Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheGlück des Genießens
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Jesus selbst hat auch gern gegessen und getrunken und gern gefeiert. Seine Feinde nannten ihn darum den Fresser und Weinsäufer (Mt 11,19)

Der Grund dafür war nicht nur einfach Lebensfreude, sondern die Freude, dass Gott kommt und die Menschen wieder zu ihm finden. Der Vater des verlorenen Sohnes sagt: Wir müssen doch feiern und fröhlich sein, denn dein  Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden“ (Lk 15,32). Das feiert Jesus. Die Hochzeit ist das Bild der großen Feier der Einheit von Gott und Mensch, von Gott und Schöpfung. Da muss es genug guten Wein geben. Er ist in seiner Fülle Zeichen der überfließenden Liebe und Gnade Gottes. Die Stunde Jesu ist die Stunde seiner Erhöhung. Da fließt diese unerschöpfliche Liebe Gottes für immer.


Joh 2, 1 
Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei.

Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.

Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

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 Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!

Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter.

Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.

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 Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.

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 Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen

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 und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.

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So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.

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 Danach zog er mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern nach Kafarnaum hinab. Dort blieben sie einige Zeit.


Glück des Genießens

Normalerweise stellt man sich einen Jesuiten ja als einen spindeldürren Asketen vor, dessen Hose durch den bloßen Willen an ihrer Stelle gehalten wird. Ich entspreche nicht ganz diesem Klischee. Als lebensfroher Genießer habe ich immer mit dem Übergewicht zu kämpfen. Aber der Genuss ist auch meine Falle. Gerade durch meine Lust an der Lust schaffe ich mir Unlust. Wem es schmeckt, der isst eben leicht zu viel. Ich schaffe mir Überdruss durch zu viel Genuss. Was lerne ich seit langen Jahren daraus? Genießen will geübt und gelernt sein. Ein einziges Stück Schwarzwälder Kirschtorte ist ganz ok, aber drei? Nachher geht es einem dann nicht nur physisch nicht so gut, sondern auch seelisch. Weil man der Gier einfach unkontrolliert nachgegeben hat, beißt einen das Gewissen. Und es geht auch nicht nur um die Menge des Essens. Meist esse ich auch zu schnell, um wirklich zu genießen. Gier ist kein guter Genussbegleiter. Es gibt einige uralte Genuss-Regeln. Leider halte ich mich nicht immer daran. Wenn ich es aber tue, schmeckt mir das ganze Leben besser.

Nicht Raffinesse, sondern Enthaltsamkeit.

Wir neigen dazu, immer verfeinerter zu genießen. Also immer neue Sorten von Wein, von Brot, von Käse, von Wurst auf den Tisch zu bringen. Das geht auch ganz gut. Und unsere Feinkostläden quellen über von hunderten von Käse- Wurst- und Brotsorten. Von Jogurt und Bioprodukten mal ganz abgesehen. Aber wenn ich richtig satt bin, schmeckt mir eigentlich nichts mehr wirklich. Das beste Mittel, damit das Essen schmeckt, ist schlicht und einfach der Hunger. Der ist der beste Koch. Die Fastenzeiten steigern die Genussfähigkeit. Enthaltsamkeit entfacht den Geschmack am Leben. Und das gilt nicht nur beim Essen.

Nicht nebenbei sondern ganz dabei.

Am schnellsten esse ich bei einer Mahlzeit mit anderen zusammen und mitten im Gespräch. Andere lassen da den Löffel liegen, bei mir aber geht es da besonders schnell. Reden und essen zugleich. Das haben wir vielleicht in unserer großen Familie so geübt. Nur meine jüngste Schwester hat immer langsam gegessen. Sie ließ sich nicht hetzen. Ich erinnere mich an das Buch von Alexander Solschenizyn „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“. Darin wird ein Tag im Gulag, dem sowjetische Straflager, geschildert. Beeindruckt hat mich, wie er erzählte, dass sie die Suppe, die oft ekelerregend schlecht war, immer ganz langsam gegessen haben, damit sie ja unbedingt jedes kleine bisschen an Nährstoff aufnehmen und verarbeiten konnten.

Am glücklichsten genieße ich das Essen meist bei Exerzitien, weil es da die Mahlzeit im Schweigen stattfindet. Endlich lasse ich mich nicht ablenken, sondern bin ganz dabei und genieße das Frühstück. Auch das ist wieder eine Regel, die nicht nur für das Essen gilt, sondern für den Lebensgenuss überhaupt. Möglichst ganz bei dem sein, was man tut (siehe „Glück der Selbstvergessenheit“).

Nicht alles auf einmal, sondern eins nach dem anderen

Wir Deutschen neigen mehr als andere Völker dazu, alles zusammen zu rühren. Eintopf. Esse ich auch gern. Wie ich bis auf Griesbrei fast alles gern esse. Aber bei Eintopf übertönt der eine Geschmack den anderen. In anderen Weltgegenden isst man immer nur eins nach dem anderen, vor allem in Frankreich. So kommt jedes einzelne Gericht zur Geltung und kann seinen eigenen Geschmack entfalten. Genuss kommt durch Kontrast zustande. Und auch das gilt nicht nur für das Essen, sondern überhaupt. Wir neigen dazu, alle Kontraste zu verringern. Es gibt kaum einen Unterschied zwischen Sonntag und Werktag. Zwischen Festgewand und Alltagsjeans. Die Unterschiede zwischen den Frau und Mann wurden früher kulturell und in der Mode hervorgehoben, heute werden sie immer mehr gleichgestellt. Unisex heißt das - womit ich allerdings nichts gegen die Gleichberechtigung gesagt haben will. Der Abbau aller Kontraste macht Leben einerlei. Alle Tage Alltag. Immer mehr Langeweile und Überdruss.

Gebet ist gerade das Aussteigen aus dem alles gleichmachenden Alltag und gegen den alle Zeit gleich messenden Uhrzeigern zu einer Zeitmessung, die nach Qualität misst, wo es Hoch-Zeiten gibt und Augenblicke, zu denen ich sagen möchte: Verweile doch, du bist so schön.

Nicht viel, sondern wenig

Der heilige Ignatius gibt den Rat, man solle immer ein wenig unter der völligen Sättigung bleiben. Ich weiß nicht, ob ich je in der Lage war, diesen Rat zu befolgen. Ich fürchte nie. Aber immerhin sitzt er mir noch im Hirn. Stattdessen hat mir immer die sogenannte bayrische Askese gefallen: erst isst man, bis man satt ist. Dann isst man, bis man nicht mehr kann. Dann isst man so viel, bis es schmerzt. Und diese Schmerzen opfert man dann dem lieben Gott auf. Es hört sich lustig an, aber es ist furchtbar. Denn wie sagt Stanislav Jerszy Lec: „Die Dicken leben kürzer, aber sie essen länger.“ Wobei das noch nicht mal stimmt (s.o.). Sie essen oft einfach schneller mehr. Weil schneller mehr reinpasst.

Aber lassen wir das Selbstmitleid. Nicht die Masse macht‘s, sondern das Verkosten. Und das gilt auch nicht nur für das Essen, sondern auch für das (geistliche) Leben: „nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das innere Verspüren und Verkosten der Dinge“, so sagt auch mein Ordensgründer Ignatius. Er möchte, dass wir so die Texte der Heiligen Schrift lesen. Und innerlich ihren Geschmack aufnehmen.

Thomas von Aquin lehrt mit dem heiligen Augustinus, der Himmel bestehe darin, dass wir Gott in seiner Herrlichkeit genießen (frui deo). Es ist also eine wichtige Vorbereitungsübung, uns im Genießen zu üben.

Dass Sie Geschmack am Leben haben wünsche ich Ihnen!

(15.09.2009)