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Diese Frage kann nur stellen, wer selbst liebt.
Sie kann nur gestellt werden, wenn da schon eine Liebesgeschichte war. Warum sie gestellt wird, das kann sehr verschieden sein.

Wann habe ich selbst diese Frage zuletzt gestellt und wann wurde sie mir zuletzt gestellt?

Wie war die Antwort?


Wir wollen nun eine Bibelstelle lesen und bedenken, in der sie auch gestellt wird. Sie steht am Ende des Johannesevangeliums und es sind lauter letzte Worte, um die es geht.

Johannes 21,15
Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
16 Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
17 Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!



Liebe und Auftrag

Dreimal und sehr formell in der Anrede: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Um nachzuempfinden, was das auslöst, kann ich hier meinen eigenen Vor- und Nachnamen einfügen und auch laut sprechen: Luise Meyer, liebst du mich? Thomas Gertler, liebst du mich? Dreimal. Das ist quälend. Das ist schwer. Und natürlich werde ich mir bewusst, woran auch Petrus denkt und was im Hintergrund steht: die Schwäche meiner Liebe, die Verleugnung, die Flucht, die Untreue, die Ichbezogenheit.
Aber alles wird nun auch überwunden und vergeben.

Andererseits ist staunenswert, dass Jesus offiziell und öffentlich nach dem Persönlichsten und Innersten fragt. Kann es sein, dass das Öffentliche, das Offizielle und Amtliche auch mit dem Innersten und Persönlichsten zu tun hat? Ist es das, worauf es letztlich in allem ankommt? Jedenfalls beruht darauf die Aufgabe, die Petrus nun bekommt. In seiner Aufgabe, seinem Amt wird er seine Liebe bewähren. Das ist auch das Befreiende für Petrus. Jetzt hat er die Möglichkeit, darin neu seine Liebe und seine Wandlung zu zeigen. Liebe und Beauftragung. Darauf steht die Kirche.
Aber darauf ruht auch die Ehe, bei der ja auch öffentlich gefragt und geantwortet wird und mit der der wichtigste Auftrag für die Zukunft einer jeden Gesellschaft verbunden ist. Und wir können noch tiefer fragen, ob nicht jeder Beruf an seinem Grunde von der Liebe getragen sein sollte.

Wie hängt das bei mir zusammen?


18 Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
19 Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!


Bindung und Erlösung
Tiefer als der Beruf, als das Amt, als meine Arbeit ist das, was ich mit meinem Leben und mit meinem Sterben bezeuge. Darum ist das, was Jesus jetzt zu Petrus sagt noch wichtiger als das Voraufgegangene.

Was macht den Petrus frei?
Was erlöst ihn?


Die Liebe zu Jesus und der Auftrag. Aber dazu muss er, der so sehr nach Freiheit und eigenem Willen strebt, dazu muss Petrus, der sich nicht festbinden lässt, sich binden lassen. Das ist konkret sein Weg zur Erlösung. Freiheit, Befreiung durch die Bindung. Ja, zuletzt durch das Angenageltwerden wie Jesus.

Es ist genau das Gegenteil des Weges, den der Auferstandene für Maria von Magdala bereit hält. Sie muss lernen los zu lassen. Jesus sagt zu ihr: Halte mich nicht fest! (Joh 20,17) Noli me tangere! Sie, die Jesus holen und halten wollte. Sie wird erlöst durch die Loslösung. Petrus durch die Bindung.

Wie ist es bei mir?

Muss ich eher lernen, mich binden zu lassen oder muss ich eher lernen los zu lassen und frei zu geben?

Wie ist mein Weg der Nachfolge?