Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheIntimität
DeutschEnglishFrancais

So schildert das Evangelium dieses Hineingehen Gottes in unsere Alltäglichkeit

Lk 2,1 In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.

2 Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.

3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

6 Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,

7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

Mt 9,35 Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden.

36 Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.

Joh 4,6 Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.

Mk 6,30 Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.

31 Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.

32 Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein.

(c) Wode


Intimität

Zuweilen fühle ich mich ziemlich müde und ausgepumpt, verbraucht und ausgelaugt. Das ist nichts Besonderes und nicht weiter erwähnenswert vor Weihnachten. Aber gerade jetzt ist ja noch eine weitere Kraftanstrengung von mir erwartet, nämlich ein Wort des Trostes, des Friedens, der Freude zur Weihnacht.

Nun, es ist ganz einfach und hat mich selbst gerade erreicht. Mitten hinein in diese Erschöpfung und Überanstrengung. Das Unglaubliche von Weihnachten ist, dass das nun auch Erfahrungen Gottes selbst sind. Dass sich Gott hineinbegibt mitten in all dieses Menschliche und Allzumenschliche. Es am eigenen Leibe erfährt. Dass er es mit uns lebt. Dass er es mit mir lebt. Mit mir teilt.

Nein, das ist doch etwas zu stark und etwas übertrieben! Doch nicht hinein in all dieses Menschliche, mitten hinein in Blut, Schweiß und Tränen, Blood, Sweat & Tears. Ist das nicht doch etwas überzogen, geschmacklos, unästhetisch und dann auch irgendwann unfreiwillig komisch? Wie in dem viel verspotteten frommen Hymnus:

„Klein ist Gott geworden

 still tut er sein Geschäft…“

Nun ja, Spott mit Recht. Und andererseits: was soll Menschwerdung anderes heißen als Gottes Hineingehen in alle Wirklichkeit der Welt, wie sie ist? Tatsächlich Nähe Gottes. Verwirklichung Seines Namens: „Ich bin der Ich bin da“ (Buch Exodus 3). Gott ist da. Er ist da in allem. Jetzt in Jesu Geburt in noch tieferer Weise wahr und wirklich geworden. Inkarnation. Menschwerdung. Fleischwerdung. Konkretwerden. Zusammenwachsen mit uns.

Das ist dann auch erschreckend. Denn allem ist Er nahe. In allem zugegen. Ist das auszuhalten? Diese Intimität mit Gott? Wir gewöhnlichen Alltagsmenschen halten es nur aus, wenn wir nicht immer daran denken. Ab und zu mal wird es mir bewusst und dann erschrecke ich oder ich bin sehr getröstet. Wie jetzt gerade. Meistens aber lebe ich nicht in diesem Bewusstsein der intimen Nähe Gottes. Wie Alfred Delp gesagt hat: „Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind…“ Aber auch diese Dumpfheit gehört zu unserer Alltäglichkeit, in die Er hineingegangen ist.

Die Heiligen, die mehr in Gottes Gegenwart leben und sich tiefer in diese Wahrheit hineinlassen und offenere Augen haben und nicht so blind sind, können das nur aushalten durch Ehrfurcht. Zum einen und zuerst durch die Ehrfurcht Gottes uns gegenüber. Das ist mir immer wieder das Erstaunliche an Gott. Seine Achtung vor dem Menschen. Seine Ehrfurcht uns gegenüber. Mir gegenüber. Er beachtet unsere Freiheit. Er ist da. Aber er ist unmerklich da. Er ist gewissermaßen vorsichtig oder mit Abstand da. Er überwältigt uns nicht durch seine Gegenwart. Das ist Zeichen Seiner Zurückhaltung und Ehrfurcht. Seiner zarten Liebe. Diese ist aber nicht schwach, sondern allmächtig und wahr und erspart uns nicht die Wahrheit über uns und über die Welt, sondern offenbart sie uns.

Und diese Nähe Gottes ist als zweites nur auszuhalten durch unsere Ehrfurcht allem Geschaffenen und am meisten Gott gegenüber - als Antwort darauf. Das ist dann auch die Haltung der Heiligen. Das Bewusstsein, Erleben und Erfahren der Nähe Gottes verwandelt sie. Macht sie zu Menschen voller Ehrfurcht. Und zuweilen begegne ich solchen Heiligen. Sie besitzen diese Ehrfurcht, diese zarte Liebe jedem Menschen gegenüber. Man spürt diese Nähe, Zartheit und Diskretion, die ehrfürchtige Intimität. Sie ist gepaart mit Freude und Humor. Denn diese Haltung ist ja nichts Verlogenes, Verkitschtes und Süßliches, sondern geht eben zusammen mit dem Wissen um unsere Wahrheit, um die Schwachheit, Menschlichkeit und auch Unerlöstheit und Gottferne. Da sind diese Heiligen sehr realistisch. Auch im Wissen um meine Müdigkeit, Erschöpfung und Leere.

Aber die sind jetzt schon fast nicht mehr wichtig…
 

Ich wünsche Ihnen allen die Freude und den Frieden der Weihnacht und lassen Sie sich einladen von Jesus, ein wenig mit ihm allein zu sein (s. u. Mk 6,32)

23.12.2008