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Einer der schönsten Texte über die Liebe steht im ersten Brief des Apostels Johannes. Er ist ein Brief, der an die ganze damalige Kirche gerichtet ist.


1 Joh 4,7
Liebe Brüder (und Schwestern), wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott.

8
Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.

9
Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben.

10
Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.

11
Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.

12
Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet.

13
Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben.

14
Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als den Retter der Welt.

15
Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott.

16
Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.

17
Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt.

18
Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe(,) und wer sich fürchtet, dessen Liebe ist nicht vollendet.

19
Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.

20
Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.

21
Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben.


Glück der Liebe

Der Herr Doktor (von Hirschhausen) sagt, dass die gelungenen menschlichen Beziehungen das wichtigste für das Glücklichsein sind. Ich denke genauso. Er sagt allerdings auch, dass in der Familie nicht immer nur das größte Glück sondern auch das tiefste Unglück zu finden ist. Und auch damit hat er Recht. Dazu aber später.

Erst einmal die Fundamente und Grundlagen. Kein Mensch macht sich selbst – so sehr das manchmal die Leute glauben und wir auch vom „self-made-man“ sprechen. Und so sehr wir es vergessen, wir gehen aus der leibhaften Liebe von zwei Menschen hervor. Dass es nicht immer nur aus Liebe ist, weiß ein/e jede/r. Aber jede/r spürt auch, es sollte so sein, dass wir aus der Liebe unserer Eltern hervorgehen. Meist ist es ja so. Und das ist doch etwas sehr Beglückendes.

Und das erste, was wir von dieser Welt erfahren, ist darum nicht ein Etwas, eine Sache oder ein Ding, sondern das Erste, was wir erfahren ist ein Du. Denn so lange wir noch nicht in einem Reagenzglas gezeugt werden und in einer Retorte heranwachsen, ist unsere erste Welt-Erfahrung das Du der Mutter. Diese Welt trägt mich mit dem Leib meiner Mutter, in dem ich neun Monate wohne, und später mit ihren Armen. Diese Welt lächelt mich an im Lächeln meiner Mutter. Die Welt nährt mich in ihrer Milch. So hat jeder Mensch auch erst einmal selbstverständlich ein Du-Verhältnis zur Welt. Alles, was begegnet, wird nach der Ur-Erfahrung mit der Mutter angegangen und mit Du angeredet und so wird auch alles „persönlich“ genommen, was ich erlebe. Und ich haue den Stuhl, wenn ich mich an ihm gestoßen habe: „Du böser Stuhl, du hast mir weh getan!“ Erst mühsam muss ich lernen, dass es eben auch Sachen und Dinge in der Welt gibt, die nicht so sind wie Mutter und Vater.

Und das wichtigste, was ich in dieser grundlegenden Beziehung lerne und verinnerliche, ist, dass ich geliebt und bejaht bin. Das ist das Erste und bleibt auch das Erste und ist der Grund von allem. Ich bin geliebt, angenommen und es gibt jemanden, die/der sich freut, dass ich da bin. Tiefstes Glück. Hautnähe der Mutter. Gestillt werden. Getragen werden. Zärtlich angesprochen werden. Gestreichelt werden. Geküsst werden. Fundament von allem.

Und solche Erfahrungen des Glücks gehen ganz tief, ja sind wirklich himmlisch, weil alle Erfahrungen des kleinen Kindes absolut oder total sind, denn es kennt noch keine Zeit. Das kleine Kind ist ganz und gar bei dem, was es erlebt. Es weiß noch gar nicht, dass alles wieder vergeht. Wenn ein Kind glücklich ist, dann ist es völlig glücklich. Es erlebt den Himmel auf Erden. Und das haben auch Sie schon erlebt! Stimmt’s? Auch wenn wir es nicht mehr wissen, es ist als Erfahrung da.

Freilich gilt das auch für das Unglück. Wenn sich ein kleines Kind verlassen, ungeliebt und abgelehnt erfährt, dann erlebt es die Hölle. Denn selbst wenn ich nur für zwei Stunden weggehe, kann ich dem Baby nicht sagen: „Ich bin doch gleich wieder da.“ Das versteht es nicht. Wenn es verlassen ist, dann ist es total verlassen. So hat jede/r schon Himmel und Hölle erlebt. Das sind unsere Kleinkinderfahrungen. Sie ruhen am Grunde unserer Seele. Und sie sind unvermeidlich. Darum gibt es auch nicht nur Urvertrauen in die Güte der Welt und der Menschen. In jedem lebt auch die Angst und wohnt auch das Misstrauen. Glücklich werde ich jedoch am Ende nur dann, wenn das Vertrauen stärker ist als das Misstrauen. Und wenn ich mich auf das Vertrauen stelle und ihm glaube.

Und noch weiter: Ich wachse heran und komme aus dem passiven Baby-Sein heraus, wenn ich allmählich das Lächeln meiner Eltern mit dem eigenen Lächeln erwidere. Wenn ich ihr Vertrauen in mich dadurch belohne, dass ich selbst vertraue. Dass ich Selbstvertrauen gewinne. Dass ich etwas wage. Dass mein Vertrauen größer wird als meine Angst und mein Misstrauen. Und mit jedem bestandenen Wagnis wird es größer und mutiger. So lerne ich dann allmählich selbst zu stehen, zu laufen, zu sprechen und selbst zu lieben. Und das ist es, worum es geht. Die Liebe, die ich selbst empfangen habe, aus der ich hervorgegangen bin, soll weitergehen. Und ich werde erst richtig froh als erwachsener Mensch, wenn ich nicht nur Liebe empfange, sondern auch Liebe gebe.

Mit diesen ursprünglichen Glücks- und Unglückserfahrungen werden auch die Grundlagen zum Glauben gelegt. Ich nenne diese Fundamente (mit Walter Kasper) die Grammatik des Glaubens. Das Du-Verhältnis zur Welt und zum Ganzen ist noch kein Glaube. Auch das Urvertrauen ist noch kein Glaube, wie das Misstrauen noch kein Unglaube ist. Aber das sind Erfahrungen, die mich verstehen lassen, was Glaube ist. Ich kann die Grammatik des Glaubens durch diese Erfahrungen verstehen.

Das ist nämlich die Überzeugung des Glaubens, dass diesen Erfahrungen mit den Eltern noch etwas Tieferes zugrunde liegt: nämlich im Du der Mutter nicht nur die Welt als Ganze mich anlächelt, sondern tiefer oder höher noch Gott selbst über mir sein Angesicht leuchten lässt. Dass das Urvertrauen in die Menschen und die Welt nicht nur ein Trick der Natur (was soll das sein?) ist, um in dieser Welt zu überleben, sondern tiefer und verlässlicher als das Ja meiner Eltern zu mir das Ja Gottes ist. Und erst wenn ich das glaube und mich dafür entscheide, wird aus der kindlichen Erfahrung eine Glaubenserfahrung und tatsächlich eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Welt: wir sind da, um geliebt zu werden und auf die Liebe eine liebende Antwort zu geben und tatsächlich unser Glück darin zu finden, selbst liebende Menschen zu werden. Denn tiefer noch als die Welt als Ganze, die immer vieldeutig und apersonal bleibt, ist dieses Du Gottes, ist sein Antlitz, das über mir leuchtet.

Dieses Lächeln und dieses Ja Gottes zu mir und zu allen Menschen will genauso erwidert werden. Das ist der Sinn unseres Lebens, dass wir liebende, gemeinschaftsfähige, glückliche Menschen werden.

"Willst Du glücklich sein im Leben,
trage bei zu And'rer Glück;
denn die Freude, die wir geben,
kehrt ins eigne Herz zurück."


Oder nochmals anders gesagt: Das ist der Sinn des Lebens, dass wir Gott lieben und unseren Nächsten. Wenn wir das tun, werden wir glücklich.

Jetzt müssten wir nochmal von vorn anfangen und darüber sprechen, warum denn das mit der Liebe so oft nicht gelingt, warum diese Fundamente so oft nicht tragen und/oder von späteren negativen Erfahrungen verdeckt und vergessen werden. Das soll im nächten Impuls geschehen.

Jetzt erinnern wir uns erst einmal an dieses Positive, das es auch in meinem eigenen Leben gibt. Gott sagt Ja zu uns. Das ist die Grundlage unseres Daseins. Wir sind nur da, weil er sein Ja sagt. Nicht nur am Anfang auch jetzt. Jetzt in diesem Augenblick umfängt mich Gottes Liebe und sein Ja, auch wenn ich es vielleicht nicht spüre und es mir vielleicht schlecht geht. Hinter den Wolken strahlt die Sonne der Liebe Gottes. Das ist so. Und ich wünsche Ihnen sehr, dass sie auch darauf schauen und dem Guten mehr glauben als dem Bösen.

(25.08.2009)