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So beschreibt die Apostelgeschichte dieses Ereignis

(c) Thomas Gertler


Apg2, 1
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.

2
Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

3
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.

4
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

5
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

6
Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.

7
Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?

8
Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:

9
Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,

10
von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,

11
Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

12
Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten?

(c) Thomas Gertler


In neuen Sprachen reden…

 
Es ist die Gabe des Heiligen Geistes zum Pfingstfest, dass die Jünger „in fremden Sprachen reden und Gottes große Taten verkünden“ (Apg 2,4 und 11). Ich wünschte mir sehr, dass diese Gabe des Geistes sich sehr schnell an mir erfüllt, seit ich hier in Padua bin und versuche, Italienisch zu lernen, zu verstehen und zu sprechen. Und zuweilen wünsche ich mir sehr, dass es damit schneller, einfacher, gründlicher ginge. Am besten ganz von selbst. Ach, wäre das schön. Aber ich muss leider mühsam Schritt für Schritt gehen. Allerdings merke ich, wie der Kopf vieles irgendwie von selbst ordnet und begreift, gewissermaßen eigene Wege geht und das Seine tut, ohne dass ich mir dessen ganz bewusst bin, ohne das sehr beschleunigen oder verändern kann. Wie bei einem Kind, das lernt. Es hat ja auch keine Bücher und Grammatiken. Es lernt die Sprache durch Zuhören, Nachahmen, Nachsprechen. Durch mühseliges eigenes Formulieren. So ähnlich geht es mir. Ich mache Fortschritte. Aber langsam. Nicht auf einen Schlag wie es die Apostelgeschichte von den Jüngern erzählt.
 
Aber mit diesen Sprachen der Jünger und Jüngerinnen ist auch mehr gemeint als ein Fremdsprachenkurs. Es geht darum zu verstehen, was Gott uns sagt. Zuerst einmal darum, dass die Jüngerinnen und Jünger verstehen, was da passiert ist in Jerusalem: der Tod Jesu, sein Begräbnis und dann die völlig unglaubliche Wiederbegegnung. Wiedersehen mit einem tot Gewussten, nicht nur tot Geglaubten. Das zu verstehen, heißt alles zu verstehen. Alles neu zu verstehen. Heißt Gottes Sprache verstehen. Gottes Geist verstehen. Gottes Handeln verstehen. Und dieses Verstehen verwandelt. Das macht mich zu einem anderen Menschen. Die Schallmauer des Todes ist durchbrochen. Das Undurchdringliche ist geöffnet. Und zwar nicht von mir zu Gott. Sondern von Gott zu mir. Er durchdringt die Todesmauer, die mich und meine Welt umgibt. Er öffnet unsere Sinne und er eröffnet den Sinn der Welt. Das ist nicht der Tod und im Tod die totale Verlassenheit, Vereinsamung und Vereinzelung und Trennung von allem Geliebten, die uns manchmal anwehen und Angst machen. Nein, es ist die Einheit, die Gemeinschaft, das Verstehen und die Liebe. Sie sind der Sinn von allem.
 
Und das ist das erste, was die Jünger verstehen. Das ist der Geist von Pfingsten. Das ist nicht nur Verstehen des Verstandes. Das ist Verstehen als Verwandlung. Verstehen als neues Stehen in der Welt und verändertes Stehen zur Welt und zu den Menschen. All das wollen die Bilder des Pfingstfestes ausdrücken: Gottes Geist als Feuer, das erleuchtet, läutert, wärmt und wandelt. Sturm, der frische Luft bringt, eine neue Atmosphäre. Sturm, der Türen und Fenster öffnet, eine Kraft, die unwiderstehlich ist, die ganz frei und unberechenbar ist. Damit kommt wirklich Neues in die alte Welt. Die neue Welt Gottes ist mit der Auferweckung Jesu und mit seinem Geist mitten in der alten Welt angebrochen. Sie ist unter uns gegenwärtig. Die neue Schöpfung, das neue Sein, die neue Zeit, die Herrschaft Gottes.
 
Und das Kennzeichen dafür ist die neue Sprache und das neue Verstehen. Es gibt wieder ein Einverständnis unter den Menschen. Sie verstehen Gott und nun auch einander. Sie verstehen die Welt. Die Welt und die Dinge sprechen neu, erschließen sich neu. Gewinnen neue Dimensionen. Und das ist auch heute so. Das geschieht auch heute so. Ein Beispiel habe ich in Bologna erlebt mit der Gruppe: „Petre vive“ oder „Lebendige Steine“. Sie versucht die neue Sprache, das neue Verstehen, die Botschaft des Glaubens über die Kunst zu vermitteln. Ein Bild der uralten Kirche „San Stefano“, wo die Gruppe ihre Führungen anbieten, habe ich Ihnen wieder mitgebracht.
 
Überall auf der Welt gibt es christliche Kunstwerke. Weltberühmte Bauwerke mit großen Kunstschätzen. Sie werden von Millionen Menschen besucht und angeschaut. Aber werden sie auch verstanden? Reicht es, wenn gesagt wird: ‚Diese Figur hat Tilman Riemenschneider im Jahre 15… für diese Kirche im Auftrag von dem und dem geschnitzt’, aber es wird nichts dazu gesagt, wer das ist, warum sie so aussieht, welche Bedeutung diese Figur für den Glauben hat, in dem sie von ihm geschnitzt wurde und in dem sie von den Menschen angeschaut wurde? Worum sich diese Gruppe bemüht, ist nicht nur die korrekte Erklärung von Architektur und Kunst, sondern die Eröffnung der Bedeutung, die Erschließung des Glaubens, von dem das Kunstwerk ein Zeugnis ablegt. Ich verstehe dieses religiöse Kunstwerk erst wirklich, wenn ich das Glaubenzeugnis erfasse, aus dem es hervorgegangen ist.
 
Auch die Kirchengebäude, vor allem die Kirchen der großen Kunstepochen wie der Romanik, der Gotik und des Barock geben ein solch ein Glaubenzeugnis. Es wollen wirklich Gotteshäuser sein oder der Himmel auf Erden oder Wohnstätte Gottes und der Heiligen. So wollen sie erlebt und betreten werden. Und da steckt so viel an Details drin, dass tatsächlich diese Gebäude und ihr Bildprogramm zu sprechen beginnen, wenn sie verstanden werden. Dass sie mich selbst mitnehmen und selbst neu aufschließen für diese Welt Gottes.
 
So habe ich es gerade selbst erlebt mit dem Bildprogramm aus der Taufkapelle, dem Baptisterium des Domes in Padua.
 
Fünf Minuten von meinem Zimmer entfernt. Geschaffen sind die Fresken von Giusto de’ Menabuoi im 14. Jahrhundert. Das Bild des Paradieses zum Beispiel kann einem so nahe gehen, dass man davon ganz erschüttert ist. So schrieb es mir eine gute Freundin, der ich das Bild geschickt habe: „Nun spüre ich, dass alles gut wird“.
 
Von Herzen wünsche ich auch Ihnen diese Erfahrung!

(02.06.2009)