Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheIch verstehe dich (nicht)
DeutschEnglishFrancais

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!

Die Apostelgeschichte schildert Pfingsten als Gegenbild zum Turmbau zu Babel, bei dem die Menschheit zerstreut wurde und sich nicht mehr verstand, hier versammelt sich die Menschheit zum Pfingstfest in Jerusalem und versteht sich wieder. Wie schön all die Namen der Völker und Länder von damals zu lesen.


(c) Brenton W Cooper - Fotolia.com

Apg 2,1Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.

2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.

4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.

7 Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?

8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:

9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,

10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,

11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

12 Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten?

13 Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.

14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte!

15 Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen;

16 sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist:

17 In den letzten Tagen wird es geschehen, /

so spricht Gott:  Ich werde von meinem Geist ausgießen / über alles Fleisch. / Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, / eure jungen Männer werden Visionen haben, / und eure Alten werden Träume haben.

18 Auch über meine Knechte und Mägde /werde ich von meinem Geist ausgießen / in jenen Tagen und sie werden Propheten sein.

19 Ich werde Wunder erscheinen lassen droben am Himmel /und Zeichen unten auf der Erde: / Blut und Feuer und qualmenden Rauch.

20 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln / und der Mond in Blut, / ehe der Tag des Herrn kommt, / der große und herrliche Tag. 21 Und es wird geschehen: /

Jeder, der den Namen des Herrn anruft, / wird gerettet.

Seitwert
© Robert Kneschke - Fotolia.com


Ich verstehe dich (nicht)

Was uns zuoberst anspringt und auffällt und was wir erfahren und was uns schmerzt, ist dass sich die Menschen nicht verstehen. Ja, dass sie sich feindlich sind. Und das heißt, dass sie sich nicht verstehen wollen. Dass gar keine Bereitschaft da ist, sich auf die Argumente oder die Sichtweise des anderen einzulassen. Da ist alles nur auf Abgrenzung und Abwehr der Argumente des anderen angelegt. Das tut so weh. Und das gibt es bei der Arbeit und da nennt man es Mobbing, wenn es gegen eine oder einen geht. Und das gibt es zuweilen in der Ehe, wenn es eine Krise gibt. Und das gibt es natürlich in der Politik und auf der weiten Welt mit blutigen Konflikten und Kriegen. Da geht es um das Überleben. Und das gibt es in der Religion: zwischen den Religionen und zwischen den Konfessionen, ja innerhalb einer Kirche oder Religionsgemeinschaft, und da ist es häufig am erbittertsten. Denn da geht es immer um letzte, nicht nur vorletzte Wahrheiten. Und das Nichtverstehen gibt es sogar uns selbst gegenüber. Denn wie oft verstehen wir uns selbst nicht. Wir tun und sagen Dinge, die uns dann erschreckend fremd sind. Es zerreißt uns selbst. Wir verstehen uns selbst nicht und hassen uns.

Wo ist für Sie zurzeit dieses Nichtverstehen am schmerzlichsten? Das Nichtverstehen muss aber nicht immer Grund zur Feindschaft sein. Es kann auch Grund sein, den Versuch zu unternehmen, sich zu verständigen und einander zu verstehen. Und dieser Umschwung ist ein Wunder. Es ist nämlich der Unterschied zwischen Himmel und Hölle. Es gibt eine kleine Geschichte, die das klar macht. Hölle ist die Situation, wenn Menschen am reich gedeckten Tisch sitzen, aber mit viel zu langen Löffeln, die fest mit Hand und Arm verbunden sind. Mit den Löffeln können sie die Speise zwar erreichen, aber nicht zum Munde führen. Sie verzweifeln und verhungern. Himmel ist die gleiche Situation: reich gedeckter Tisch, viel zu lange Löffel, aber nun füttern sich die Menschen gegenseitig. Umschwung von Verschlossenheit und Blindheit und Egoismus hin zu Offenheit, Erbarmen und Liebe. Ich kann das Anderssein des Anderen als Bedrohung sehen, mich hüten, mich verteidigen, den anderen weg haben wollen - Hölle. Oder ich kann die Andersartigkeit des anderen als Bereicherung sehen, als Chance, als etwas Staunenswertes und Wunderbares - Himmel.

Die Wahrnehmung der Andersartigkeit des anderen als etwas Interessantes, als etwas Schönes, ja als etwas, das Liebe und den Wunsch nach Verstehenwollen auslöst, gibt es und jede/r hat das schon erlebt. Nicht nur beim anderen Geschlecht, sondern einfach bei Menschen aus anderen Ländern oder Gegenden. Ich möchte sie dann gern kennen lernen. Dieser Wunsch führt dann zum Verstehen des anderen. Jetzt endlich verstehe ich Dich! Verstehe ich ein bisschen von Deinem Land oder nur Deiner Landschaft. Wie schön! Dieses Verstehen ist ein großes Geschenk, denn plötzlich sehe ich die Welt mit anderen Augen, nämlich mit den Augen des/der anderen. Es gibt eine Horizonterweiterung und damit bessere Aussichten in jedem Sinne. Wann ist Ihnen zuletzt so ein Licht aufgegangen? Wann hat sich Ihr Horizont neu erweitert?

Aus dem Leben von manchen Professoren habe ich zuweilen den Eindruck, eigentlich gibt es da nichts wirklich Neues mehr. Alles ist gelernt und gewusst und durchdacht und im Grunde gelöst oder prinzipiell unlösbar und darum auch uninteressant. Nichts Neues unter der Sonne, wie schon der alte Kohelet gesagt hat. Und unter uns gesagt, manchmal habe ich auch schon so eine Anwandlung. Ich erschrecke dann. Sterbe ich nicht langsam ab? Und wie ist das bei Ihnen? Sind Sie noch neugierig? Wenigstens auf die neue Folge von ... Ich jedenfalls lese immer gern die Kolumne von Axel Hacke mit dem Besten aus seinem Leben und nun dem Besten aus aller Welt. Sie verehrte Leserin und verehrter Leser hoffentlich meinen Impuls...

Aber zurück zum Verstehen und zur Neugier und dazu, noch etwas verstehen zu wollen. Also dieser Umschwung von der Angst vor dem Fremden und Unverständlichen hin zum Interesse und freundlichen Verstehenwollen das ist ein Wunder. Es ist letztlich das Wunder von Pfingsten. Pfingsten ist das Fest, an dem sich mit einmal wildfremde Menschen verstehen. Die Apostelgeschichte versteht das ganz wörtlich so. Die Predigt der Apostel versteht jeder in seiner Muttersprache. Toll! Aber es ist natürlich übertragen gemeint. Endlich verstehen sich die Menschen wieder.

Ich weiß noch, wie ich als junger Jesuit aus Erfurt einmal eine Gruppe junger Jesuiten aus aller Welt kennengelernt habe. Sie waren nach Ostberlin gekommen, um uns Jesuiten im Osten zu besuchen. Einen ganzen Tag lang haben wir uns von unseren verschiedenen Situationen erzählt. Und da wusste ich jetzt, ja, da gibt einen Jesuiten, der ist Pfarrer auf den Philippinen und hat über 100 Ministranten und er hat die gleichen Grundüberzeugungen und Glaubenserfahrungen wie ich, aus denen er dort lebt. Das hat mich sehr, sehr getröstet und froh gemacht in meiner vermauerten DDR. Es gab so ein weltweites Gefühl der Einheit und des Verstehens. Erfahrung des Geistes.

Und das habe ich schon so oft erlebt, auch mit Christen aus anderen Konfessionen: tiefe Einheit, herzliches Verstehen, auch wenn die Institutionen noch weit weg voneinander sind. Aber der Geist eint. Pfingsten - auch heute und obwohl es immer noch Trennung und Spaltung und Nichtverstehen gibt. Aber es gibt schon den einenden Geist und der ist letztlich stärker und er wird es schaffen, dass alle eins und sich verstehen werden, wie Jesus es erbeten hat.

30. Mai 2012

Frohe Pfingsttage
Thomas Gertler

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!