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Hier zwei Gebete, die aus diesem Gedanken der liebenden und gläubigen Aufmerksamkeit heraus formuliert sind:

Am Morgen


Herr, dieser Tag
Und was er bringen mag,
sei mir aus Deiner Hand gegeben.

Besinnung auf das, was heute bevorsteht…

Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Du bist der Weg, ich will ihn gehn.
Du bist die Wahrheit, ich will sie sehn.
Du bist das Leben.
Mag mich umgeben Leid und Kühle,
Glück oder Glut, -
Alles ist gut, wie es kommt.
Gib, dass es frommt.
In deinem Namen beginne ich.
Amen.


Ignaz Klug

Am Abend


Herr, dieser Tag,
mit seinem kostbaren Ertrag,
war mir aus deiner Hand gegeben.

Besinnung auf das, was war…

Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Du bist der Weg,
ich durfte ihn gehen
Du bist die Wahrheit,
ich durfte sie sehn.
Du warst das Leben.
Ob mich umgeben Leid und Kühle,
Glück oder Glut, -
alles war gut.
Wie immer es kommt,
Du gibst, dass es frommt.
Und hab ich heut missfallen Dir,
so bitt ich dich, verzeihe mir …
Bewahr auch all’ meine Lieben,
schenk ihnen Schutz und Deinen Frieden.
In deinem Namen ruhe ich.
Amen.

Gerrit König SJ



Bild von Gregor Starosczyk



Gott kommt in unserem Alltag normalerweise nur ganz am Rande vor. Von sich aus kommt das Gespräch nicht darauf. Das ist ja viel zu privat. Bei besonderen Gelegenheiten ja. Eine Fernsehserie mit einem Pfarrer oder einer Nonne, über die man spricht. Eine kirchliche Beerdigung. Eine Hochzeit oder eine Taufe in der Kirche. Aber auch da geht es meist nicht um die eigene Beziehung zu Gott, um den persönlichen Glauben, sondern um Kirche und Zölibat oder so was, was die meisten gar nicht wirklich persönlich berührt.

In wenigen Gegenden stehen noch Wegkreuze, die einen an Gott erinnern wollen. Wenn mein Vater an einem solchen Kreuz vorbei ging, zog er immer den Hut zum Gruß.

Fast jeder sieht wohl täglich irgendeine Kirche.

Aber ist sie mir so ein Zeichen für Gottes Gegenwart mitten im Alltag?

Meist nicht. Gott kommt im Unterschied zu früheren Zeiten in meinem Alltag nur vor, wenn ich ihn bewusst vorkommen lasse. Nur wenn ich ihm Raum gebe und Zeit lasse. Gottesglaube und Gottesbegegnung transportieren sich nicht von selbst und einfach durch die Verhältnisse. Das war früher vielleicht einmal so, als die ganze Alltagskultur vom Glauben geprägt war und alle morgens, mittags, und abends in der Familie und bei Tisch beteten. Ob immer sehr andächtig und bewusst ist auch die Frage.

Wir sehen immer noch das Kirchengebäude, ja, wir hören auch oft noch das Mittagsläuten oder Abendläuten. Aber es erinnert mich nicht mehr von selbst an das Gebet oder an Gott. Ich muss es mir zur Gewohnheit machen, dann bewusst inne zu halten.
Wenn ich die Kirche sehe oder die Glocke höre, kann ich wenigstens innerlich den Hut vor Gott ziehen oder ein sogenanntes Stoßgebet sprechen: „Jesus, ich bete dich an!“ Oder das klassische Jesusgebet, das aus der Bibel stammt: „Herr, erbarme dich meiner!“

Für die meisten Christen hier in unseren Gegenden ist dieses Auseinanderfallen von täglichem Leben und Glauben eine große Herausforderung. Es macht uns leicht zu gottfernen Gläubigen. Wie gehe ich damit um?

Schon im 16. Jahrhundert hat Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens, eine Gebetsform entwickelt, um den Alltag und den Glauben zusammen zu bringen. Damals nannte er es „Gewissenserforschung“ („examen conscientiae: Exerzitienbuch Nr. 43). Das hat dann allmählich einen eher kriminalistischen Klang bekommen: also nach allen Fehlern und allem Schlimmen suchen.

So war es bei Ignatius nicht gemeint. Er wollte, dass man zuerst auf alles Gute und Gelungene schaut und dafür dankt. Darum nennt man es heute lieber Gebet der liebenden Aufmerksamkeit. Eine etwas umständliche Bezeichnung, aber klar in dem, was sie sagen will. Ich bemühe mich, in einer gläubigen und liebenden Weise auf meinen Tag zu schauen und aufmerksam dafür zu werden, was mir begegnet ist und ob sich darin Gottes Spuren zeigen. Das dauert so ungefähr eine viertel Stunde bis zwanzig Minuten. Dabei gehe ich nach einem Einleitungsgebet (siehe unten) zuerst den Tageslauf entlang.

Was war heute eigentlich los?

Vom Aufstehen bis jetzt. Da ist schon erstaunlich, dass ich dann schon vieles gar nicht mehr weiß.

Was habe ich eigentlich heute gegessen? Da war doch noch ein Punkt, den ich mir aufschreiben wollte! Wichtiger aber als der einfache Ablauf ist die Frage:
Wo habe ich mich gefreut?
Wo habe ich mich geärgert?
Was war schön? Was war belastend?
Wo hat sich etwas gefügt?
Habe ich wahrgenommen, wie in all dem auch Gottes gnädige Führung und Fügung am Werke war?


Wenn etwas gut geht, sage ich meist einfach: Schwein gehabt oder Glück gehabt. Aber ich kann dann auch sagen: Hier hat mir Gott zugelächelt! Und dann sage ich wenigstens jetzt am Abend: „Gott sei Dank!“ und nicht „Schwein gehabt!“


Wenn ich auf diese Weise in liebender und gläubiger Aufmerksamkeit meinen Tag anschaue, dann sehe ich, Gott kommt gar nicht nur am Rande vor. Gott kommt mitten im Leben vor. Aber ich muss Ihn eben hervorkommen lassen. Ich muss im Glauben auf die Stellen des Tages schauen, wo sichtbar oder auch unsichtbar so ein Kreuz steht oder gestanden hat.

Je geübter ich mit dieser Gebetsform der liebenden und gläubigen Aufmerksamkeit werde, umso mehr wird mein Alltag mit Gott verbunden und es kann dann alles Gottes voll werden. Er ist ja immer da. Und je aufmerksamer und liebevoller ich auf meinen Tag zu schauen vermag, umso mehr werde ich mich selbst als beschenkt empfinden.
Wir berauben uns selbst dieser Erfahrung, reich beschenkt zu sein und damit einer großen Freude, wenn wir uns nicht bewusst darum bemühen, Gottes Spuren in unserem Alltag zu suchen und zu finden.

Wenn ich das in allem Guten entdecken kann, dann gelingt es mir vielleicht sogar dort Gott zu finden, wo ich mir sonst gar nicht vorstellen kann, dass Gott da ist: nicht nur im Heilen, im Gelungenen, in dem, was glückt, sondern dann auch in dem Unheilen, im Misslingen, im Konflikt, im Schwierigen. Dann steht da dieses Kreuz am Wege. Und ich kann es grüßen. Wenn nicht sofort, in der Situation, dann am Abend beim Tagesrückblick.