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Angelus Silesius 1624 - 1677


Morgenstern der finstern Nacht


Morgenstern der finstern Nacht,
Der die Welt voll Freuden macht,
Jesu mein,
Komm herein,
Leucht’ in meines Herzens Schrein.

Schau, Dein Himmel ist in mir,
Er begehrt Dich, seine Zier;
Säume nicht,
o mein Licht,
Komm, komm, eh der Tag anbricht.

Deines Glanzes Herrlichkeit
Übertrifft die Sonne weit;
Du allein,
Jesu mein,
Bist, was tausend Sonnen sein.

Du erleuchtest alles gar,
Was jetzt ist und kommt und war,
Voller Pracht
Wird die Nacht,
Weil Dein Glanz sie angelacht.

Deinem freudenreichen Strahl
Wird gedienet überall:
Schönster Stern,
Weit und fern
Ehrt man Dich als Gott den Herrn.

Ei nun, goldnes Seelenlicht,
Komm herein und säum’ Dich nicht;
Komm herein,
Jesulein,
Leucht’ in meines Herzens Schrein.

Angelus Silesius 1624 - 1677
Morgenstern der finstern Nacht

Morgenstern der finstern Nacht,
Der die Welt voll Freuden macht,
Jesu mein,
Komm herein,
Leucht’ in meines Herzens Schrein.

Schau, Dein Himmel ist in mir,
Er begehrt Dich, seine Zier;
Säume nicht,
o mein Licht,
Komm, komm, eh der Tag anbricht.

Deines Glanzes Herrlichkeit
Übertrifft die Sonne weit;
Du allein,
Jesu mein,
Bist, was tausend Sonnen sein.

Du erleuchtest alles gar,
Was jetzt ist und kommt und war,
Voller Pracht
Wird die Nacht,
Weil Dein Glanz sie angelacht.

Deinem freudenreichen Strahl
Wird gedienet überall:
Schönster Stern,
Weit und fern
Ehrt man Dich als Gott den Herrn.

Ei nun, goldnes Seelenlicht,
Komm herein und säum’ Dich nicht;
Komm herein,
Jesulein,
Leucht’ in meines Herzens Schrein.

(c) Christian Wode


In der Sonne sitzen


Im Park von Sankt Georgen ist es still an diesem strahlenden Sonntagmorgen. Sommer. Bienen. Das Gras noch frisch und feucht vom Tau. Ich sitze auf der Bank und lasse mich anstrahlen von der Sonne. Mit auf der Bank habe ich mein Tagebuch und die Bibel. Aber ich schreibe nichts. Ich lese nichts. Ich lasse mich anstrahlen. Wie gut!

Diese Strahlen, die mich wärmen, waren eben noch ganz, ganz, ganz weit weg. Wie viele Kilometer eigentlich? Die Sonne – so weit weg und doch eine solche enge Verbindung. Direkt von der Sonne auf meine Haut. Lichtgeschwindigkeit. Ist das nicht unglaublich? Von so weit und doch so nah und so direkt auf meiner Haut. Direkte Verbindung zum Weltraum. Und eine solche Kraft. Die Strahlen wärmen nicht nur. Sie brennen an diesem Morgen fast auf der Haut. Ich habe das gern. Wenigstens eine Weile. Für die Augen ist es fast zu viel. Ich lege die Brille weg und schließe die Augen. Dann spüre die Sonne noch deutlicher auf meiner Haut, weil ich nicht abgelenkt werde.

Kennen Sie noch den Schlager: „Die Sonne scheint bei Tag und Nacht – evviva España – der Himmel weiß, wie sie das macht – evviva España!?“ Ich habe immer gedacht, wie kann man so einen Unsinn schreiben und singen? Denn ich habe natürlich gedacht, es meint, dass in Spanien die Sonne auch im Dunkeln scheint. Und das ist ja Quatsch. Aber andererseits stimmt der Text ja. Tatsächlich scheint die Sonne bei Tag und Nacht. Sie geht gar nicht unter. Sie scheint immer. Auch wenn es uns nicht so scheint. Nicht die Sonne geht unter. Wir gehen unter, oder besser, wir drehen uns weg, raus aus der Sonne. Vom spanischen König Karl V. hat man gesagt: „in seinem Reich geht die Sonne nicht unter…“ Denn dieses Reich reichte ja tatsächlich fast einmal um den Globus herum. Und irgendwo auf unserer Drehkugel ist immer Tag. Wie auch immer irgendwo Nacht ist.

Die Sonne – so fern und doch so nah. Die Sonne unsere Mitte. Wir drehen uns um sie. Und alles dreht sich um sie. Denn ohne die Sonne gehen wir alle unter. Ohne die Sonne stirbt alles Leben auf Erden. Eines Tages wird das passieren. Kann man sagen: „eines Tages?“ Schon eine Sonnenfinsternis ist ja ein Ereignis, das alles verstummen lässt. Ich erinnere mich an die eine totale Sonnenfinsternis, die ich bewusst erlebt habe. Im Urlaub vor ein paar Jahren. Es war tatsächlich so, dass eine völlige Stille eintrat. Kein Hundebellen, kein Vogelzwitschern. Die Tiere versteckten sich. Und fahles Licht. Grau und grauenhaft. Und Kühle und Wind. Nur manche Leute waren laut – aber auch eher, um den metaphysischen Schrecken zu überspielen, um so zu tun, als mache das alles nichts, denn wir wissen ja, was es ist und wir wissen ja, gleich ist es vorbei. Die Tiere haben ehrlicher reagiert. Ohne Sonne oder nur mit stark verminderter Sonne, wird das Leben auf dieser Erde nicht mehr weiter gehen.

Ich sitze in der Sonne und es tut mir so gut. Und mir kommt ein, dass sich alle die Gedanken, die mir über die Sonne gemacht habe, auch auf Gott und unser Verhältnis zu Ihm übertragen lassen. Meist bin ich mir ja der Gegenwart der Sonne gar nicht so bewusst. Aber wenn es tatsächlich einmal nicht Tag würde, ja schon wenn die Sonne für uns viel weniger fühlbar ist als im Winter, dann geht es uns nicht so gut und wir sehnen uns nach dem Frühling und dem Sommer, wenn es wieder hell und warm wird. Gott ist immer da, aber wir bemerken es oft gar nicht. Wir müssen es uns bewusst machen. Bewusst in seine Gegenwart treten. Wenn ich das versucht habe, dann tue ich oft auch nichts anderes als an diesem Sonntag auf der Parkbank: Mich anstrahlen lassen von Gottes Gegenwart, von den Strahlen seiner Liebe, die mich wärmen. Von den Strahlen seines Geistes, die mich erleuchten. Und an diesem Sonntag war die Sonne wirklich Zeichen Gottes für mich. In ihren Strahlen habe ich Gottes Wärme und Liebe gespürt.

Gott – so weit weg und zugleich so zuinnerst nahe. Viel näher und viel tiefer als die Sonnenstrahlen, die nur die Haut zärtlich berühren. Anders die Liebe Gottes. Sie erreicht, wenn ich mich ihr auftue tatsächlich mein kaltes Herz, wärmt es und belebt es. Macht es wieder hell. Die Sonnenstrahlen meinen nicht mich persönlich, wohl aber Gottes Liebe und Gnade. Sie meinen mich, mich ganz persönlich.

Gott die Mitte von allem. Wir drehen uns um ihn. Aber wie in unserer Sprachweise von der Sonne denken wir meist anders. Wir denken, Gott entschwindet, geht über uns auf, oder entschwindet uns. Nein, wir sind es, die sich herausdrehen aus der Sonne Gottes. Wir sind nicht der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Das ist Gott.

Anders als die Sonne werden Gottes Liebe und Sein Licht niemals erlöschen. Er bleibt für immer. Auch wenn die Sonne und das ganze Sonnensystem längst erloschen ist. Er bleibt und strahlt und leuchtet und wärmt weiter. Vielleicht fällt Ihnen auch selbst noch etwas ein, wie sich unsere Sonne und Gottes Licht miteinander vergleichen lassen. Und übrigens habe ich nachgesehen: die Sonne ist etwa 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Und die Strahlen brauchen von dort bis zu Ihnen acht Minuten. So schnell ist das Licht.

04.08.2009