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Es gibt im Kapitel 6 des Buches Jesus Sirach einen schönen Text über die Freundschaft


Sir 6,5 Sanfte Rede erwirbt viele Freunde,
/ freundliche Lippen sind willkommen.

6
Viele seien es, die dich grüßen,
/ dein Vertrauter aber sei nur einer aus tausend.

7
Willst du einen Freund gewinnen,
/ gewinne ihn durch Erprobung,
/ schenk ihm nicht zu schnell dein Vertrauen!

8
Mancher ist Freund je nach der Zeit,
/ am Tag der Not hält er nicht stand.
9 Mancher Freund wird zum Feind,
/ unter Schmähungen deckt er den Streit mit dir auf.
10 Mancher ist Freund als Gast am Tisch,
/ am Tag des Unheils ist er nicht zu finden.

11 In deinem Glück ist er eins mit dir,
/ in deinem Unglück trennt er sich von dir.
12 Trifft dich ein Unglück, wendet er sich gegen dich
/ und hält sich vor dir verborgen.


13 Von deinen Feinden halte dich fern,
/ vor deinen Freunden sei auf der Hut!

14
Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt;
/ wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden.
15 Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis,
/ nichts wiegt seinen Wert auf.

16
Das Leben ist geborgen bei einem treuen Freund,
/ ihn findet, wer Gott fürchtet.
17 Wer den Herrn fürchtet, hält rechte Freundschaft,
/ wie er selbst, so ist auch sein Freund.


Freundschaft hat nicht das Leidenschaftliche der Liebe, nicht ihre Absolutheit und Ausschließlichkeit, hat nicht so mit Leben und Tod zu tun wie sie, sondern mehr mit Freisein, Vertrauen, Daheimsein, Ausruhen, Annahme, Verstehen. Oft mit Lachen.

Wie herzlich habe ich oft mit meinem Freund gelacht und lache ich auch heute noch. Leute beobachten und sich aufmerksam machen und liebevoll spotten. Und endlich einmal nicht immer wachsam und politisch korrekt sein, sondern jemanden haben, wo man einfach mal seine Gefühle äußern, sein Glück aber auch seine Wut oder Enttäuschung, seine Ratlosigkeit rauslassen und aussprechen kann. Wo man nicht perfekt sein muss und auch mal die Schuhe ausziehen kann, ohne Angst zu haben, dass da ein Loch im Strumpf sichtbar würde.

Ich habe hier (als Mann) hauptsächlich die Freundschaft unter Männern vor Augen, obwohl es echte Freundschaft auch zwischen Männern und Frauen gibt (und ich kenne sie auch selbst) und selbstverständlich auch unter Frauen, die ja bekanntermaßen ihre beste Freundin haben. Jeder und jede kann das, was ich hier schreibe auf die jeweiligen Verhältnisse selbst anwenden, ergänzen und korrigieren.

Freunde, so habe ich gerade gelesen, streiten häufig miteinander und zwar auch heftig. Das können sie gerade darum, weil sie Vertrauen zueinander haben. Der Streit kann der Freundschaft, dem Vertrauen nichts anhaben. Einem Freund kann ich einmal etwas wirklich Kritisches sagen, was ich jemandem, der mir nicht so nahe steht, nie sagen könnte. Aber eben auch umgekehrt.
Er kann mir mal sagen: „Du hast Dir in letzter Zeit angewöhnt, jeden Abend eine ganze Flasche Rotwein zu trinken. Und dann wirst Du ganz unleidlich. Pass mal ein bisschen auf Dich auf!“

Einem Freund, dem ich so etwas Schwieriges und Unangenehmes nicht zumuten kann, der ist kein richtiger Freund. Dann bleibt es letztlich nur ein 'fremder Freund', wenn man, wie in dem gleichnamigen Buch von Christoph Hein, nur die Sonnenseiten miteinander teilen will, aber die Probleme, also auch sich selbst mit allen seinen Seiten, draußen lässt.

Freundschaft ist grundsätzlich auf gleicher Augenhöhe.
Hier liegt aber auch eine Gefahr. 'Mit jemandem Pferde stehlen können', das ist zwar eine schöne Redewendung für Freundschaft, aber eigentlich ist so etwas - wörtlich verstanden - dann eine kriminelle Vereinigung.
 
Da kann ich mich fragen, was für Freunde suche ich mir?

Solche, zu denen ich eher aufblicke, eher welche, von denen ich was lernen kann, die eine Herausforderung sind?

Oder welche, die nur kumpelhaft sind und mir alle möglichen schlimmen Dinge beibringen, die mich runterziehen? So eine Gang?

Oder will ich Freunde, die mich bewundern?



Ich meine, die grundsätzliche Augenhöhe bedeutet, dass ich Achtung und Hochachtung vor meinen Freunden habe und gleiche Augenhöhe gerade ein Aufblicken im Sinne der Achtung und Bewunderung nicht ausschließt. Aber diese Achtung und Wertschätzung muss gegenseitig sein.
 
Freundschaft braucht Bewährung. Echte und tiefe Freundschaft entsteht mit Menschen, mit denen ich etwas bewältigt habe, die mit mir durch harte Zeiten gegangen sind. Mit denen ich auch gerungen und mich auseinandergesetzt habe. Mit denen ich schwere Konflikte bewältigt habe. Darum gewinnt man unter den Schulkameraden oder Arbeitskollegen Freunde, wenn es solche Bewältigung schwerer Zeiten gab. Gerade diese schwierige Zeit verbindet dann. In dem Film 'Der Sturm' wird gezeigt, wie der gemeinsame Kampf um das Schiff und mit dem Orkan die Matrosen zusammenschweißt, tatsächlich auf Leben und Tod.

Dann entsteht Freundschaft, die ein Leben lang hält. Auch wenn die Lebensumstände die Freunde trennen, so bleibt man doch verbunden. Auch wenn man sich vielleicht nur einmal im Jahr sieht, man hat sich dennoch etwas zu sagen. Freilich darf das nicht auf Dauer so sein, dass man nur einmal im Jahr miteinander Kontakt hält.

Freundschaft braucht Zeit und will auch Zeit miteinander verbringen. Hier liegt vielleicht heute die größte Gefährdung. Wir haben keine Zeit. Wenn ich aber wirklich ehrlich bin, muss ich sagen: Ich habe dafür keine Zeit. Oder noch brutaler und wahrhaftiger: Ich habe für Dich keine Zeit. Das kann einmal sein. Dann muss ich sagen: Ich habe für Dich jetzt keine Zeit. Das aber wird unglaubwürdig, wenn ich das immer und immer wieder sage.

So muss ich mich fragen, wie viel Zeit schenke ich meinen Freunden?

Das ist wirklich ein Kriterium für die Freundschaft, das gegenseitige Geschenk der Zeit.

Und nun die letzte Frage:

Kann ich alles das auch auf mein Verhältnis zu Gott beziehen?

Freundschaft mit Gott? Jesus mein Freund?

Kann ich glauben, dass Gott mir so wohl will, mir so nahe ist und sein will wie mein bester Freund, wie meine beste Freundin?