Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheGlück - Teil 1
DeutschEnglishFrancais

Wenn Sie etwas in der Heiligen Schrift über die Fügungen Gottes, über Unglück, das sich in Glück verwandelt, lesen wollen, so empfehle ich Ihnen das Buch Tobit.

Sie können aber auch die Geschichte von Josef (Gen 37-50) lesen, dem Lieblingssohn von Jakob, den aber seine Brüder nicht leiden konnten. Sie verkauften ihn als Sklaven nach Ägypten. Dort wird er dann nach einigen weiteren Wirren schließlich der mächtigste Mann nach dem Pharao.

In diesen Geschichten verdichtet sich der Glaube Israels, dass Gott schließlich alles zum Guten und zum Glück führt. Den Höhepunkt dieses Glaubens an Gottes weise Führung und Fügung ist aber die Geschichte Jesu vom Kreuz zur Auferstehung und vom Tod zum Leben (Phil hymnus).


Glück

Das kleine Königreich Bhutan mitten im Himalaja hat als Staatsziel das Glück seiner Einwohner und es wird durch Befragungen überprüft, ob es auch erreicht wird. Dort ist das Bruttosozialglück wichtiger als das Bruttosozialprodukt. Das ist kein Witz, sondern ernst gemeint (vgl. Zeit online: "Im Paradies der Glückseligen").

Mehr humorvoll hat jetzt Dr. Eckart von Hirschhausen in der Süddeutschen Zeitung gefragt, wann es bei uns endlich „einen Minister für Zufriedenheitsfolgeabschätzung [gibt], der prüft, ob Gesetze zum ‚größten Glück der größten Zahl’ beitragen…“ (SZ vom 14./16.8.09, S. 2).
Herr von Hirschhausen gibt übrigens gelungene Glücksratschläge. Viele davon sind im Internet nachzulesen. Und ich empfehle sehr, sie sich zu Gemüte zu führen und sie zu beherzigen.

Ein Hauch von Glück war jetzt auch im „Spiegel“ zu finden (23/2009). Das Thema ist also allgegenwärtig und „in“. Aber es ist auch sehr alt.

Schon in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung heißt es, dass das Streben nach Glück (persuit of happiness) zu den unveräußerlichen Menschenrechten gehört. Wohlgemerkt das Streben nach dem Glück, nicht das Glück selbst.

Und Glück ist eine vielfältige Sache, so sagt uns Herr von Hirschhausen. Das Englische als deutsche Zweitsprache hat viel mehr Begriffe dafür als wir im Deutschen und in ungefährer Anlehnung an Herrn Hirschhausen nenne ich mal ein paar davon, damit wir uns der Sache ein wenig nähern.

An Stelle des Wortes Glück brauchen wir auch gern das Wort „Schwein gehabt“, also das englische „luck“. Wenn also etwas glückt, hinhaut, klappt und (gerade noch) gut geht. Oder wenn man im Lotto gewinnt, dann hat man Glück gehabt.

Das wichtigere, länger andauernde, ist aber das Glücklichsein, das die Engländer mit „happiness“ bezeichnen und das wir in der Liebe, in der Freundschaft, in der Familie, überhaupt in allen wohltuenden Beziehungen, aber auch bei einer sinnvollen Arbeit in einem wohlwollenden Umfeld finden.

Für viele ist Glück auch die Selbstvergessenheit, die sich einstellt, wenn ich mit dem, was ich gerade tue, ganz eins werde. So ging es mir früher oft beim Malen oder Zeichnen. Zeit und Raum habe ich vergessen und war ganz bei der Sache. So geht es dem Klaviervirtuosen. So kann es einem Tischler bei seiner Arbeit gehen. Dieses Glück nennt man neuerdings „flow“.

Schließlich kennt jede/r das Glück, das sich einstellt, wenn ich einen Augenblick der Harmonie der Welt erfahre: Stille auf der Bergwiese, Blick auf die Weite des Ozeans, nächtlicher Sternenhimmel und dann dieses Gefühl des einmalig Schönen, des Friedens, des Einsseins und des Außer-sich-seins: „bliss“ nennen es die Engländer.

All diese Weisen des Glücks haben auch eine spirituelle Seite. Eine Seite, wo mich in diesem Glück Gott mit seiner Güte berührt. Wir wollen heute einmal die am wenigsten von uns selbst abhängende Weise des Glücks betrachten: Glück als „luck“, als der gute Zufall, als das Gelingende. Dass mich in den glücklichen Zufällen des Lebens das Glück und Gott berühren,  vergesse oder übersehe ich meist. Warum? Dass es uns gut geht und dass die meisten Dinge klappen (Straßenbahn, Telefon, Computer, Einkauf usw.), das sehen wir als das an, was sich so gehört, was jedenfalls so sein sollte. Hier liegt meiner Meinung nach eine der Hauptursachen für die so oft beklagte Jammermentalität der Deutschen. Wir sehen das Gute und Gelingende als das Selbstverständliche und sich so Gehörende an und nicht als Geschenk.

Das Gute und Gelingende, das Glückende und Beglückende sind aber nicht das Selbstverständliche in dieser Welt, sondern das Wunder. Wir aber sagen und erwarten: Ja, das gehört sich so. Ja, das ist mein Menschenrecht… Wer aber einmal in Afrika oder in Sibirien oder in Brasilien war, und zwar nicht an den Touristenstätten, der weiß, dass so vieles von dem, was wir erwarten und für selbstverständlich halten: saubere Luft, trinkbares Wasser, Brot, Obdach, gewaltfreie Straßen, 24 Stunden elektrischer Strom, pünktliche Bahnen, alles andere als selbstverständlich sind. Es ist ein Glück, unter solchen Verhältnissen wie den unseren zu leben. Dennoch sind Menschen in Ländern ohne diese Selbstverständlichkeiten oft viel fröhlicher und glücklicher als wir. Woran liegt das? Sie freuen sich über das, was uns selbstverständlich ist, weil es bei ihnen nicht so ist. Sie schätzen es und sind dankbar dafür. Wenn ich auf die Dauer nicht wahrnehme, wie reich beschenkt ich bin, dann beraube ich mich selbst sehr vieler Erfahrungen des Glücks, der Dankbarkeit, der Nähe und Führung Gottes. Dann werde ich griesgrämig.

Damit haben wir schon einen sehr wesentlichen Punkt für das Glück verstanden: es geht um unsere Sicht auf die Welt und die Wirklichkeit. Und es geht um meinen Umgang mit ihr (und mir). Es geht um die Sensibilität. Es geht um die Aufmerksamkeit. Es gibt ein spezielles Gebet, mit dem ich darauf aufmerksam werden kann. Das nennt sich „das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“. Ich schaue mit Aufmerksamkeit und mit Liebe, nicht mit Misstrauen und Missmut auf meinen Tag. Wo ist mir heute im glückenden Zufall Gottes fügende Hand begegnet? Dass ich die Straßenbahn noch erwischt habe. Dass ich gerade die Frau Sowieso getroffen habe, die ich lange schon mal sprechen wollte. Dass meine Tochter eine Eins in Mathe mitgebracht hat. Dass ich an der Kreuzung den Auffahrunfall gerade noch vermeiden konnte. Uff – Schwein gehabt. Nein, nicht Schwein gehabt, sondern Gottes gnädige Fügung. Jetzt bei meinem Gebet will ich dafür einmal ausdrücklich Danke sagen und sehen: Welch ein Glück! Gott sei Dank!

Ja, hat denn das alles mit Gott zu tun? Ja, das hat es. In allen Dingen ist Gott da. Unserem Ordensgründer, dem heiligen Ignatius, ging es darum zu lernen und anderen weiterzugeben, wie in allen Dingen, in allen Erfahrungen, allem Tun und Erleiden Gott zu entdecken ist. Wie ich Ihn in allem berühren und erleben kann. Dass ich wahrnehmen kann, wie alles mit Gott zusammen hängt, wie alles aus ihm hervorgeht. Und das ist so – Gott ist in allem da – auch wenn es eine Autonomie, eine Eigenständigkeit der Welt und der Schöpfung gibt und darum Gott nicht innerhalb der Ursachenkette dieser Welt zu finden ist und auch nicht als ein Gegenstand unter anderen. Sondern Ihn zu entdecken als den allem zugrunde liegenden Grund. Als den innersten Kern. Als den äußersten Horizont, der sich immer mehr erweitert, je näher ich ihm komme. Gott ist nicht da wie ein Baum, eine Wolke, ein Tisch oder ein Auto. Er ist nicht ein Gegenstand. Aber der tiefste Grund, der alles umgreifende Horizont, in dem alle diese Gegenstände das sind und auch ich selbst da bin.  

Welch ein Glück, wenn mir das geschenkt wird: diesen Grund von allem zu spüren, diesen alles umgreifenden  Horizont zu ahnen. Denn dann sehe ich den Zusammenhang der Dinge und den Zusammenhang der Dinge und Ereignisse mit mir. Dann stellt sich ein neuer Sinn von allem ein und her.

Vor allem, wenn ich glauben kann und sehen kann, was mir das Evangelium sagt, dass dieser alles tragende Grund nicht nur ein göttliches Sein ist, sondern ein göttliches Du. Ein Du, das auch mich trägt, das mich liebt, das mir nachgeht, das mich führt und leitet. Und mir alles fügt. Das mir so nahe kommt wie ein Mensch. Welch ein Glück!

Ja, aber wenn Gott in allem da ist und der Grund von allem, dann ist er ja auch der Grund allen Unglücks und allen Leides! Ja, auch da ist Gott da, aber nicht als die Ursache des Unglücks, sondern als der, der immer schon dabei ist, das Unglück zu wenden, zum Guten zu fügen und uns zu erlösen.

(19.08.2009)