ich den Salat, denn dann muss ich nun mit all dem fertig werden. Aber die anderen sind immerhin zufrieden.

Es hat lange gebraucht, bis ich das gemerkt habe. Und verstanden habe, welche innere Einstellung dahinter steckt.

Ja sagen und Entgegenkommen heißt, ich möchte von den anderen gemocht werden und selbst bejaht werden. Ich möchte Frieden haben und zufrieden sein. Keine Spannungen, Abgrenzungen und Konflikte. Freilich schaffe ich mir damit Probleme.


Ich nehme nicht nur zu viel an. Es ist auch so, dass ich oft nicht wirklich Ja meine, nur Ja sage. Innerlich habe ich einen Vorbehalt. Gebe es aber nicht zu, weder vor mir selbst noch vor meinem Gegenüber. Und das führt dann zu Enttäuschungen. Ja, ich kann dadurch auch ein Problem und eine Konflikt verlängern und erschweren. So habe ich einmal meine Gemeinde in Leipzig länger als ein Jahr mit einem Konflikt beschäftigt, nur weil ich nicht Nein sagen und mich nicht unbeliebt machen wollte. Es konnte erst weiter gehen, als ich dann durch den Druck des Pfarrgemeinderates bereit war, auch einmal Nein zu sagen, den Konflikt aufzunehmen und durchzustehen.

Da habe ich dann erkannt, dass auch Nein-Sagen sehr gut und hilfreich sein kann. Ja, ein Segen.

Die Distanz, die das Nein schafft, schafft auch Freiheit, und zwar oft für beide Seiten. Ich darf und muss auch Nein sagen. Und ich muss es lernen, zu meinem Nein zu stehen.


Ich bin dann ganz dankbar gewesen, zu entdecken, was Jesus gesagt hat: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel“ (Mt 5,37). Ich darf auch Nein  sagen und zwar ein klares Nein, ein eindeutiges Nein, ein deutliches Nein. Oder anders gesagt: Dein Ja soll wirklich ein Ja sein und dein Nein wirklich ein Nein. Beides ist vorgesehen. Beides ist gut.

Das Nein erkennt an, dass ich Grenzen habe. Und auch das ist eine Gnade und ein Segen. Ich bin nämlich tatsächlich begrenzt. Und es ist eine teuflische Versuchung, zu meinen, ich könnte alles lösen. Ich könnte alles annehmen. Ich könnte alles leisten. Ich könnte allen helfen. Ich könnte alles leisten. Dann wollte ich sein wie Gott.


Ich bin aber – Gott sei Dank – nicht Gott. Ich muss nicht die ganze Welt erlösen. Ich muss nicht mit allen und allem zu Recht kommen. Ich muss nicht immer Zeit haben. Ich darf wirklich meine Grenzen anerkennen. Und sie auch gegenüber anderen markieren.


Ganz einfach auf mein Menschsein übertragen heißt das: Meine Haut ist meine Grenze. Wie wohl fühle ich mich in meiner Haut? Wie sicher bin ich meiner Grenzen? Was sagt mir meine Haut über meine Grenzprobleme, über meine Abgrenzungsprobleme und meine Schwierigkeiten mit Nähe und Abstand. Auch da gilt beides: Ja ist gut und Nein ist gut.

Der Himmel wird darin bestehen, dass ich Gott wirklich von Herzen dafür danken kann, dass ich sein endliches und begrenztes Geschöpf bin. Dass ich endlich gerade darin Gottes Geschenk an mich ganz persönlich erkenne. Dass ich nicht wie Gott sein will, aber doch in all meiner Begrenztheit, in seine unbegrenzte und unendliche Liebe aufgenommen bin. Dass ich Gottes unendliche Liebe erkennen und empfangen kann und dadurch gewissermaßen begrenzt unbegrenzt bin und endlich unendlich. Aber das ist schon wieder zu philosophisch.