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Eine ganz ähnlich ängstigende Erfahrung machen die Jünger. In der größten Not scheint Jesus nicht (für sie) da zu sein.


Der Sturm auf dem See


23 Er stieg in das Boot, und seine Jünger folgten ihm.
24 Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los, sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief.
25 Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!

26
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See und es trat völlige Stille ein.
27 Die Leute aber staunten und sagten: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?



Spuren im Sand



Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen
Vorüber gezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
das an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
dass in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er: „Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur
gesehen hast, da habe ich dich getragen.“


Margaret Fishback Powers

Originalfassung des Gedichts Footprints (c) 1964 Margaret Fishback Powers; deutsche Fassung des Gedichts Spuren im Sand (c) 1996 Brunnen Verlag, Gießen.




Dieses Gedicht aus den 60er Jahren von Margaret Fishback Powers las ich das erste Mal vor ziemlich genau 8 Jahren im Vorbereitungskurs für meine eigene Firmung. Damals war ich gerade 16 Jahre alt und muss zugeben, bis dahin von schwerwiegenden Tiefen im Leben noch nicht betroffen war – so dachte ich.
Das Gedicht hat mich trotzdem berührt. Zwar konnte ich es auf mich selbst nicht recht übertragen, doch der Gedanke, dass Gott den Menschen gerade in den schwersten Zeiten seines Lebens trägt und dieser es nicht mal bewusst spürt hat, fand ich „schön“.

Drei Jahre später bummelte ich während eines Amerikaurlaubs durch ein Geschäft und entdeckte ein Päckchen mit 10 kleinen Karten, auf denen dieses Gedicht gedruckt war. Ich befand mich auf einem anderen Kontinent in einem kleinen Laden in einer kleinen Stadt und wurde an meine Firmvorbereitungszeit erinnert. Sofort kaufte das Päckchen mit dem Gedanken, diese 10 Karten an Menschen zu verschicken, die ich daran erinnern möchte, dass sie nicht alleine sind, dass sie versuchen sollten zu spüren, wer sie trägt. Dieser Urlaub ist 5 Jahre her, 4 Karten habe ich noch immer in meinem Päckchen.

Heute lese ich dieses Gedicht ganz neu. Besonders in Hinblick auf meine Firmvorbereitungszeit. Dieser Kurs war auf 3 Monate ausgelegt, jeden Monat fuhren alle Firmlinge gemeinsam mit den Katechetinnen für ein Arbeitswochenende in ein nahe gelegenes Kloster.

Beim ersten Wochenende war ich Feuer und Flamme. Wir lasen verschiedene Texte, tauschten uns aus, sprachen viel über unseren Glauben. In Bezug auf meine Firmung dachte ich nur kurz: „Selbstverständlich lasse ich mich firmen. Gar keine Frage! Ich war und bin gläubig, das gehört jetzt einfach als nächster Schritt dazu!“

Bis zum nächsten Wochenende im Kloster vergingen 5 Wochen, in denen wir uns einmal in der Woche in der Gemeinde trafen und mein Feuer und meine Flamme schienen immer kleiner zu werden.

Wir besprachen das Leid-Problem, das die Frage stellt: „Wenn es Gott gibt, warum gibt es dann das Leid und das Böse in der Welt?“ – „Ja warum eigentlich?“ dachte ich.


Warum müssen eigentlich so viele Menschen in Kriegen und Hungersnöten sterben? Oder viel näher: Warum kommen Kinder auf die Welt, die durch Krankheit nicht einmal ein Jahr alt werden? Warum treffen oft gerade gute Menschen schwere Krankheiten? Wo ist bei alle dem Gott? Warum lässt er dies zu? Da scheint sich der allmächtige Gott wohl rauszuhalten!

Ich wurde immer kritischer. Auf das zweite Wochenende fuhr ich bloß aus Pflichtbewusstsein mit. Das Thema Firmung war für mich beendet. Ich spürte kein Feuer mehr in mir und erhielt keine befriedende Antworte auf meine Frage – weder von den Katechetinnen noch von Gott. Es war Stille. Ich hörte nichts mehr von „ihm“ – Nur Funkstille? Oder war da überhaupt niemand? Für mich war es eindeutig Stille – Leere – Nichts. „Gott kann es bei all dem Elend gar nicht geben und antworten tut er mir jedenfalls nicht!“ davon war ich nun überzeugt.

Ich zog mich ins Zimmer zurück, während die Anderen weiter arbeiteten. Bis eine Katechetin das Zimmer betrat und sagte, ich solle nun mitkommen. Ein Bruder des Ordens möchte mit uns sprechen. Sie habe das Gefühl, dass ich ihn hören solle.

Daraufhin kehrte sich bei mir alles um. Der Bruder erzählte von einer Situation in seinem Leben, in der er Gott „verloren“ hatte. Dann passierte ein schrecklicher Unfall und es brach viel Leid in sein Leben ein. Doch „etwas“ habe ihn getragen, damit er nicht völlig zusammenbreche. „Etwas“ war plötzlich da. Er hörte und spürte genau hin. Da fühlte er das Tragen Gottes in dieser schrecklichen Situation seines Lebens.

Gott war doch da! Er hat sich nicht raus gehalten oder ferngehalten. Gott ist unsichtbar und ganz leise gewesen!


In diesen Stunden steckte mich dieser Bruder mit der Flamme wieder an. Am 11.11.2000 ließ ich mich überzeugt firmen. Die stützende und tragende Hand meiner Firmpatin auf meiner Schulter verdeutlichte und verinnerlichte mir noch einmal die tragende Hilfe Gottes in meinem Leben.

Heute kann ich sagen, ich war erst 16 und hatte doch schon eine „Krise“ – ich fühlte mich Gott verlassen. Aber Gott hatte mich nicht verlassen, er war unsichtbar und leise, er ließ mich fragend meinen Glauben prüfen und zeigte sich mir durch einen anderen Menschen.

Fragen und Momente des Zweifelns gibt es immer wieder. Doch seitdem versuche ich auch mal leise zu sein. Mal zu prüfen, ist da vielleicht doch jemand?


Nicht gleich kritisch und laut davon auszugehen, dass Gott mich verlassen hat. Und diese Momente sind wichtig, auch wenn sie schwierig und schwer sind.
Wie wäre unser Leben, wenn es ganz glatt verlaufen würde? Ohne Steinchen auf dem Weg oder manchmal sogar ganzen Felsen? Wir sind aufgefordert diese Hürden bewusst in Angriff zu nehmen – aber nie allein, das dürfen wir bloß nicht vergessen


Stephanie T.