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Das Evangelium vom Pfingstfest schildert, wie so ein Neubeginn geschieht. Die Jünger sitzen angstvoll und verschlossen zusammen. Sie haben eine Katastrophe hinter sich. Nicht nur die Hinrichtung ihres Anführers als Verbrecher. Sie sind alle mit schuldig geworden. Judas hatte Jesus verraten, Petrus hatte ihn verleugnet, alle anderen hatten ihn allein gelassen und waren geflohen. Katastrophe des Zwölferkreises. Da kommt ER in die Mitte. Er schenkt ihnen den Frieden und die Vergebung und einen neuen Geist und die Freude und die Fähigkeit zum Vergeben. Jetzt sind die Tage, um diesen österlichen Geist Jesu zu beten.

Joh 20,19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. 

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 

23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

(c) Jürgen Priewe - Fotolia.com


Geht es nicht ohne Katastrophe? 

Katastrophen, wohin man schaut. Fangen wir mal mit Griechenland an. Die Schulden wachsen über den Kopf, jetzt den Griechen, bald Portugal, Italien, Irland, Spanien, England im alten Europa. Japan und Amerika sind auch hoch verschuldet. Und es ist und kommt immer noch schlimmer, als man gedacht hat. Auch Deutschland ist so hoch in der Kreide, dass man nicht daran denken kann, die Schulden selbst jemals zurück zu zahlen, nur die Zinsen für die Schulden können und müssen bezahlt werden. Sonst sind auch wir pleite und es gibt keinen Kredit mehr, um weiter Schulden machen zu können. An diesem Punkt kann es noch einmal uns alle persönlich anpacken. Vor uns allen steht die Frage nach dem Lebensstil und die Frage nach der Zukunft. Werden wir, wenn es echten Verzicht, realen Rückgang von Einkommen, von Wohlstand bei uns gibt, auch voll Wut auf die Straße gehen? Viele sicherlich. Wie werden wir reagieren?

Werden wir vernünftig und fangen an zu sparen ohne Katastrophe? 

Katastrophe im Golf von Mexiko. Wir tun Dinge, die sehr gefährlich sind. Wir tun Dinge, die sehr gefährlich sind, ohne einen Rettungsplan für den Katastrophenfall zu haben. Wir verbrauchen in kurzer Zeit Ressourcen, die Jahrmillionen gebraucht haben, um zu entstehen und zu wachsen. Ja, wir lassen sie jetzt ins Meer laufen und ein ganzes Ökosystem zusammenbrechen. Nicht nur die Strände, die verschmutzen, nicht nur die Fische und Vögel, die sterben, ganze Nahrungsketten werden abgebrochen, vom kleinsten Plankton bis schließlich zum Ende der Nahrungskette, nämlich dem Menschen, dem Fischer oder Küstenbewohner, der nichts mehr zum Leben hat. Die anderen Ölplattformen aber neben der untergegangenen „Deep Horizon“ sind nicht abgestellt. Sie pumpen weiter, ohne einen Katastrophenplan. Nur neue werden jetzt nicht mehr erlaubt. Werden wir aus der Katastrophe lernen? Werden wir vorsichtiger mit dem blauen Planeten umgehen? Es sieht nicht unbedingt danach aus, wenn man die Entschlusslosigkeit des Klimagipfels anschaut. 

Katastrophen in der Kirche und näherhin im Bistum Augsburg. Der Bischof ist zurückgetreten. Vieles ist noch ungeklärt. Es darf keine Vorverurteilung geben. Aber das alles ist doch so ernst, dass der Papst den Rücktritt angenommen hat und dass Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen. Sehr viele Fragen stellen sich. Nach der Auswahl der Bischöfe. Nach der Auswahl der Priesterkandidaten. Nach der rechtlichen Beteiligung der Gläubigen und des Klerus an bischöflichen Entscheidungen, nicht nur nach der Anhörung der Gläubigen oder des Klerus. Tiefer und entscheidender: Kann aus der Katastrophe eine wirkliche Änderung, eine Umkehr, eine Neubesinnung, ein Neubeginn für die ganze Kirche von Augsburg erfolgen? 

Wenn ich auf meine eigene Erfahrung schaue, mit den Katastrophen im eigenen Leben und mit den Katastrophen, die ich anderswo erlebt habe, dann kann ich sagen: Ja, es kann Erneuerung und auch wirklich dauerhaft Gutes daraus erwachsen, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Vieles von diesen Vorbedingen ist banal, aber geschieht oft nicht. An erster Stelle muss die Wahrheit stehen. Und die Anerkennung der Wahrheit und der Schuld. Wenn ich auf den Versuch der Aufarbeitung der DDR-Zeit schaue, so sind die Versuche gescheitert, weil es zu wenig an Anerkennung der Wahrheit und der Schuld gegeben hat. Der Film „Das Leben der anderen“ schildert die Umkehr eines mittleren Stasi-Mannes. Es ist leider nur im Kino so. Ich kenne aus konkreter Anschauung vor allem das Abstreiten und Nicht-wahr-haben-wollen, selbst wenn man die Beweise direkt vor die Nase hält. Und ich weiß auch, je höher die Schuld, umso größer die Blindheit und der Mangel an Bereitschaft, sich der Wahrheit zu stellen.  

Es braucht nicht nur die Bereitschaft, sich der Wahrheit zu stellen und sie anzuerkennen. Es braucht auch eine Aussicht auf ein neues Leben. Zuerst die Hoffnung, Vergebung und eine neue Chance zu finden. Das ist nicht leicht. Wenn ich mir die Hoffnung auf Vergebung nicht machen kann, wie soll ich weiter leben? Und da ist immer die Mitwelt gefragt. Gehen wir einen Weg der Umkehr mit und unterstützen wir ihn? Oder sind wir (wie bei Griechenland oder dem Golf von Mexiko) vor allem froh, dass es uns jetzt (noch) nicht unmittelbar trifft? Geben wir den Tätern in der Kirche eine Chance zu einem neuen Leben?

Und ein letztes. Die Katastrophe setzt nur erst einmal ein Stopp. So geht es nicht weiter. Ein Neubeginn aber geschieht nur dann, wenn ich vom Alten Abschied genommen und ein neues Leben, ein neues Ideal, ein lebenswerteres Ziel gefunden habe und mich ihm aufgeschlossen habe. Und wenn die nicht in Sicht sind bei unserem Lebensstil und bei unseren Werten, dann sieht es schlecht aus. Die Geschichte meines eigenen Ordens, vor allem des Ordensgründers Ignatius von Loyola (1491-1556) hat mich das gelehrt. Katholische Erneuerung im 16. und 17. Jahrhundert durch den Jesuitenorden war nur möglich, weil Jesus und kirchliche Gemeinschaft neu gefunden worden waren. Weil sich daraus eine neue Freude und eine neue Kraft und ein neuer Weg auftaten, ähnlich wie bei den Jüngern zu Pfingsten. Diese neue Entdeckung Jesu und die Entscheidung für ihn in der schweigenden Zeit des Gebetes und der Konfrontation mit der Bibel in den Exerzitien hat die Erneuerung gebracht. Die Wahrheit darf nicht nur richten und vernichten, sie muss auch faszinieren und anziehen und ein neues Leben in der Wahrheit (Vaclav Havel), ein neues Leben in Christus ermöglichen. 

Geht es nicht ohne die Katastrophen? Meistens nicht, so möchte ich antworten. Ohne die Katastrophe, bloß aus Vernunft bringen wir meist die Bereitschaft zu wahrhafter Lebensänderung nicht auf. Die Katastrophe muss aber nicht der endgültige Schluss sein. Daraus kann wirklich ein neuer Anfang werden. Wie die Katastrophe des Kreuzes ein Ende des Bisherigen und der Aufgang eines neuen Lebens war. Die Erinnerung daran ist die Mitte des Christentums.

(11.05.2010) 

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